Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1865)
- Date
- 1865-12-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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745 merken noch, daß NodaBijhuda ebenfalls in dem gleichen verneinenden Sinne ausdrücklich entscheidet. Und Herr „8." hat die Keckheit, diese Autoritäten fälschlich als Unterstützung für die religionsgesetzliche Zulässigkeit von Arbeit am Sabbat zu citiren! Ist es Unwissenheit, oder Täuschung?! Den übrigen Inhalt des elenden Machwerks übergehen wir gänzlich; wir haben an diesem genug. Was Herr „8" von dem Einstusse des Frankfurter Rabbiners Herrn Hirsch auf die hiesige Gemeinde faselt, ist ebenso unwahr, wie alles Uebrige. Oefterreichischer Kaiserstaat. EksoNApsö, am 22. Nov. Die hiesige, zur Begrüßung des Ablegaten für Esongrüd entsendete israel. Deputation mit dem Rabbiner Nobl an der Spitze hat an den Ablegaten, H. Ronay Mihaly, Grundherrn von Zombor, in Folge seiner Antwort, auf die Begrüßungsrede des H. Rabbiners, folgende Adresse, — nach einzuholender Beistimmung der Gemeindevertretung — zu richten beschlossen: Hochgeehrter, Wohlg. Herr Ablegat der Stadt Csongrüd! Ew. Wohlg. haben der, am 21. Nov. d. I., zu Ihrer Begrüßung hierorts entsendeten israel. Deputation auf die im Namen ihrer Entsender ausgesprochene Hoffnung und Erwartung derselben: die ungarische Hochherzigkeit werde sich, vor Allem, in der gerechten Würdigung der Interessen aller Landeskindcr, ohne Unterschied des Standes, der Sprache und der Konfession bekunden, und cs werde daher auch für uns Söhne Israels in Ungarn recht bald die Stunde schlagen, in der wir, mit der Summe unserer Kräfte und patriotischen Gefühle eintreten würden in den politischen Brüderverband des edlen Magyarenstammes; es werden unsere Brüder, in ihrem Glücke, des daheimgebliebenen, stiefmütterlich behandelten Bruders nicht vergessen, der an der Pforte der, für Ungarn sich erschließenden neuen. glücklichen Aera — bescheiden zurückbleibt, der aber, zu allen Zeiten alle Leisen und jedes Unglück getreulich tragen geholfen — und es werde Ew. Wohlg. diesem Interesse der Indenheit im großen Ungarlande überhaupt und unfern hiesigen Gemeinde, - Schul,- re. Angelegenheiten insbesondere ein warm beredter Fürsprecher sein, im Rathe der Edlen in Pest — die Antwort ertheilt: Ew. Wohlg. seien der Ansicht, es m üßtenbei der diesmaligen Landtags session in Ungarn, ganz andere, viel gewichtiger Fragen zur Verhandlung kommen und d.ie von der Deputation -.ausgesprochene Hoffnung, obgleich Eww-Wohlg. sonst deren Verwirklichung nicht hindernd in den Weg treten würden, müßte sich jedenfalls aus — spätere Zeit vertrösten. Diese Antiport Ew. Wohlg. hat auf die hiesige israel. Bevölkerung den betrübendsten Eindruck gemacht; und, insofern vorauszusetzen ist, daß Ew. Wohlg., konsequenter Weise, diese Ihre .Ansicht im Abgeordnetenhause in Pest, wo über die Geschicke des Landes entschieden werden soll, vertreten werde, können wir sagen, daß diese Ihre Meinungsäußerung, falls dieselbe zur weitern Veröffentlichung gelangen sollte, denselben sehr betrübenden Eindruck auch auf die sämmtliche israelitische und einen guten Theil der christlichen Bevölkerung im großen Heimathslande Ungarn machen, ja das Betrübende dieses Eindrucks bis über die Grenzen der Hcimath hinaus tragen werde. Ew. Wohlg.! Sollen wir Sie an all das Treffliche und Wahre erinnern, was ein D'Israeli in England, ein Gabriel Rießer in Deutschland, ein Eötvös, ein Koloman Majlath in Ungarn und noch viele, viele der — Gerechten, auch nur in den letzten Decennien geschrieben und gesprochen haben, um zu beweisen, daß die Stimme der edlen Natur schon längst auf die Frage der Iudenemancipation geantwortet habe? Ist die Antwort zu wenig deutlich, welche Frankreich, England, Amerika, Belgien, Holland, Preußen, Italien, Württemberg, Baden und das transleithanische Oesterreich auf diese Frage facti sch ertheilt haben? Und in Ungarn sollte „Emancipation" noch immer eine Frage sein — und noch dazu eine verschiebbare Frage, die vor andern staatsrechtlichen Fragen zurückzuweichen habe! — Welche Seite hat denn diese „Frage" heute im Jahre 1895, nach so vielen vorurtheilsfreien Manifestationen des gesunden Liberalismus, nach so vielen factischen, mnstergiltigen Präcedenzsällcn noch, die einem ungarischen Reichstage fraglich erscheinen könnte und dürfte? — Bewachen wir die Frage — einfach vom Gesichtspunkte des Natnrrechtcs, oder von dem der Opportunität, so weisen die uralte St'mrne der Natur, der Geist des jetzigen Jahrhunderts und dessen Verkörperung in so vielen, mnstergiltigen Staatsverfassungen darauf bin, daß dem ungarischen Reichstage, in der Emanckpationsfrage keine „Frage," sondern eine „Forderung," — die Zurückforderung eines Rechtes entgegentrete, das von dem lieben Gotte und der gerechten Natur einem jeden Menschenbilde verliehen, vom unnatürlichen Mittelalter jedoch vielen Millionen Menschen vorenthalten worden ist und — in Ungarn heute noch mehr denn 400,000 Menschen vorenthalten wird. — Die Fragen, die der Reichstag in Pest zu lösen haben wird, basiren, so weit ste staatsrechtlicher Natur sind, auf dem Boden deS historischen Rechtes und es hieße zu dem Feudalprinzipe des Mittelalters zurückgehen, wollte man, auch nur. Luf-einen- .Moment, es im. Principe ancrkenüm, daß „ein Gebot der Gerechtigkeit ," für das die reine Stimrste des Naturrechies schon längst entschieden,