Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-12-20 · Heft 51 (20.12.1865) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 51 (20.12.1865)
Date
1865-12-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447243--03926-2459353
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Beilage zu Nr. 51 des Israelit. Zeitungsnachrichten nn- Korrespondenzen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Gsongräö am 19. November. Die jüngste Nummer des „Israelit," in deren Beilage, von S. a. Ujhely aus, das baldige Erscheinen der Probenumrner des von Herrn N ckhün Eleaiar Fischer redigirten „jüdischen Schulboten" ang« zeigt wird, ist mir fast zugleich mit dieser Probenummer zu Hände gekommen und ich hatte so gute Gelegenheit, zwischen der, in gedachter Ankündigung ausgesprochenen Hoffnung, auf ..die glänzendsten Resultate" des, von der ungarisch jüdischen Lehrerwelt freudigst begrüßten, von den H. H. Taoerrrikus und Obergespan freundlichft ausgenommenen Schulblatte und — der erfen Nummer dieses Blattes ein n Vergleich anzustellen. — Dieser Vergleich hat mich weit weniger befriedigt, als ich cs im wohlgewürdü.ten Interesse der jüdischen Volks chule in Ungarn gewünscht hätte. Wohl weiß ich, daß die erste Nummer eines Blattes - sei es aus welchem Gebiete der praktischen Wissenschaft immer — höchstens das Programm des ^Herausgebers und auch dieses, nur in so weit in seinen prinzipiellen Grundzügen, enthalten könne, als die Möglich^ it erheischt, den Standpunkt zu erkennen, von welchem aus, der Herausgeber den Gegenstand seines Vorwortes, in seinem Blatte betrachten und behandeln, resp. behänd lt wissen will. Auch sind mir die Schwierigkeiten des Entsthens — besonders im Guten — zu sehr bekannt, als, daß ich danach Gelüste tragen sollte, an dem Inhalte der ersten Nummer des „jüdischen Schuldsten" kleinlich zu mäkeln, oder, dessen sehr schöne, beruhigende Versicherung, „alles, nur nicht werden zu wollen" übersehend, an demselben übersirenge, ängstliche KriLk zu üben. Ich höre darum mit Ruhe, aus dem Munde des „jüdischen Sch. B ," des großen Dichters weise Worte au: „Vollkommenheit ist die Norm des Himmels; vollkommenes Wollen die Norm des Menschen." — Was mich in der vorliegenden ersten Nummer des „j. Sch. B." nicht befriedigt, ist — vor der Hand von der Eminenz des „Könnens" abgesehen — vor AL m eben das „Wollen" dieses Blattes, wie es sich in den bisher gebrachten Artikeln kund gibt. — Das jüdische Schulwesen in Ungarn laborirt — wer will dieß leugnen — an großen Mängeln. — Em arges Mchverhällniß zwischen der Anzahl der Schüler, der Gegensiänve, welche gelehrt werden, der Sprachen, in welchen geiehrt wird und der Anzahl der Lehrer und der gesetzlich anberaumten Schulstunden ist, fast überall, dem Schulfreunde, zu dessen größtem Leidwesen, bemerkbar. — Der Thun'sche Schulplan für Oesterreich, der schon genug des Guten für den jüdischen Bibel- und Religionsunterricht gethan zu haben glaubte, da er, das Zeitausnwß für Katechismus, an christlichen Schulen, zum Maßstabe nehmend, dem jüdischen Lese, Bibel und Religionsunterrichte (?) noch über die 2—3 Katechismus stunden andere 2—3 Stunden wöchentlich, für jede Klaffe zuwies — dieser Plan gilt für die jüdischen Volksschulen in Ungarn, eigentlich heute noch als Norm, wie dieß eine, vom k. Statthaltereirathe zu Ofen, an sämmtliche Lokalschul-Direktorate im Lande erlassene Bestimmung ä. cl. 26. Mai 63 darthut. — Hiezu ist der, in dem politischen Umschwünge der Zeitverhältnisse begründete Umstand gekommen, daß nunmehr die ungarische Sprache mit ihren vermehrten — an und für sich zu b.lligendtN — Ansprüchen an die jüdische Schule herantritt und ihre Rechte fordert. Der ephemere Wechsel dtp Sprachen und Gegenstände und die Zerstückelung der Schulstunden, die hiedurch entstanden sind, haben dem subjectiven Gutdünken des Lehrers am messten Vorschub geleistet, der zweckdienlichen Behandlung der Gegenstände und, ganz besonders, der Pflege der jüdischen Gegenstände hingegen gewaltig großen Abbruch gethan. — Doppelt fühlbar macht sich dieser Mißstand in Gemeinden, die zu wenig Geldmittel besitzen, um durch Vermehrung der ordentlich angcftelltcn Lehrer und der Lehrstunden den Mangel an Jntrnfivität des Unterrichtes einigermaßen zu ersetzen; ich sage einigermaßen, denn ganz könnend, unter so bewandten Umständen auch die Gemeinden nicht, welche ganz bedeutende Summen auf ihre Schule zu verwenden haben, und noch überdieß vom Staate Subvention erhallen. — In solchen Gemeinden nun, wo die armen Väter demüssigt sind, ihre Knaben und Mädchen bis zu ihrem 12—13. Lebensjahre die 2 - 3 klassige Volksschule im Orte besuchen zu lassen, da nicht in jedem Orte in Ungarn ein Untergpmnasium oder eine Realschule vorhanden und nicht jeder dre Mittel und den Willen hat, sein Kmd allzufrühe in die Fremde zu schicken; — in einer solchen Gemeinde ist es ein doppelt betrübendes Bewußtsein, die Kinder, oft die begabtesten, unnütze Jahre an dem bischen zusammengestückelten Elementarschul - Wissen Wiederkäuen zu sehen, ohne, daß denselben die Gelegenheit geboten werden könnte, wenigstens — sagen wir noch einmal das betrübende Wort, wenigstens auf jüdischem Quellengebiete etwas Kompakteres zu erlangen. — Prwitschulel Privathilse l Abnormale Zustände, abnormale Mittel! — so wird man mir hier einwersen l Dieß ist leicht gesagt. Wer jedoch das Wesen einer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.