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Der Israelit · 1866-01-03 · Heft 1 (3.1.1866) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 1 (3.1.1866)
Date
1866-01-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Daß aber eine solche mindestens zur Theilung des ander beiderseitigen Praxis erwachsenden Gewinnes zwischen den gedachten Herren besteht, hat unser Glaubensgenosse in diesen Tagen zu einem öffentlichen Geheimnisse gemacht, indem er bei Ankündigung seiner Niederlassung sein Bureau als „im Hause des Herrn I.-R. Kusenberg befindlich" bezeichnete. Nun sagt man sich allgemein, daß die hochherzigsten und uneigennützigsten Advocaten in ihrer Geschäftsführung doch ihren materiellen Vortheil nicht außer Acht zu lassen pflegen, und wenn ein in rüstigem Mannesalter stehender Anwalt, der sich einer außerordentlich glänzenden Praxis erfreut, es für gut finde, einen noch nicht lange Zeit im Dienste der Themis stehenden Berufsgenossen „in seines Glückes Schiff" aufzunehmen, so müsse er von dessen Steuermanns-Fähigkeit eine besonders günstige Meinung hegen. Dies ist wenigstens eine in hiesigen Kreisen oft gehörte Ansicht. Mir schien die gewiß nicht häufig sich wiederholende Tatsache interessant genug zu sein, um sie Ihren Lesern mitzutheilen. — Oösterreichischer Kaiserstaat. Boskowitz (Mähren). Tief empörte es mich, als ich zufällig einen Artikel der Neuzeit vom 10. Nov. las, welcher, in dem diesem Blatte eigenen beleidigenden und hämischen Tone, zwei hochgestellte Männer der hiesigen Gemeinde angreift von denen der Eine unser ruhmlichst bekannter Landesrabbiner, der Andere fungirender Bürgermeister ist, ein Mann der durch seine Frömmigkeit und Redlichkeit, sich die Hochachtung nicht nur der Boskowitzer Gemeinde, sondern auch der ganzen Umgegend erworben hat. Nur der Umstand, daß ich weiß, die Betreffenden halten es unter ihrer Würde, solchen gemeinen Verläumdungen gegenüber, die Feder zur Vertheidigung zu ergreifen, konnte mich veranlassen, eine Erklärung in Bezug auf ein von der Neuzeit entstelltes Faktum abzugeben, und ich kann versichern, daß neun Zehntel der Gemeinde meiner Erklärung beistimmen. Boskowitz hat seit einigen Jahren einen Chortempel; der Cantor jedoch verrichtet sein Amt nur am Samstage und den Feiertagen, weßhalb neben ihm noch der eigentliche Vorbeter, Schochet und Kore fungirte. Dieser jedoch hat das Alter von 70 Jahren schon seit geraumer Zeit überschritten, und da er, nach dem Ausspruche des Herrn Rabbinen zur weiteren Verwaltung seines Amtes nicht mehr fähig ist, wurde er auf Beschluß des Gemeindevorstandes in den Ruhestand versetzt, und die Stelle sollte einem der sich meldenden Kandidaten zugetheilt werden. Die Neuzeit bemerkt hier, daß „durch die Erhebung unserer Synagoge zu einem Chortempel das ganze Amt entbehrlich geworden sei." Ich kann den betreffenden Herrn Korrespondenten versichern, daß Boskowitz auf der Bahn der Reformation lange noch nicht solche große Fortschritte gemacht hat, um einen Schochet schon gänzlich entbehren zu können; aber möglich, daß der Herr Korrespondent dieses nur von sich selbst konstatirt. — ES meldeten sich zwei Kandidaten, der eine war Kantor des Chortempels, der andere, ein religiöser allgemein geachteter Mann, der nur durch unverschuldetes Unglück in seinem Geschäfte dazu gezwungen wurde, sich um dieses „dem Untergeordnetsten untergeordnete Amt" zu bewerben. Aus Gründen, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, konnte sowohl unser ehrwürdiger Herr Rabbiner, als auch der beflergesinnte Theil des Vorstandes ihre Einwilligung zur Wahl des Kantors nie und nimmermehr geben, obzwar dies von den „Aufgeklärten" sehnlichst gewünscht wurde. Die Majorität der anwesenden, beschlußfähigen Versammlung, wählte endlich nach vielen vergeblichen Sitzungen den anderen Kandidaten, wonach die Wahl rechtsgiltig war, obzwar der Herr Korrespondent der edlen ^Neuzeit" dagegen so hartnäckig und mit so großem Pathos ankämpft. Dagegen wurde ein von fünfzig Personen unterschriebener Protest eingereicht, der jedoch in einer Gemeinde von nahezu 600 Familien nicht viel besagen wollte. Der Bürgermeister sah sich demnach nicht veranlaßt, auf diesen Protest einen besonderen Werth zu legen. — „Nun bricht der Hader los," viele Gemeindemitglieder, welche schon seit Jahren den Tempel nicht besuchten, besuche lhn jetzt, um durch den Unfug, den sie dort treiben, ihr Murren gegen die erfolgte Wahl öffentlich auszudrückeu, und es kam sogar soweit, daß der Herr Rabbiner sich beim Gemeinderathe beklagte, es hätten sich einige Mitglieder der Opposition in der Synagoge in seine Nähe placirt, um ihn durch unfeines und lautes Reden zu stören. Daß der Schochet sein Amt nicht verwalten könne, ist reine Lüge, und ist es überhaupt eine grenzenlose Anmaßung, den Ausspruch unseres ehrwürdigen Landesrabbiner's zu verdächtigen, und sich in Dingen ein Urtheil erlauben zu wollen, wo zu urtheilen der Herr Rabbiner allein befähigt und berechtigt ist. Der Umstand, daß der neuangestsllte Vorsänger und Schochet ein entfernter Verwandter eines Vorstandmitgliedes ist, wird von der ehrenwerthen Neuzeit in einer Weise ausgebeutet, für die mir der Ausdruck fehlt; die von mir angegriffenen beiden Männer stehen in der Achtung der Mitwelt viel zu hoch, als daß die Verdächtigungen der „Neuzeit" sie irgendwie berühren könnten. Gsongrsd, im Kislew. Wer sollte denken, daß die Theißgegend einem Correspondenten Stoff bieten könne für ein Centralorgan der Orthodoxie? Wer diese lang und breit sich hindehnende flache Gegend

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