Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1865)
- Date
- 1865-12-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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7öS das Jahr 720 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung vertriebene Israeliten sich in Guria und Lasistan *) niedergelassen haben? Aus welcher Quelle stammt diese Kunde? Und wenn sie sich bewahrheitet, welchem der 10 Stämme gehören die Israeliten von Dagheftan an? 4) Finden sich dort noch alte israel. Grabdenkmäler, Handschriften und Bücher vor und wenn, wie sind sie beschaffen? 5) Finden sich dort noch hebräische Münzen und Geräthe vor? 6) Gibt es dort noch Erinnerungen und Denkmäler in Bezug auf das Chazarenreich und welches sind genau die Wohnsitze der Chazaren gewesen? 7) Welches sind die Sprachidiome, die von den dortigen Juden gesprochen werden? 8) Wie ist das Hebräische beschaffen, das au einigen Orten in Daghestan selbst von Frauen und Kindern gesprochen wird? Ist es rein oder mit andern Idiomen vermischt? Finden sich vielleicht auch einige uns unbekannte hebräische Vocabeln vor, die sich dort aus alter Zeit erhalten haben? 9) Sind sie im Besitze geschriebener oder mündlicher historischer Nachrichten über ihre und ihrer Vorfahren Geschichte? 10) Nach welcher Aera zählen sie die Jahre? Nach Erschaffung der Welt, nach der Zeit ihrer Einwanderung oder nach dm Regierungsjahren von Königen und Fürsten? Sind sie im Besitze gedruckter oder geschriebener alter Zeittabellen? 11) Seit wann leben sie in Knechtschaft und Bedrückung und wieso sind sie hineingeralhen? 12) Welches sind die ältesten Synagogen dort und wie find sie beschaffen? Finden sich in ihnen alte Schriften, und in welcher Sprache sind diese abgefaßt? 13) Wie sind ihre Gebete und in welchen Beziehungen weichen dieselben von den unserigen ab? 14) Wie sind ihre Ehepacten Ehecontracte (nwnw), Scheidebriefe, Kaufbriefe rc. abgefaßt und beschaffen? 15) Wer waren ihre Rabbinen, Weisen und ehe die Familie des R. Eliah Misrachi dort einwanderte? 16) Wie waren ihre religiösen Einrichtungen und Gebete vor der Einwanderung der Familie des R. Eliah Misrachi? 17) Welches sind ihre Gebräuche, Gesetze und wie ist ihre Lebensweise in der Gegenwart? Unsere geehrten Leser werden leicht erkennen, daß die Beantwortung all dieser Fragen von großer wissenschaftlicher Bedeutung fein wird. Daß Herr Tscharni der rechte Mann dazu ist, haben wir sowohl aus seinen früheren schriftlichen Mittheilungen *) Anm. der Red.: an Daghestan angrenzende Landschaften; Guria bedeutet in grusischer Sprache „Land der Hebräer". als auch aus unserer heutigen Unterhaltung mit ihm erkannt. Derselben Ansicht sind auch die Herren Munk, Albert Cohn und Crömieux in Paris, die es ihm auch schriftlich bezeugt haben. So wünschen wir ihm denn eine glückliche, erfolgreiche Reife und hoffen bald Näheres aus dem fernen Osten von ihm zu vernehmen. — Der israelitische LehrerMni». Ein Wort der Mahnung an die Gemeinden. Wahrheit die Waffen strecken^ sobald ste dieselbe erblicken; sei es, daß man ste ans dem eignen Geiste, wenn man sich besinnt. Montaigne. Der Mangel an guten Lehrern, worüber in neuer Zeit so häufig geklagt wird, ist eine von jenen Calamitaten, an welchen das Publikum einen großen Theil der Schuld selbst trägt. Oft schon ist es von verständigen Männern öffentlich anerkannt und beklagt worden, daß so vielen Lehrern eine Stellung in den Gemeinden angewiesen ist, die ihnen nach der einen Seite ein selbstständiges, nach der andern ein sorgenfreies Wirken keinesweges gestattet. In dem lebendigen Gefühle der hohen Bedeutung ihres Standes, wie der persönlichen Menschenwürde, welches der selbstbewußte Geist einer aufgeklärten Zeit in ihnen geweckt, vermissen die Lehrer immer mehr jene Befriedigung, welche die Uebereinstimmung gerechter Forderungen mit den wirklichen Lebensosrhältmffen zu erzeugen vermag. Die lebhaftesten Kundgebungen innerhalb ihres Kreises und selbst außerhalb desselben haben schon lange angefangen, die Aufmerksamkeit des Staates zu erregen, ja sie zum Gegenstände seiner Sorge zu machen. Es gibt kein politisches Blatt, welches diese Angelegenheit nicht wichtig genug gefunden, um sie wiederholt zum Gegenstände eingehender Besprechungen zu mache», und sie der ernstesten Erwägung der Gemeinden oder ihrer Behörden zu empfehlen, indem sie sich dabei eben so sehr von den zunehmenden Rücksichten auf den Staat und den Anforderungen der Civilisation, wie von denen der Humanität und Gerechtigkeit leiten ließen. Das unglückselige Mißverhältniß zwischen den diesseitigen Leistungen zu den anderseitigen Gegenleistungen, wie sehr es auch überhaupt den gesammten Lehrerstand trifft, ist doch für Niemand so fühlbar, wie für den israelitischen Lehrer; doch Hai «och keine (?) Stimme sich erhoben, ist kein Wort noch in die Oeffsntlichkeit gedrungen, welches die Vorstände über feine Lage aufgeklärt, und die wechselwirkenden Nachtheile gezeigt, welchen dadurch auch die Gemeinden