Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1865)
- Date
- 1865-12-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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751 von der Bank eine Unterstützung für die Unglücklichen zu erhalten. Der Herr Rabbiner schreibt in seinem Briese: „Eine lange Reihe von Jahren habe ich dem Dienste Gottes und dem Wohle meiner Mitbürger, besonders dem der Unglücklichen, gewidmet; dieses ist Alles, was ich Denjenigen, die meine Handlungen beobachtet haben, entgegenstellen kann. Wie unsere großen Lehrer Moses und Samuel, kann ich mit gutem Gewissen in dieser vorgerückten Periode ausrusen: Wer ist es, dem ich ein Unrecht zugefügt habe? . . . Ich habe meine Pflicht bis zu diesem Augenblicke erfüllt, und wenn ich für einen Augenblick Smyrna verlassen hatte, so geschah es nur, um der Sache Gottes und der Menschheit besser dienen zu können. Palästina. Jerusalem, den 11. Marcheschwon. (Aus einem hebräischen Briefe.) Ehe ich meinen Bericht beginne, fühle ich mich verpflichtet, dem Allgütrgen zu danken, daß er mich von der furchtbaren Krankheit errettet hat, an der auch ich von Mittwoch voriger Woche bis zu Sonntag dieser Woche darniedergelegen habe; gelobt sei Er, der Sündigen Gutes erweist M2U2 "P"Q! Allein tiefer Kummer umhüllt mich, da ich bedenke, wie so Viele der entsetzlichen Krankheit erlegen; meinem Auge entfließen Thränen, denn viel haben wir verloren, Greise und Jünglinge sind dahingerafft; unter den schon in der Vorwoche Verstorbenen nenne ich nur drei vorzügliche Männer : den ehrwürdigen, greisen, frommen Rabbi SaundelvonSalant, ferner den einzigen Sohn des Rabbi Benjamin David, und endlich den würdigen Sohn des Rabbi Jakob von Selichew. Auch von den Sephardim sind viele gestorben, deren Namen ich nicht kenne; ich beschränke daher meinen Bericht auf die Aschkenasim. Als ich in voriger Woche erkrankte, besuchte mich Donnerstags vor TageS Anbruch mein Schwager, der fromme und gelehrte Rabbi Elia Josua Ryblin; er tröstete mich und sprach mir Muth zu — noch am selben Tage wurde er selbst hinweggerafft; während ich noch krank im Bette lag, wurde er schon begraben; sein ganzes Leben war dem Thorastudium gewidmet, dem er bei Nacht wie bei Tag oblag; fromm, bescheiden, gefällig, war er überaus angesehen in Jerusalem und wird nunmehr bitter beklagt. Er hinterläßt eine Wittwe mit vier unmündigen Kindern ohne Kleidung und ohne Nahrung. So rafft die Krankheit die Lebenden dahin und überliefert die Hinterbliebenen der furchtbarsten Noch! Im Verlaufe weniger Tage starben die Wittwe des Rabbi Abraham Salomon mit ihren zwei Söhnen Rabbi Mordechai und Rabbi Jizchak. Dem Overrabbiner starb sein einziger 21zähriger Sohn und hinterließ eine Wittwe mit 2 kleinen Töchter». Ein wahresGlück für uns sind fetzt die aus dem Auslande reichlich fließenden Spenden; wenn sie nicht wären, müßten wir Alle elendiglich verkommen. Bei alledem hat die Theuerung den höchsten Grad erreicht; ja, die Lebensmittel sind gar nicht zu haben, da die Lrndleute aus Furcht vor der Cholera nicht in die Stadt kommen, da jeder Verkehr aufgehört hat und alle Läden geschlossen sind. Die Wohlhabenderen, die Kaufieute sind sämmtlich entflohen, und nur die Armen, die die Mittel zur Flucht nicht besaßen, sind zurückgeblieben. Brennöl, Fleisch, Mohnöl sind gar nicht, selbst für schweres Geld nicht zu haben; so haben mir, dem Genesenden, die Aerzte Hühnersuppe verordnet, und ich muß mich glücklich schätzen, wenn ich ein Huhn um den dreifachen Preis erhalle. Mein größter Kummer war während meiner Krankheit, daß ich sterben möchte, ohne meine Schulden bezahlt zu haben. Als ich so schwer darniederlag, wollte meine Frau Almosen vertheilen; ich aber duldete es nicht, da ich ja Schulden habe, er also ein Raub gewesen wäre, fremder Leute Geld zu verschenken. Da verkaufte die Gute ihre Feiertagskleider und verlheilte den Erlös an Arme; möge Gott sie dafür belohnen. Ach, es kömmt allerdings viel Geld von unseren edlen Brüdern im Auslande — allein es reicht nicht aus bei der Maste derNothleidenden. Von den 400 Pfund Sterling (ungefähr 4800 fl.), die vorige Woche von Sir Moses Montefiore anlangten, kamen 3* , Piaster (21 kr. ---- 6 L>gr.) auf die Person; ebenso von den 2000 Frs. von Kopenhagen 1^4 Piaster (?Vkr. — 2 Sgr.) Von Rußland kömmt sehr, sehr wenig Geld, so daß an die hiesigen russischen Israeliten, unter die es ausschließlich vertheilt wird. Alles in Allem auf jede Person V? Silberrubel bis jetzt gekommen ist. Mochte sich Gott doch bald unser erbarmen! — Jerusalem, den 12. Marcheschwon. Heute habe ich meinen Brief mit einer furchtbaren Trauerbotschaft zu beginnen; bevor der Tag anbrach ist die Krone unseres Hauptes gefallen! Der ehrwürdige, fromme, heilige Rabbi Nachum Prosto, der gestern noch gesund unter den Lebenden weilte, ist nicht mehr. Die ganze Stadt, in welcher schon so viel des Elendes und des Jammers ist, trauert um diesen Edlen, der seines Gleichen nicht im ganzen heiligen Lande hatte. Ihn zu sehen, wie er an der Westmauer der Ruine des heiligen Tempels stand und betete und weinte, war schon Trost und Erhebung; vom 17. Tag im TamuS bis zum Verföhnungstage fastete er Tag für Tag; wir habe» Keinen, der ihn ersetzen könnte. Wehe dir, Palästina, du hast eine« großen Mann verloren! Jetzt