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Der Israelit · 1865-12-20 · Heft 51 (20.12.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 51 (20.12.1865)
Date
1865-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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7S9 ausgesetzt sind. — Um wieviel größer sind nicht schon die Anforderungen an den jüdischen Lehrer, als die an feinen christlichen College« l Was verlangt die christliche Gemeinde in einem Dorfe oder in einer kleinen Landstadt von ihrem Lehrer? Nur das Maaß von Kenntnissen, welche schon eine gute Schulbildung erfordert, und die pädagogische Befähigung, einen geringen Theil derselben auf die Schuljugend zu übertragen. Der Unterricht in fremden Sprachen, in dem höhern Religionsunterricht gehört nicht in diese Sphäre; wo er verlangt oder ertheilt wird, wird er von dem Geistlichen verlangt und ertheilt, und nur der Musikunterricht macht eine Ausnahme und bildet einen eben so angenehmen als einträglichen Erwerbzweig für den Lehrer. Die ganze Fach- und Berufsbildung des christlichen Lehrers erfordert daher nur geringe Vorstudien : *) sie wird bei guter Vorbereitung eines Präparanten von diesem in kurzer Zeit auf den Seminarren erlangt. Eine andere Bewandtniß hat es jedoch mit dem jüdischen Lehrer. Nur eine verschwindend kleine Anzahl von Gemeinden hat einen Rabbiner, Ln tausenden ist der Lehrer der einzige Träger der Intelligenz, und er hat darum den Pflichten mehr, als eines Berufes zu genügen. Der geschäftliche Verkehr, welcher den israelitischen Landmonn in Verbindung mit der Handelswelt auch in größere Städte führt, sowie der dem Juden eigene Wiffcnstrieb machen es zur Nothwendigkeit, daß der Kreis der Kenntnisse des Mischen Schülers ein erweiterter werde. Will der Lehrer diesem Bedürfnisse Rechnung tragen, so muß er durch vielseitiges Wissen dazu in den Stand gefetzt sein, — er muß eine gewisse Wissenschaftlichkeit besitzen, die durch Sprach- und Realkenntnisse bedingt ist. Hierzu kommt noch der Unterricht im Hebräischen. Auch hierin muß sein Wissen umfassend sein, nicht sowohl in Rücksicht aus seine Schüler, als vielmehr wegen seiner ganzen Stellung. Denn in Ermangelung eines Geistlichen ist der Lehrer oft in dem Falle, sei es ex oküeio oder freiwillig, ihn zu ersetzen, von Zeit zu Zeit einen belehrenden oder erbauenden Vortrag in seiner Synagoge zu halten, in den Bruderschaften allsabbatlich aus exegetischen oder jüdischethischen Werken '->Lv) vorzutragen) manche das Rituell betreffende Fragen zu beantworten, und Alles zu thun, was die Kenntniß und Liebe der Religion fördern und vermehren kann. — Nicht selten ist mit demLehramt auch noch der Vorsängerdienst verbunden, dessen vorschriftsmäßige Functionen doch auch erlernt sein wollen, von dem Schächterdienst zu schweigen, zu welchem fast alle Lehrer mit den nö- Ihigen Kenntnissen ausgestattet find. *) Hiermit soll jedoch nicht gesagt sein, daß der christliche Lehrer eine, über die Anforderungen seines Berufes hinausreichende Bildung thalsächlich nicht besitze. Aus der Betrachtung der nothwendigen Vorbildung des israelitischen Lehrers ergibt sich zugleich der Umfang und das Gewicht der Leistungen, welchen er sich zu unterziehen hak. Früh schon mit dem Beginne des Morgens ruft ihn sein Amt in das Gotteshaus und der Vortrag der Gebete leitet die brustanstrengende Thätigkeit des Tages ein. Denn nach kurzer Ruhe erwartet ihn schon die Schuljugend, deren alleiniger Lehrer er ist. Nicht nach dem Geschlechts, nicht nach dem Alter gesondert empfangen sie den Unterricht; nein, der Lehrer hat die schwere Aufgabe , Knaben und Mädchen vom 6. bis zum 14. Jahre gleichzeitig zu unterweisen und nützlich zu beschäftigen, und was das heißen will, das weiß nur der Lehrer selbst! Und ist die Schulzeit zu Ende, dann kann er sich mit Nichten der Erholung hingeben, er hat noch einige Stunden Privatunterricht zu ertheilen — und er hat alle Ursache, sich damit zu freuen — hat den NachmittagsgotteZdienst zu besuchen, oder eine Eidesbelehrung zu erlheilcn, sich auf den morgigen Unterricht, auf die kommende auf den^zu haltenden rn^n-Vortrag vorzubereiten und kann am späten Abend nicht mehr seiner Familie, noch weniger der Ausbildung seiner eignen Kinder lebe«. Seine Ferien sind die Fest- und Feiertage, welche ihn wieder an seine Gemeinde fesseln, und seiner Thätigkeit nur eine kurze Ruhe gestatten. Eine solche Anstrengung sollte lohnend sein, das dürfte man erwarten. Allein es ist ja kein Gehermniß, daß hier das geradeste Gegentheil vorwaltet. Ich will diesen Punkt nicht weiter erörtern, — es könnte scheinen, als wollte der Einsender dieser Zeilen die Unzufriedenheit der Lehrer mit den gegebenen Zuständen erregen, während es seine Meinung ist, daß der wackere berufstreue Schulmann seinen Lohn in etwas Höherem finden soll und findet. Allein wir sind Menschen, und Menschen können sich den materiellen Forderungen des Lebens nun einmal nicht ganz entziehen. Darum ist es, wenn auch nicht ganz zu rechtfertigen, doch sehr begreiflich, wenn der Lehrer auf dem Lande, — und von ihm haben wir bisher gesprochen — neben seinem Hauptsache, das ihm einen allzuknappen Unterhalt verschafft, noch ein Nebengeschäftchen sich zulegt, was ihm die fehlende Einnahme ergänzen soll. Einsender dieses kennt Lehrer, welche einen O'NOO-Handel treiben, und das ist noch die nobelste Gattung jener Geschäfte; andere wieder, welche Lotterie-Loose führen, Hasen- und Ziegenfellchen an- und verkaufen, oder die Mäkler bei allerhand Vermittlungsgeschäften abgeben u. s. w. Es ist indiscret, davon zu reden, doch das Factum ist wahr! — Und der jüdische Lehrer und der gesammte jüdische Lehrerstand setzen sich in unserer Zeit dadurch nur allzusehr herab, sowohl vor dm eigenen jüdischen Gemeinden, wie vor ihrm christlichen Mitbürgern, Schul-

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