Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1865)
- Date
- 1865-12-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447193-2447242--03908-2459334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
750 ^§itun§Srr<r<Hrrchten «nd Correspv«- dettzen. Frankreich. Paris» den 1. Dec. Hochgeehrtester Herr Doktor! Ihr werthes Blatt, das mit so vielem Erfolge für Jerusalem kämpft und wirkt, wird, ich bin dessen sicher, folgende Notizen bereitwilligst seinem Leserkreise vorführen. Von den, bis zum 21. Sept. Vni) im Hospital Meyer Nothschild vollständig verpflegten Kranken starben 21; 15 blieben in Behandlung, 402 wurden geheilt; von ihnen kommen 46 auf Jerusalem, 6 Hebron. 7 Zephat, 8 Tiberias, 185 Rußland, 22 Polen, 86 Türkei, 10 Syrien, 19 Marokko, l4Moldau-Wallachci, 5 Algerien, 27 Oesterreich, 3 Preußen, 2 Italien und 1 Persien. Von diesen so zahlreichen Kranken erhielten 6235 Individuen, unter ihnen 645 Muselmänner. ärztliche Pflege und Medicamente unentgeltlich: 951 Männer, 2463 Frauen, 1488 Knaben und 1333 Mädchen; unter ihnen waren 3135 aus Jerusalem, 31 Hebron, 12 TiberiaS, 7 Zephat, 2 Jaffa, 930 Türkei, 153 Syrien, 1478 Rußland, 168 Marokko, 101 Oesterreich, 28 Griechenland, 25 Persien, 1 Frankreich, 24 Algerien, 77Jndien, 2t Moldau-Wallachei, 19 Preußen, 16 Egypten, 3 Holland, 2 England. 2 Italien, t Georgien. Dieses sind die ausgezeichneten Leistungen des großartigen Institutes, welches das Judenthum und die leidende Menschheit dem aufgeklärten und wohlthätigen Sinne der Familie Rothschild verdankt; am meisten Bewunderung verdient eben in diesem Augenblicke der Or. Rothziegel, der seine 32jährige Frau nach lOftündlgem Choleraleiden begräbt, sich auch nicht eine Stunde dem traurigen und schweren Dienste entzieht, dem Consul, der ihn fragen läßt, ob er nach dem harten Schlage mit seinem drei Monate alten Knaben die Stadt verlassen wolle, die Antwort ertheilt: Lebend verlasse ich das Spital nicht. Es thut wohl, mitten in diesen harten Prüfungen auf edle Menslwn- Naturen zu stoßen, die sich nicht um den Undank der Menschen kümmern, sondern getreu ihrem Herzen und der Stimme Gottes und dem Gewissen folgen; hierin, sowie in der Anerkennung aller Edeldenkenden liegt auch der wahre, der einzige Lohn. Wenn auch im minderen Grade, verlangt das schreckliche Uebel noch immer Opfer, und wenn die Berichte nicht übertrieben sind, so mögen unsere armen Glaubensgenossen wohl zwischen 6—800 Todesfälle zu beklagen haben. Ich nehme mir vor, nächstes Frühjahr Constantinopel, Smyrna, Jerusalem, Egypten, wo überall die Cholera gewüthet, zu besuchen. Obgleich wir in Paris und im südlichen Frankreich selbst die Cholera hatten, so konnten wir, außer einigen direct gesandten Summen 27,000 Franken für unsere Glaubensgenossen im Oriente sammeln, davon kamen 4800 Franken nach Smyrna, und den Rest in beinahe gleichen Theilen nach Constantinopel, das leider 4000 Todte unter den Juden zählt, und Jerusalem, wohin Mehl geschickt wurde; ein vorgestern von Altaras aus Marseille mir zugekommenes Schreiben berichtet nun, daß das Mehl schon von Alexandrien aus einem Lloyd-Schisse nach Jaffa abgegangcn ist. So möge die Vorsehung ihre schützende Hand bald über alle jene Leidende erstrecken. Sie werden in den „Archives" (das Univers war schon gesetzt) die Maßregeln lesen, welche der Arzt in Jerusalem anempsohlen hatte. Es mangelt mir an Zeit, da heute Freitag, um nach Wunsche ausführlich zu schreiben. Mit den besten Wünschen zeichnet hochachtungsvoll Albert Cohn. Rußland uud Polen. Die „OorresxwnckenLs russv" bringt aus Warschau folgende statistische Notizen: Die christliche Bevölkerung betrügt 66,481 Personen (wovon 39,856 männlichen und 46,625 weiblichen Geschlechtes sind). (Die israelitische Einwohnerzahl ist 51,376 (25.520 männlichen und 25,856 weiblichen Geschlechts.) Dazu kommen noch 63,640 Christen und 21,400 Israeliten, als Nichtansässrge. Asiatische Türkei. Smy .ua. *) Herr Chaim Batasch, Rabbiner zu Smyrna schreibt dem „Univers Jsraelite" und protestirt gegen die Verleumdung, die ihm einige Journale zugefügt, indem sie ihn der Feigheit und Gewisienslosigkeil geziehen hätten, daß er, während die Cholera m Smyrna wüthete, die Stadt und sein Amt verlassen habe. Ä war wirklich während dieser traurigen Zeit einige Tage abwesend, aber nur zu dem Zweck, um sich zu d<n bemittelten -und reichen Einwohnern zu begeben, tue sich auf das Land geflüchtet hatten, uu» von ihnen einige Unterstützung für die armen Familien, die gezwungen waren, in der Stadt zu bleiben, zu sammeln. Wenn er in Smyrna geblieben wäre, so hatte er vielen Unglücklichen, die in den Lazarethen in dem größten Mangel schmachteten, gar nichts nützcn können. Als er die Stadt verließ, hatte er sich einen Stellvertreter verschafft und sem Siegel mit dem des Gemeindevorstandes vereint, um *) In Nr. 4H d. Jahrganges blieb durch Versehe« die Ueberschrift „Griechenland" bei einer Nachricht ans Sqryrna stehen; um gefällige Berichtigung bittet der Corrector.