Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1865)
- Date
- 1865-12-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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7b6 Schule und den Organismus des Unterrichtes versteht, der wird wissen, daß eine solche private Nachhilfe, besonders im Jüdischen, wo es sich wert weniger um das PluS von so und so vielen Kapiteln als um den nachhaltig wirkenden Geist handelt, der das kindliche Herz zu einem jüdischen durchbilden soll, daß diese Ergänzungsschule nur im harmonischen Zusammenwirken mit der Schule selbst und nicht ungleichartiger, verspäteter Ansatz an derselben gedeihen könne. Wer ferner die Ansichten so vieler HH. Lehrer (welche im „j. Sch. B." sanktionirt werden) kennt, der wird auch wissen, von wo aus dieses Zusammenwirken gehindert und für besagten Privatunterricht als ovväitio sivs YUL von die Forderung gestellt wird, daß derselbe — für gutes Honorar, natürlich — einem geprüften durch Dekret angestellten Lehrer überantwortet werde. — Und warum denn dieß nicht? — Weil die meisten mit dem pädagogischen Lehrbriefe und allen möglichen behördlichen Dokumenten versehenen H. H. Lehrer in Ungarn das jüdische Wissen hiezu nicht besitzen — und unter den, verhältnißmäßig, Wenigen, die es besitzen verhältnißmäßig Vielen — .-rxi', echte abgeht. Wer nun hieran mehr Schuld sei, ob die H. H. Lehramtskandidaten und die Pesther Praparandie, oder die Gemeinden und Rabbinen, das will ich jetzt dahingestellt sein lassen. So viel ist gewiß, daß das nöthige Vertrauen der Gemeinden zu den Lehrern, besonders im zuletzt berührten Punkte, an vielen Orten fehlt, oder doch bedeutend alterirt ist. — So viel ist gewiß, daß die jüdische Volksschule in Ungarn, schon bei ihrem Entstehen, sich den Gemeinden — selbst solchen, welche, die Segnungen einer guten Volksschule erkennend, bei Kreirung derselben, die Initiative ergriffen — als eine aufoktroyirte Schöpfung eines absolutistischen, nioellirenden Princips, das keine Individualität der Gemein gelten läßt und daher, die Forderungen einer solchen nicht anerkennt, dargestellt hat. Gewiß ist ferner, daß die H. H. Lehrer in den meisten Fällen es versäumt haben, der Schule, in ihren internen Beziehungen zur Gemeinde und zum Elternhause, den vbbezeichneten Charakter zu bemhmen, ihr die Wege zum Herzen des Volkes zu bahnen, für sie um die Sympathien der Gemeinde zu werben und so die Schule zu dem zu machen, was sie sein soll: zu einer Volksschule. — Es ist endlich gewiß, daß Männer, die im redlichsten Sinne die Mängel der Schule rügten und, behutsam, diese Mängel dem der Schule zu Grunde liegenden Principe, den Umständen u. s. w. zuschrieben, daß solche Männer für „Cheder"-Männer verschrieen und die Aufklärungen, die sie einer Gemeinde gaben, geradezu als regierungsfeindlich verdächtigt wurden, — und das von jüdischen Lehrern, in jüdischen öffentlichen Blättern — (wie z.B. im „B. CH." welchem Blatte der ,,j. Sch. B." seinen Dank votirt) was aber seiner Zeit, hier in Ungarn sehr viel zu sagen hatte. — Wohl ist ein jüdisches Schulblatt in Ungarn ein Bedürfniß. Dieses soll, im Wege fachgemäßer, objectiver Diskussion der einzelnen Schuldisziplinen, dem Lehrer einen Leitfaden bieten, der ihn, durch das Wirrsal von Gegenständen und Sprachen hindurch, zu einem möglichst entsprechenden Resultate geleitet; es soll, nicht vom Standpunkte des nivellirenden Reglements, sondern von dem der jüdischen Lehrergewissenhaftigkeit ausgehend, den Lehrer an seine moralische Verpflichtung, der Humanität und dem Judenthume gegenüber, mahnen, an die wirkliche Hoheit seines edlen Berufes erinnern, so, daß er weniger an die Behörde und das Dekret, als an die jüdische Schuljugend denke; es soll die Gemeinden immer mehr zu der Ueberzeugung bringen, daß ihre Lehrer redlich ihr Bestes wollen, daß sie, von jüdischem Berufseifer durchdrungen, weniger die Beamten, als die wahren Freunde derselben sein wollen. Ein jüdisches Schulblatt in Ungarn soll vor Allem das bestehende, durch kein Jgnoriren und durch keine Witzeleien hinwegzubannende Mißtrauen der Gemeinden heben und den Weg der Verständigung und des redlichen Zusammenwirkens, auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und Liebe, zwischen Schule und Haus, Gemeinde und Lehrer, anbahnen. — Daß nun hiezu, in Ungarn, gerade jetzt der geeignetste Zeitpunkt da sei, hat auch unser „j. Sch. B." richtig erkannt. Die Gemeinden mit ihren Institutionen, an deren Erhaltung Schweiß der Arbeit klebt, werden, voraussichtlich, immer mehr sich selbst zurückgegeben werden. Das Land — der Staat geht, gewiß mit dem aufrichtigsten Willen, an die Lösung seiner staatsrechtlichen Lebensfragen; da ist's gewiß auch für uns hohe Zeit, mit „vollkommenem Wollen" an die Lösung unserer inneren Fragen, unter denen in erster Linie die Schulfrage, zu gehen. — (Schluß folgt.) Frankreich. Paris. Die Ernennung eines Central-Rabbiners für Frankreich und die Colonien ist es, welche alle Gemüther in Aufregung versetzt, und welche die Ursache der großen Gespanntheit ist, mit welcher man dem Zusammentritt des Centralconsistoriums entgegensieht. Drei Candidaten sind es, auf die wohl die engere Wahl fallen dürfte. Es ist dieses zuerst der Ober-Rabbiner Herr Isidor zu Paris, der Ober- Rabbiner von Marseille und Herr Klein, Ober-Rabbiner zu Colmar. Der „Univers Jsraelite," bespricht diese Candidaturen ungefähr folgendermaßen: Herr Rabbiner Isidor, der in seinem Rabbinate Paris, Ln