Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1865)
- Date
- 1865-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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761 was darin sei. Diese wären hineingestiegen, hätten einen Sarg gesehen, ihn aufgemacht und darin einen Todten gefunden, bei dem ein Brief gelegen, in welchem geschrieben stand: „Meine lieben Brüder und Freunde, Ihr Israeliten der heiligen Versammlung zu Mainz, ich bin „zu Euch gekommen, denn ich bin in der heiligen Gemeinde zu Cöln gestorben und verlange, daß Ihr „mich bei meinen Eltern begraben wöget, und wünsche „Euch Allen Leben und Friede. So spricht: Amram." Die Juden hätten hierauf heftig geweint und den Sarg an's Land gebracht. Da erdreisteten sich die Einwohner der Stadt, sich dessen zu bemeistern und die Juden zu schlagen, hätten aber den Sarg nicht von der Stelle bringen können. Der Bischof habe nun befohlen, den Sarg allda zu verwahren, daß er nicht von den Juden weggeführt werde, und hätte darüber eine große Kirche erbauen lassen. Alle Verwendungen und Bitten der Juden, den Sarg zu erhalten, seien abgewiesen worden. Indessen sei R. Amram alle Nächte zu den Studenten in Mainz gekommen, und habe zu ihnen gesprochen: „Begrabet mich bei meinen Eltern." Da hätten sie sich entschlossen, den Wunsch des Todten zu erfüllen und wären bei Nacht aus der Stadt gegangen, hätten einen Dieb vom Galgen genommen, ihm weiße Kleider angethan, den R. Amram aus dem Sarg geholt, den Dieb an seinen Platz gelegt und den Gaon bei seinen Eltern begraben. Gott war mit ihnen, und die Sache blieb verschwiegen. Diese Sage fand Gedalia ben Jechia in einer alten Schrift und nahm sie in seiner Tradition skette, Seite 3.6, auf. DaS Masse buch entlehnte sie der Traditionskette und da dem Verfasser die St. Emmeranskirche in Mainz und Regensburg vorschwebte, so schrieb er, daß Einige behaupten, diese Geschichte habe sich in Regensburg zugetragen, was in seiner Quelle nicht angegeben ist. Dem sei wie ihm wolle, so wußte Gedalia ben Jechia nichts von unserem R. Amram aus Mainz, und da ihm kein anderer R. Amram bekannt war, als der Gaon dieses Namens vou Sura, so setzte er diese Sage unter dessen Artikel. Dieses verursachte eine neue Sage, daß der babylonische R. Amram Gaon in Mainz begraben liege. (Fortsetzung folgt.) E. Carmoly. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Krarrkfnrt a. M., 13. Dec. Gestern Abend fand im Banketfaale des Saalbaues eine zweite Versammlung derjenigen israelitischen Gemeindemitglieder statt, welche eine Reform der mit den Anforderungen unserer Zeit in schroffem Widerspruche stehenden, vom Gemeindevorstand aber hartnäckig verteidigten Gemeindeverfassung erstreben*). Der Vorsitzende Herr Or. für-. Neukirch theilte mit, daß die in der ersten Versammlung beschlossene Eingabe an den Vorstand mit über 380 Unterschriften bedeckt, am 3. September übergeben worden sei. Der Vorstand hat in seiner am 10. Oktober ertheilten Antwort zwar einige Concessionen gemacht, jedoch erklärt, daß er auf die Hauptforderung — Revision der Gemeindeversassung — nicht emgehen könne. Zugestanden wird die Veröffentlichung des Budgets, und einige Reformen bezüglich des Steuerwesens und Anzugsgeldes, zu welchem Behuse eine aus Vorstands- und Ausschußmitgliedern bestehende Commission niedergesetzt ist. Das ComitL, welches die Angelegenheit seit dem Juli d. I. leitet, ist der einstimmigen Ansicht, daß man sich hierbei nicht beruhigen dürfe, und unterbreitet der Versammlung eine zweite energische Eingabe an den Vorstand, in welcher wiederholt die Revision der ganzen Gemeindeverfassung gefordert und die Richtung, in welcher dieselbe zu erfolgen habe, näher bezeichnet wird. Ueber den Vorschlag des Comits's entspann sich eine längere Discussion, an der sich viele Mitglieder der Versammlung betheiligten. Mehreren ist die Haltung der Eingabe nicht entschieden genug, Andere wollen einzelne Punkte, besonders die Steuerreform uud die Aufhebung des Anzugsgeldes näher präcisirt haben, Andere verlangen sofortiges Petitionircn bei dem Senate, von einer Seite wird gemeinsame Steuerverweigerung als einziges zum Ziele führendes Mittel bezeichnet. Das starrsinnige Festhalten des Vorstandes an dem Systeme der Selbstergänzung, an der mittelalterlichen Geheimthuerei, an der ungerechten Verkeilung der Steuern und der geradezu unerhörten Belastung der neu in den Gemeindevcrband Tretenden wurden, zum Theil in den schärfsten Ausdrücken, gerügt. Von Seiten der Conütsmitglieder wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die zweite Eingabe nicht fruchtlos bleiben werde, jedoch zugegeben, daß man sich andern Falls allerdings an den Senat, wenden müsse. Bei der Abstimmung wurde die vorgelegte Eingabe nahezu einstimmig genehmigt und das Comitä mit der weiteren Ausführung der Sache beauftragt. Für zwei in den Gemeindeausschuß gewählte Mitglieder wurden in das Comitä die Herren Adolph Hahn und Ignatz Kreuznach gewählt. (N. F. Z.) gesellschast sehr günstig sein^die noch immer zu dm Cultu^kosten der (Reform-) Gemeinde beisteuern muß.