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Der Israelit · 1866-01-03 · Heft 1 (3.1.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 1 (3.1.1866)
Date
1866-01-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 errichtet ihr denn nicht aus Staatsmitteln ebensogut wie evangelische und katholische auch jüdische Gymnasien und Realschulen? Warum wird die Inspektion jüdischer Schulen ausschließlich christlichen Geistlichen übertragen, warum nicht den Rabbinen? Warum haben die Juden Preußens keinen Decernenten für das jüdische Schulwesen im CultusMinisterium? Warum wird nicht aus Staatsmitteln eine Anzahl jüdischer Schullehrerseminarien errichtet, warum nicht wenigstens an einer Landesuniversität ein Lehrstuhl für jüdische Theologie?" — Diese Forderungen sind sicherlich berechtigt, allein sie würden, wenigstens in der dargestellten Form, selbst beim besten Willen der Regierung, nicht durchführbar sein; so wäre ein Lehrstuhl für jüdische Theologie an einer Universität ein Unding, da das jüdisch-theologische Studium von den gewöhnlichen Unwersitätsstudien durchaus verschieden ist; es könnte aber in einer Universitätsstadt ein Rabbinerseminar errichtet und vom Staate subventionirt werden. Ebenso würden jüdische Gymnasien und Realschulen von unseren modernen Brüdern, die gerne in der großen Menge aufgehen möchten, gar nicht besucht werden. Doch dem sei wie ihm wolle; man sieht, daß in politisch-socialer Beziehung noch viel zu erstreben übrig bleibt, bis die volle Gleichberechtigung erlangt sein wird. Auch aus Bayern ist in politisch-socialer Beziehung wenig zu berichten; unlängst ward in diesem Lande ein Jude, Or. Heinrich Brentano, zu Fürth als Direktor der städtischen Realschule angestellt; es ist also Bayern bereits dem Staate der Intelligenz um einen Schritt voraus. Das großartige Wirken des Herrn Distr.-Rabbinen Bambergerin Würzburg fand bei der Jubiläumsfeier desselben die geziemende Anerkennung; das von ihm errichtete Lehrerseminar erfreut sich einer gedeihlichen und segenbringenden Entwickelung. In Württemberg harrt die israelitische Kirchenverfassung noch immer der so nothwendigen Revision. — In Baden machen unsere Glaubensgenoffen von der Freizügigkeit ausgedehnten Gebrauch. — In Hamburg hat es harte Kämpfe in Bezug auf die Neugestaltung der Gemeinde gegeben, die neuerdings (siehe unten „Hamburg") wieder im Einzelnen aufzutauchen scheinen. — Von Frankfurt a. M. aus wollte Herr vr. Geiger einen Missionsverein zur Gründung eines neuen Geiger'schen Judenthums ins Leben rufen, der als eine Fehlgeburt zur Welt gekommen und keine Lebensfähigkeit mitgebracht zu haben scheint. — In der Schweiz ist endlich die Emancipation, nicht ohne schwere Kämpfe, errungen worden. — In Rußland fährt der hochherzige Kaiser Alexander II. fort, unsere Religionsgenoflen von den harten AuSnahmSgesetzen zu befreien. — In England haben nicht allein in der Hauptstadt, sondern auch in anderen wichtigen Städten Juden die Stellen von Lord-Major's ^erlangt. — In Frankreich wird augenblicklich um' die^ Wiederbesetzung der Stelle des ersten jüdischen Geistluhen, des Oberrabbinen des Cen- LralconsistoriumS, gekämpft. Diese Wiederbesetzung ist bei der in Frankreich herrschenden Ceutralisation von unberechenbarer Tragweite. Unsere Wünsche gehören dem würdigen Oberrabbinen, Herrn Klein, von Colmar; seine Erwählung wäre ein großes Glück für das französische Iudenthum. — In Paris wurde an des abgesetzten Renan's Stelle unser Glaubensgenosse, Herr Munk, mit der Professur für Orientalia betraut — ein Ereigniß, das erst durch die Schmähungen Renan's gegen Juden und Judenthum die rechte Illustration erhält. — In den vereinigten Staaten von Nordamerika haben unsere Glaubensgenossen mit hingebendem Patriotismus zum Siege der Union das Ihrige beigetragen. Mit Wehmuth schauen wir auf das für Palästina so überaus traurige Jahr zurück; zu Mißwachs und Mißernte in Folge verheerender Heuschreckenzüge gesellte sich die fürchterliche Krankheit, eine große Anzahl Opfer fordernd, Weiber zu Wittwen, Kinder zu Waisen machend. Aber erhebend ist das Bewußtsein, daß das Gefühl für das Land unserer Väter noch lebendig in unserer Mitte waltet und daß die Wohlthätigkeit des israelitischen Stammes sich so großartig gezeigt hat, wie kaum zuvor. Wahrlich, diese tröstliche Erscheinung erfüllt uns mit Muth und Hoffnung. Außer dieser Sammlung können wir jedoch von keiner religiösen That von größerer Tragweite erzählen; im Gegentheil , echt religiöse Gesinnung wird perhorrescirt und die ^Mittelmäßigkeit" an Geist und Charakter wird vielfach an die Oberfläche gezogen. Allein, das pflegen stets nur ephemäre Erscheinungen zu sein; das Wahre und Echte, das wirklich Große und Bedeutende erlangt am Ende doch den Sieg und dauert, wenn das einen Tag lang Große, aber an und in sich Unbedeutende längst in das Meer der Vergangenheit gesunken ist — Die Juden zu Mainz im Mittelalter. (Fortsetzung.) XVI. Die Weisen Lothariens. Die Gründer der Talmudschule in Mainz waren, wie wir gesehen haben, zum größten Theil Franzosen, oder Abkömmlinge von Franzosen, als R. Lion, R.

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