Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1865)
- Date
- 1865-12-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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7H7 seiner achtzehnjährigen Praxis über 2500 Trauungen vollzogen, ist wie wohl, selten ein Anderer bei dieser seiner Gemeinde beliebt. Ueberall und bei Allem ist er. Die Gemeinde Paris, aus so verschiedenen Elementen zusammengesetzt, ist nicht leicht zu dirigiren. Schwerlich würde man einen Stellvertreter Isidors finden, wenn dieser sein jetziges Amt mit einem anderen vertauschen würde. Berechtigt ist daher sein Weigern gegen einen derartigen Vorschlag. Auch würde ihm, wenn aus seiner bisherigen Lebensweise gerissen, das stille zurückgezogene Leben schlecht behagen, ja sogar seine Gesundheit beeinträchtigen. Was den Rabbiner von Marseille betrifft, so muß vor Allem bemerkt werden, daß derselbe ein sehr bejahrter Mann ist. Dreißig Jahre schon bekleidet er seine jetzige Stelle. In diesem Alter vertauscht man ungern seine gewohnten Beschäftigungen. Vielleicht erwarten gewisse Leute, das von der Schwäche eines Greües zu erlangen, was man der Energie eines Jüngeren nicyt entreißen kann. In jenen Cirkeln spricht man schon mit solcher Zuversicht von seiner Wahl, daß man bereits an einen Nachfolger für ferne seitherige Stelle denkt. Die übrigen ausgestellten Namen zu besprechen, halten wir für unnütz. Aber, man mag wollen oder nicht, wenn man sich im Kreise der sranz. Rabbiner umblickt, so kömmt man immer aus den fähigsten, den verdienstvollsten, den gelehrtesten zurück : aus den ehrwürdigen und hochgeachteten Rabbiner von Colmar. Man spricht immer von unserer Epoche und dem Fortschritte des Jahrhunderts. Das muß man jedoch unverholen aussprechen, daß es dem 19. Jahrhundert schlecht anstehen würde, zu zögern, denjenigen zu wählen, der so viel Wissen, so viel Verdienst besitzt. Herr Frank, Vice-Präsident des CentralconsistoriumS sagte schon im Jahre 1847: „Herr Klein ist ein Mann von großem Wissen, „nicht allein im talmudischen Fache, in der Kenntniß „der heil. Schrift und ihrer Cömmentare, sondern auch „in den profanen Wissenschaften, in der Literatur der „Völker des Alterthums. Plato, Aristoteles, die anderen Schriftsteller Roms und Athens sind ihm begannt. Er versteht die modernen Sprachen; er ist „mit einem Worte, ein Candidat ohne Gleichend, weit „über alle Anderen hervorragend, er ist ein bedeutender „Mann." Im Jahre 1865 fragen wir denselben Herrn Frank, ferner Herrn Munk, beide in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, ebenso Herrn Cersbeer, den Präsidenten des Central - Consistoriums , welcher der Fähigste unter den Rabbinen Frankreichs ist? Müssen sie nicht sagen, daß dieses Herr Salomon Klein, Arsnä rakkin zu Colmar, ist? Wir fordern sie auf, das Gegentheil zu sagen. Darf man unter diesen Umständen noch in der Wahl zögern? Will man den Verfall des Judenthums? Doch nein; davon kann keine Rede sein; das Judenthum hat schon ganz andere Prüfungen überstanden; sie haben nur dazu beigetragen, es zu befruchten und eS erstarken zu lassen. — Straß-irrst. Unter allen Gemeinden des Kaiserreiches war diejenige zu Straßburg stets ein Muster des Friedens, der Eintracht, der wahren jüdischen Bruderliebe. Da kommt nun der Dämon der Reform und wirft die Brandfackel der Zwietracht in das Gemeindewesen. Die Verwaltungscommission, wie man uns versichert, durch den Rabbiner veranlaßt oder wenigstens von demselben autorisirt, hat die Orgel, den Abgott der modernen Zeit, in den Tempel eingeführt, welche nicht nur am Sabbat, sondern auch am Rosch- Haschanah und Jom Kippur während des Gottesdienstes gespielt wurde. In Folge dessen verließ am zweiten Tag Suckoth, der größte Theil der Gemeinde, sehr aufgebracht gegen diese anti-jüdische Neuerung, in seinen religiösen Gefühlen tief verletzt, die Synagoge, gerade in dem Momente, da der Rabbiner die Kanzel betrat. Etwas Unerhörtes, Unglaubliches erfolgte nun. Die Commission ließ die Thüre der Synagoge schließen und verwehrte also Jedem den Eintritt! Mit welchem Rechte konnte sie so handeln? Welch unerhörter Mißbrauch ist es, den Glaubeustreuen das Wiedereiunehmen ihrer Sitze, deren Eigeuthümcr und Miether sie doch sind, zu versagen, und sie an der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten *) zu verhindern. Die Commission ließ nun noch gegen Diejenigen, die auf den Einlaß beharrten, ein Protokoll aufnehmen. So steht eö jetzt um den Frieden und das Gedeihen einer großen und alten Gemeinde, die, vielleicht auf immer durch die zerstörenden reformistischen Unternehmungen durch ein Instrument, welches man aus bloßer Nachahmungssucht der christlichen Kirche entlehnt hat, dahin sind. Die Erinnerung an den Hohenpriester, beschäftigt mit dem hehren Tempeldienste des Jom Kippur in Jerusalem, ist in der Straßburger Synagoge durch das Spiel eines christlichen Organisten während der gefeiert worden. (Ilviv. isr.) Rußland. Die talmudistischen Juden besitzen im Reiche 616 Synagogen und 2435 Betschulen mit 51.09 Geistlichen. Die Karmin haben in den 5 Gouvernements, in welchen dieselben angetrvffen werden, 1.4 Synagogen mit 46 Geistlichen.