Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1865)
- Date
- 1865-12-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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762 Hannover, im Aislew. Da ich bei meinen vielfachen Reisen leider so häufig Gelegenheit Hobe, die Unkenntniß unserer heiligen Religion namentlich von Seiten der Jugend zu bedauern, so ist es ein um so schönerer Trost, bisweilen jungen Männern Zu begegnen, die eS sich zur ernsten Aufgabe gemocht haben, für ."nnpi zu wirken. Zu diesen rechne ich Herrn vr. Ahron Cohn aus Altona, der seit nrr hier als Stistsrabbiner anglstellt ist. Er strebt mit allen Kräften danach, das Studium unserer heiligen Gotteslehre zu verbreiten, und ist cs ihm während der kurzen Zeit seines Aufenthaltes in dieser Gemeinde bereits gelungen, mehrere junge Leute, die das hiesige Lehrerseminar besuchen, an sich heranzvziehen, so daß dieselben, soviel es ihre Zeit erlaubt, unter seiner Leitung sich dem Talmudstudium widmen. In diesem Winter hält Herr Or. C. außerdem Vorträge über das UnterrichtL-rvesen bei den alten Inden, wobei er seinen zahlreichen Zuhörern Liebe und Achtung vor den göttlichen Wahrheiten unserer ^>"r einzustößen sucht. Ich hatte Gelegenheit, der dem jüngsten Vortrage des vr. C. zugegrn zu sein, und freute mich außerordentlich über den lebhaften Beifall, welcher seiner kräftigen, gediegenen Sprache und seinem schönen Vortrage gezollt wird. Es ist ihm hierdurch gelungen, das Interesse der hiesigen GemeindemitgUeder, die sonst ziemlich indifferent sind, anzmegen, und hoffentlich wird vielleicht der Eine oder der Andere sich hierdurch zum Besuche des bewegen lasten. Die hiesigen Zeitungen berichten über diese Vorträge Folgendes: „Herr Stiftsgelehrter vr. Cohn setzte ehegestern Abend seine Vorlesungen über das Unterrichtswesen bei den alten Juden fort. In den beiden bisher gehaltenen Vorträgen entwickelte er die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bis zum Ende der talmudischen Zeit. Kein Volk des Alterthnms, begann der Redner, habe den besonderen Berns, welcher einer jeden Nation innerhalb der Menschheit zu Theil geworden, mit solchem Ernste verfolgt, als das jüdische. , Um der Träger und Erhalter des Monotheismus zu '' bleiben, verzichte es auf alle Bestrebungen, durch welche! andere Völker groß geworden, obwohl es sich zu einer Weltmacht wie die Römer hätte entwickeln und mit i den Phöniciern in Handel und Schifffahrt hätte wetteifern können. Das religiöse Element blieb in der geistigen Entwickelung der Nation immer das vorherrschende j und durchdrang sowohl das öffentliche als das private , Leben, weshalb auch die Erziehung bei den Juden! einen durchaus religiösen Character angenommen. Die! Erziehung der Griechen und Römer hätte eine mehr - politische und allgemeine Bildung erzielt, welche das Gemüth jedoch ganz unbeachtet ließ, weshalb bei ihnen I mit dem Sinken der politischen Macht der Verfall der j sittlichen Tüchtigkeit sich zeigte. Bei den Juden suchte j man mehr den inneren Menschen zu beleben, um Herz und Gemüth zu veredeln, und dieses war ganz besonders die Sache der häuslichen Erziehung. Hierbei kam ihnen die hohe Stellung der Gattin und die Innigkeit des Familienlebens zu Statten. Der Redner schilderte daraus die Erziehung und den Unterricht der biblischen Zeit nach Stellen aus der Bibel, und suchte in dem Mangel an Kinderschulen den Grund, weshalb die große Masse sich, wenn auch nur zeitweilig, dem Polytheismus hingeneigt habe. Es wären freilich öffentliche Lehrer dagewesen, und nicht allein Priester und Leviten, wie gewöhnlich angenommen wird, allem ihr Einfluß war nicht kräftig genug. Diese öfser.ilichen Lehrer seien w -hrichemlich zugleich mit den Propheten in den Prophetenschulen herangebildet worden, deren Einrichtung gleichfalls besprochen wurde. Im babylomschen Exile sei eine neue Sehnsucht nach den göttlichen Wahrheiten in dem Volke erwacht, weshalb Esra bei der Rückkehr des Volkes Sorge trug, durch Ausbildung von jüngeren Schriftgekhrtkn Gesetzestcnnlniß zu verbreiten. Da sei der G.und zu dem großen Einflüsse der Rabbinen gelegt worden, der auch nach der Zerstörung von Jerusalem die zerstreuten Juden vor Zersplitterung schützte. Sie hätten für lebendige Fortpflanzung der Tradition durch Errichtung von Elementarschulen und höheren Lehranstalten gesorgt, deren Unterrichtsart hierauf der Redner nach den aus dem Talmud gesammelten Notizen schilderte und dabei auf die Uebereinftimmung der Methode in verschiedenen Punkten mit der der neueren Zeit hinwies. Die Rabbinen haben auch Studium der Astronomie, Mathematik, Anatomie, Zoologie und Botanik gefördert, indem sie hierüber Beobachtungen anstelltcn, so duß der Jüngling, der die Lehranstalten verließ, mit religiöser und wissenschaftlicher Bildung ausgerüstet war. — Die bisherigen Vorträge hatten sich einer zahlreichen Betheiligung und eines lebhaften Beifalls zu efreuen, da der wissenschaftliche Inhalt derselben durch die gediegene Sprache und die angenehme Vortragsweise des Herrn I)r. Cohn unterstützt wurde. Derselbe wird nächstens über die talmudische Pädagogik im Vergleiche zu den neueren Systemen Vorträge halten." Möge es dem jungen, strebsamen Gelehrten gelingen, bald einen größeren Wirkungskreis zu erhalten; ich bin überzeugt, daß sein Wirken unserer heiligen zum Heil und Segen gereichen wird. David Feist. Frankreich. Papis. (Jüdische Briefe von Albert Cohn. Fortsetzung.) Der Vertrag des Marschaü Bourmont hatte ihnen wie den anderen Eingeborenen, die Unabhängigkeit und die Erhaltung chres Glaubens, der Gebräuche