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Der Israelit · 1865-12-20 · Heft 51 (20.12.1865) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 51 (20.12.1865)
Date
1865-12-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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inspeetoren und College», welchen letzteren er darum auch selten ebenbürtig erscheint. — Wozu nun Viele aus Noth gegriffen, das wird allmählich eine Lieblingsbeschäftigung, und zwar um so eher, je einträglicher es ist; uyd unter so verführerischen Umständen ist es wahrlich nicht zu verwundern, wenn die Hauptsache bald die Nebensache, und die Nebensache Hauptsache wird. Aber gar mancher bescheidene Lehrer verschmäht es, diesem entwürdigenden Schacher sich hinzugeben, und beschränkt seine Bedürfnisse Lieber aus das Aeußerste, um mit seiner spärlichen Einnahme ehrlich auszukommen. Das ist denn freilich ein schweres Exempel: weit größere Arbeit zu haben, als der christliche College; dabei mehr Ausgaben, welche ja schon die Einrichtung des jüdischen Haushaltes und die Ausgaben für die jüdisch-religiösen Gebräuche erfoderlich machen, dagegen geringere Einnahme, da die Gemeinde weit kleiner, und die Besoldung daher geringer ist, — und doch auskommen: für ein solches Exempel findet wahrlich nicht Jever die Lösung. (Schluß folgt.) Nie Juden zu Mainz im Mittelalter. (Fortsetzung.) XV. Andere Lehrer von Mainz, während des Zeitraumes 1012 — 1040. Nachdem wir nun die rabbinischen Oberhäupter der israel. Gemeinde in Mainz ausführlich besprochen haben, so wenden wir unsere Blicke zu den anderen Lehrern dieser Stadt während jener Zeit, nämlich zwischen den Jahren 1012 und 1040. Diese Lehrer lehrten in den verschiedenen Unterrichtsanstalten und wurden als v'pOip, oder ri^ri bezeichnet. An der Spitze der Ersten standen: N. Samuel den Jona, ein Mann, wegen seiner tiefm Gelehrsamkeit und seines frommen Wandels gleich ausgezeichnet, ein Freund R. Gerschom's. R. Kalonpmos, Sohn von Moses, des obengenannten N. Moses den KalonymoS Sohn. Von ihm ist wenig bekannt geworden, und selbst sein Name wäre vielleicht verloren gegangen, wenn sein Nachkomme, R. Elasar aus Worms, ihn uns nicht ausbewahrt hatte. Siehe »pvLO. R. Lion den Mardechai, ein geborner Franzose, durch feinen Briefwechsel mit R. Gerschom bekannt. R. Me'lr ha-Cohen, ein Sohn deS obengenannten R. Abraham ha-Cohen. Von diesem Gelehrten ist auch wenig auf die Nachwelt gekommen, nur hie und da enthält der jüdische Ritus etwas von ihm. Namentlich erwähnt ihn sein Sohn, Abraham ha-Cohe»; siehe unter Anderm Sefer Ha-Pardes, Seite 22, An der Spitze der zweiten wirkte R. Samuelha-Cohen, Sohn des obengenannten R.Jehuda ha- Cohen, ein Mann von großer Gelehrsamkeit im Talmud und in den Casuisten. Das Buch Pardes und das Buch Or Serua machen seinen Namen berühmt, und erwähnen viele Rechtsbescheide, die er im Laufe seines Amtes ertheilte. In diesen Rechtsbescheiden beruft er sich auf seines Vaters Autorität, die nach dessen Tode allgemein anerkannt war. An seiner Seite lehrte der berühmte R. Amram, über den viel geschrieben wurde, und dessen sich auch die Sage bemächtigte. Jedes Märchen ist, wie Dippoldt, Leben Kaiser Karls des Großen, S. 47, bemerkt, wie echte Geschichte ehrwürdig, denn es spiegelt sich das Wahre selbst oder der Geist der Zeit in ihm. Ein dichterisches Gemüth schildert ein seltenes Ereigniß wunderbar; es will die Schrift der That gleich machen, und schreibt mit gutmüthigem Sinne Fabeln. N. Amram war, wie aus Or Serua, riivv,-. mipMi rii'L^s Nr. 369, zu ersehen ist, ein gelehrter Casuist, und wechselte mit R. Samuel ha-Cohen Ritual-Fragen. Später scheint R. Amram nach Cöln übergesiedelt zu sein, um dort eine Rabbiner-Schule zu gründen. Er starb daselbst, nachdem er zahlreiche Talmud-Jünger ausgestellt hatte. Die Sage erzählt nun, daß er während seiner Krankheit seinen Schülern den Wunsch geäußert hätte, zu Mainz bei seinen Eltern begraben zu werden. Auf die Vorstellung derselben, daß dies nicht ohne Gefahr geschehen könne, habe er ihnen erwiedert: Wenn ich gestorben bin, so reinigt mich, legt mich in einen Sarg, stellt denselben in einen Nachen auf den Rhein und laßt ihn allein gehen, wohin er will. Nachdem er gestorben, hätten sie seinen Wunsch erfüllt, und der Nachen sei ohne Führer den Rhein aufwärts bis gegen die Stadt Mainz getrieben. Als hier die Leute das große Wunder gesehen, so suchten sie vergebens den Nachen an's Land zu bringen. Denn so oft sie nach ihm griffen, um ihn an's User zu ziehen, sei er rückwärts gewichen. Die Leute hätten dies dem Bischof gemeldet, und die ganze Bevölkerung von Mainz sei an den Rhein gelaufen. Als darunter auch die Israeliten gewesen, wäre der Kahn gegen sie geschwommen. Daraus hätten auch die Christen nochmals nach dem Nachen gegriffen, ihn aber nicht erreichen können, weil, so oft sie darnach gegriffen, er jedesmal zurückgewichen sei, und man offenbar gesehen, daß er nur zu den Juden gewollt. Die Christen hätten nun den Israeliten zugerufen, in den Kahn zu gehen und -u sehen.

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