Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-12-20 · Heft 51 (20.12.1865) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 51 (20.12.1865)
Date
1865-12-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447243--03929-2459356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Amerika. MLi großer Genugthuung entnehmen wir der hiesigen „Staats-Zeitung" daß einer unserer geachtetesten Glaubensgenossen im Westen dieses großen Landes, der für alles Gute empfängliche Vr. Ludwig Dembitz in Louisville, im Staate Kentucky, als provisorischer Secretär unentgeltlich bei der dort gegründeten Kentucky-Einwanderungsgesellschaft wirksam ist. Mit seltenem Eifer unterzieht er sich der guten Sache, um nach beiden Seiten hin, sowohl der arbeitgebenden, als der arbeitnehmenden Klasse Nutzen zu schaffen. Der manchmal auftauchende Zweifel, ob Juden wohl im Stande sind, auch nach dieser philanthropischen Richtung hin thätig zu sein, wird hiernach bestens beseitigt. Außer Herrn Dr. Dembitz finden wir auch den großen Industriellen in Louisville, Herrn A. Brandeis, als ersten Vicepräsidenten an der Spitze der Verwaltung dieses wahrhaft wohlthätigen Vereins, dem nur Deutsche angehören. Hier sehen wir wieder, was deutsche Intelligenz zu Tage zu fördern im Stande ist. (The Hebrew Leader.) Afrika. Tunis. Unsere verehrlichen Leser haben schon so oft die bctrübendsten Nachrichten auS diesem Lande erfahren müssen. Ja, wir haben oft solche, die die ausländischen Zeitungen fast wöchentlich brachten, verschwiegen, da es für uns Deutsche, die wir in außereuropäischen Ländern höchst wenig Einfluß haben, von geringer Wichtigkeit ist; wir wollen die Herzen unserer Leser nicht betrüben. So brachten z. B. die englischen Zeitungen die traurige Nachricht, daß ein israelitischer Knabe von 14 Jahren, der O'Oiri für die O'2'Q kaufen und einem Araber, mit dem er darüber in Unterhandlung stand, nicht so viel geben wollte, wie dieser verlangte, von ihm mißhandelt wurde und sogar, nachdem einige Polizeibeamten des Weges kamen, von dem schurkischen Muselmann beschuldigt wurde, er, der. arme Knabe, habe, den Araber geschlagen. Die Folge war, daß der arme Junge vor den Kadi geschleppt und ohne weiteres Verhör zu einer Bastonnade von 200 Schlägen verurtheilt wurde. Nachdem das unglückliche Kind jedoch 60 Schläge erhalten halte, mußte man die Tortur unterbrechen, weil dasselbe kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Heute sind wir nun im Stande, unseren Lesern die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß es unseren Glaubensgenossen in England und Frankreich gelungen ist, diese bedauernSwerthcn Zustände, wahrscheinlich auf immer, beseitigt zu haben. Unser Glaubensgenosse, der Kaid Moses Schmaschah, versammelte im vorigen Monate die Rabbinen und Notablen des Landes und eröffnete ihnen, daß der Regent sowohl als auch der Premier-Minister von nun an das Wohl unserer Glaubensgenossen stets im Auge behalten werden. Unter diesen Verordnungen heben wir besonders hervor, daß: 1) an alle Beamte und Richter der Befehl ergangangen sei, daß kein Jude mehr die Bastonnade erhalten dürfe; 2) daß das Zeugniß eines Juden volle Giltigkeit bei allen Gerichtshöfen besitze; 3) daß die muhamedanischen Geistlichen, die Kadis und Muftis keine Gewalt mehr über unsere Glaubensgenossen hätten; 4) der Kaid Moses Schmafchah hat alle Richter in wichtigen Fällen, die die Juden angehen, möglichst zu überwachen. 5) daß bei allen Regierungsbeschlüssen, die Juden betreffend, unser Glaubensgenosse, der Kaid, ebenfalls zugegen sein müsse. Allgemeine Freude herrscht unter der jüdischen Bevölkerung dieses Landes in Folge dieser Proklamation. Für unsere armen Brüder in Palästina hat man in Tunis 10,000 Francs gesammelt. Der Kaid Schmafchah gab für sich und seine Familie allein 1500 Francs, auch veranstaltete er die ganze Sammlung. W e st i n d i e n. St. Thomns. Dem „I. Ehr." wurde unlängst von dieser Insel geschrieben, daß einige, wenn auch unbedeutende Reformbestrebungen an dem Unwillen der Majorität gegen dergleichen Veränderungen gescheitert feien. Der betreffende Berichterstatter glaubt nun diese Glaubenstreuen, „der Civilisation Abgeneigte" nennen zu müssen, Daraus hin erhielt die Red. der genannten Zeitschrift drei Schreiben, von denen eins, das mit „ein Orthodox" unterzeichnet ist, vollständig, die übrigen, weil sie fast desselben Inhalts sind, nur theilweise wiedergegeben wurden. Aus dem ersteren heben wir Folgendes hervor: Nichts Anderes als Neuerungs- und Modesucht ist es, die sich in der Abwechselung so wohl gefällt, und mit verwegener Hand, alte, seit Jahrtausenden heilige Satzungen antastet, um ihnen nur deßhalb eine andere Gestalt zu geben, damit etwas Neues an die Tagesordnung gebracht werde. Ja, Orthodoxie ist unsere Doctrine. Wir huldigen ihr; jeden Samstag wird sie uns von der Kanzel herab gelehrt, und wir sind sehr darauf bedacht, das, was die Orthodoxie lehrt — Friede und Eintracht zwischen Allen — in die Praxis des Lebens übergehen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.