Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1866)
- Date
- 1866-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7 wird? „Die Falascha's" o warum mußte mir gerade dieses traurige Wort mit der ganzen Trostlosigkeit seiner Bedeutung einfallen? und warum gerade jetzt, da ich an einen großen Theil von Gemeinde- und „Landjuden" denke, der dies- und besonders jenseits der Theiß, im gesegneten Banate anzuzutreffen ist? Von der Theiß bis zum Nil ist's ja außerordentlich weit. Bedenkt man freilich, daß sich auch da an der Theiß und speziell, bei der ach nur zu großen Anzahl von Glaubensbrüdern, an die ich denke, dieselbe Ignoranz im Jüdischen, gepaart mit derselben gutmüthigen Leichtgläubigkeit findet wie dort am Nil, bedenkt man, daß auch da die Apostel zur Hand sind, welche die Leichtgläubigkeit auf jede mögliche — und was ist ihnen nicht möglich? — Weise ausbeuten, welche jüdische Knaben und Mädchen, — zwar nicht zu Protestanten, aber zu,, Juden" machen—welche die idealistische Bedeutung Jeruscholaims für den naturalisirten jüdischen Staatsbürger — Null von der Kanzel herab lehren; bedenkt man, daß man sich, gestützt auf leidige Erfahrung, hinter dieser Kanzel ganz gut eine Schaar von starken Argumenten in Gestalt von leibhaftigen Panduren und Heiduckeil, denken kann; bedenkt man dieses alles und setzt für „Sterns" Dispute mit Chasans und Schächtern andere diesen sehr ähnliche jüdisch-theologische Salbadereien von X. und A. — dann — dann kann es einem ernst beobachtenden, stillen Zuschauer wirklich passiven, daß sich ihm das Rechenexempel aufdrängt: So wie es jetzt auf vielen Seiten auf dieser großmächtigen Ebene steht, wie viele Jahrhunderte oder Jahrzehnte gehören dazu, um da aus mehreren Hunderten, vielleicht Tausenden Juden — Falascha's zu machen? „Absurd"! Nicht so sehr. — Uebrigens muß dieß ein weiterer Bericht über die Entstehungs- und Entwickelungsgeschichte der religiösen Zustände, in der, mit Rücksichtnahme auf die Jndivitualität mehrerer Gemeinden, näher zu bezeichnenden Gegend und deren Konsequenzen für Gemeinde, Schule und Haus deutlicher darthun. Diesen Bericht muß ich aber um so eher für wünschenswerth halten als ich die oben grau in grau gezeichneten Zustände unter die Rubrik: „Jndifferentismus ohneOstentati on" stelle und damit gesagt haben will, daß ich das Gebiet, auf dem diese Pflanze vegetirt, im Gegensätze zu dem des ostensiven Jndifferentismus, für der Wirksamkeit unseres Centralorganes, d. h. für dessen Aufklärungen und öffentlichen Mahnrufen wohl zugänglich halte. - Josef Nobl, Rabbiner. Gtarozirretz. In dem naheliegenden Dorfe Lukowitz wurde unlängst das Haus eines unserer Glaubensgenossen von zwölf Räubern überfallen; nur durch das besonnene Wesen und die Klugheit seiner Frau wurde er vor gänzlicher Plünderung und höchst wahrscheinlich vom Tode gerettet. Gegen Mitternacht vernahm er nämlich, wie mehrere unbekannte Stimmen Einlaß verlangten. Als er diesem Verlangen nicht sofort entsprechen wollte, hoben die Außenstehenden die Thüre aus ihren Angeln und traten, mit Aexten und sonstigen Massen versehen, in das HauS. „Geld oder Leben" riefen die Schurken und waren schon im Begriffe, ihre schrecklichen Drohungen zu bewahrheiten. Während der Hausherr sich ihnen zu Füßen warf und sie bat, nur sein Leben und das feiner Familienangehörigen zu schonen, schlich sich seine Frau unbemerkt an das Bett ihres Sohnes, weckte denselben und befahl ihm, auf den Boden zu steigen und aus dem Gaubloch nach Hilfe zu rufen, während sie selbst aus einem Fenster, 4 bis 5 Fuß über der Erde sprang, in die nahe Mühle lief und die Mühlburschen und auch die Nachtwache zu Hilfe herbeiführte. Als die Räuber merkten, daß sie in Gefahr waren, alle gefangen genommen zu werden, entfernten sie sich schleunigst. Außer einer unbedeutenden Verletzung, die sie dem Hausherrn an der Hand beibrachten, richteten sie keinen Schaden an. (Hammewasser.) Trieft. Die Stadt Triest sucht drei ihrer Bürger, die sich besonders um die Hebung ihres Handels verdient gemacht haben, dadurch auszuzeichnen, daß sie Denkmünzen, mit dem Bildnisse dieser Männer versehen, prägen läßt. Unter diesen dreien befindet sich auch der Name unseres Religionsgenoflen, des Herrn P. Parente. (Nach dem Abdbl.) Frankreich. Als der Kaiser und die Kaiserin das Etablissement Vaugenlieu (Oise), das von unseren Religionsgenossen, den Herren Leon und Koblenz geleitet wird, besuchten, belohnte der Kaiser diese bedeutenden Industriellen, die sich um die Hanfbereitung so verdient gemacht habm, dadurch, daß er Herrn Leon mit dem Orden der Ehrenlegion decorirte. (A. I.) Parts. (Jüdische Briefe von Albert Cohn. Forts.) Ein junger Mann israelitischer Abkunft war glücklich genug, sich aus dem Innern der Wüste durch die Araberstämme hindurch zu schleichen, um, von den jüdischen Gemeinden in Tunis unterstützt, von Setif nach Constantine und zuletzt nach Bona befördert zu werden, wo er im Alter von 21 Jahren den letzten Act, der ihn zu einem wahren Sohne Abrahams machte, an sich vollziehen ließ. Hier die Erzählung,' die er uns von seinen Wanderungen machte, die durch die aufrichtigste Physiognomie, die man jemals sehen konnte, sowohl als auch durch die Jnteressenlosigkeit des Erzählers, allen Glauben verdient. „Meine Mutter," erzählte er, „eine geborne Jüdin, wurde die Gemahlin eines Muselmannes im Innern der Wüste, 45 Tagereisen von Tunis. Mein Vater, den ich fast gar nicht gekannt habe, starb bald. Ich blieb allein mit meiner Mutter, die mir wohl oft sagte, daß ich