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Der Israelit · 1865-12-20 · Heft 51 (20.12.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 51 (20.12.1865)
Date
1865-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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763 und Sitten, die mit demselben in Verbindung stehen, zugesichert. Kaum hatten jedoch die Franzosen festen Fuß auf afrikanischem Boden gefaßt, kaum waren die Generäle in die Ebene Mitidja, welche sich von den Thoren Algiers bis nach Blidah hin erstreckt, eingedrungen, als die Juden, oder wenigstens der größte Theil derselben, schon wünschten französische Bürger zu werden um sich ganz der Nation anzuschließen, die die Regierung ihres Vaterlandes in die Hände genommen hatte. Jemehr sich die Araber Mühe gaben die neuen Eroberer zu vertreiben — trotz der größeren Sicherheit des Lebens und des Vermögens, welche sie den Einwohnern verschafften — desto mehr Maßregeln ergriffen die Juden, sich ihnen anzuschließen, ihre Sprache zu lernen, für ihre Bedürfnisse Sorge zu tragen und sich überhaupt nützlich zu machen. Unter diesen Umständen war es, daß die Herren Allaras und Lohen ankamen, um die Verhältnisse dieser Bevölkerung näher kennen zu lernen. Außer einer Mädchenschule, welche von Fräulein Hartog geleitet wurde und ungefähr 30 Schülerinnen enthielt, bestand noch eine Knabenschule, deren Lokal eine Synagoge war, welche man außer den Gebetstunden diesem Zwecke gewidmet hatte. Diese beiden Schulen wurden auf Kosten der Regierung erhalten. Der Direktor der Knabenschule war Herr Weil, welcher 1844 in dieses Amt eingesetzt wurde, und später achtzehn Jahre lang xrauä rabkiu des algerischen Consistoriums war. Seiner Thätigkeit verdankte man das Zustandekommen und die Entwickelung der Consistorien der drei Provinzen des französischen Afrika's. Das Kriegsministerium, das Algier und Alles, was zu dieser neuen Colonie gehörte, zu verwalten hatte, bildete im Jahre 1844 eine Commission, zusammengesetzt aus einigen Mitgliedern des Central- Consistoriums, aus einigen Beamten der Cultusverwaltung und einem StaatSrathe, um ein Regulativ zu entwerfen, das von der königlichen Regierung Sanction erhalten sollte, um die Verhältnisse der Juden, die ihre alte Lebensweise immer mehr vergaßen, ohne jedoch sich solche Eigenschaften anzueignen, wie sie eine regelmäßige Civilisation und ein allgemeiner Unterricht bedingen. Nun fing ein förmliches Hin- und Herzerren an. Einerseits war das Kriegsministerium gegen alle Erhebung der Juden und überhaupt weit freundlicher gegen die Araber, mit denen man Krieg führte, gesinnt, als gegen die Israeliten. Einflußreiche Mitglieder desselben legten sogar offen ihre Ansicht an den Tag, daß die Araber nur scheelsüchtig auf die Juden, ihre früheren Sclaven, blicken würden, und daß man solches zu verhindern suchen müsse. Die Civilregierung wünschte hingegen völlige Gleichstellung der afrikanischen Israeliten mit den übrigen französischen Bürgern; indessen hatte dieselbe damals noch wenig Macht. Diese Zerrerei machte sich im Jahre 1845 selbst in Paris bemerkbar, wo man einen diesbezüglichen Regierungsbeschluß länger als ein Jahr liegen ließ, ohne ihn abzusenden, und zwar aus bloßer Unschlüffigkeit. Die, last jede Woche von Algier einlaufenden Nachrichten, drängten um die Beschleunigung irgend einer Resolution, denn es war so zu sagen in den verschiedenen Gemeinden so gut wie gar keine Autorität, gar keine Institution; das ganze Gemeindeleben bastrte noch auf dem Reste des religiösen Respectes, der sich immer mehr verringerte. Unter diesen Umständen entschloß ich mich, angeregt durch einige Freunde, und durch einen ausgezeichneten Freund, Herrn Feümann, unterstützt, Algier in allen seinen Theilen zu bereisen, um für das Interesse unserer Religionsgenoffen bei der Oberverwaltung thätrg zu sein. Versehen mit den nöthigen Recommandationen seitens des Marschall Soult an den Marschall Bugeaud, und an die Generäls und Verwaltungsbeamten der Colonie, schiffte ich mich am 5. September 1845 zu Marseille ein, nachdem ich die herzlichste Gastfreundschaft des Herrn AltaraS genossen hatte, der damals beabsichtigte, sich nach Paris zu begeben, um die nöthigen Schritte zu überwachen. Der Advocat Cohen, der alte Reisegefährte dieses würdigen Grerses, hatte die Stelle eines Vertheidigers bei dem Gerichtshof von Algier erhalten, und sich schon seit einiger Zeit dort etablirt. Sonntag am 7. September gewahrten wir gegen Abend, nach einer Ueberfahrt von fünfzig Stunden, die gut bewachte Stadt, mit den weißen Mauern, welche von der Kasbahhöhs das Meer in der Form eines Halbmondes einschließt. Das Treiben, die Bevölkerung, Alles kam mir fremd vor, aber außerordentlich interessant. Ich sah da eine menschliche Gesellschaft in ihrer Entwickelung. Da ich jedoch keine Zeit verlieren wollte, begab ich mich direct in die Bäte Midraschim, welche nur noch die Trümmer ihrer frühefrüheren Existenz genannt zu werden verdienten. Ich besuchte die bedeutendsten eingeborenen Familien, begab mich zu den eingewanderten europäischen Israeliten. um mir ihre Verhältnisse recht genau ins Auge zu fassen. Der Marschall Bugeaud war abwesend. Auf dem „Conrrier de l'Est" begab ich mich nach Philipeville, Bona und ConstantLne. Die erste dieser Städte, neueren Entstehens, wie dieses schon im Namen liegt, ist auf der Stelle des alten Rnsicada, erbaut, woher der arabische Name Skikda entstanden, hatte nur zehn jüdische Familien, die einen kleinen Betsaal besaßen. Bona hingegen, das alte Hippone, Amialen, wahrscheinlich wegen der vielen Brustbeerbäume, die in der Nähe wachsen, hatte schon damals also vor zwanzig Jrhren, nahe an Tausend Israeliten, unter denen eine gewisse Anzahl sich befand, die von Tunis hierhergezogen war, um eine größere Freiheit und ein sicheres Leben zu genießen. Es befand sich hier eine sehr alte, beinahe ver-

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