Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-12-06 · Heft 49 (6.12.1865) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 49 (6.12.1865)
Date
1865-12-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447241--03890-2459315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

733 hat, er soll nimmer den Geschmack des Todes schmecken, weder er, noch sein Geschlecht."— Daher kommt es, daß dem Vogel Chol ein einiges Leben gewährt ist, wie es im Hiob heißt:*) „Mit meinem Neste mochte ich vergehen. Und neue Tage mehren, wie der Chol." — Wenn r ämlick der Vogel tausend Jahre alt geworden ist. so erhebt ein Teuer sich ans seinem Neste und'" verzehrt ihn: nur ein Ci groß bleibt übrig, aus welchem Reste sich neue Glieder und neues Leben entwickeln. — Andere sind indeß der Meinung, daß dem Vogel nach tausend Zähren, nur die Federn ausfallen und der Körper fast bis zur Unscheinbarkeit schwinde, dann überaus dem winzigen Reste ein neues Leben beginne und der Vogel auf's neue gedeihe: doch auch sic sagen zum Lehne dafür, daß er dem Gebote Gottes treu geblieben. So soll auch Noa — Sem, der älteste Lwhn Noas. sob dieses selbst an Elieser, den Knecht Abraham's, erzählt haben — zur Zeit der Sündsluth, als er in seiner Arche das mühevolle Geschäft der Fütterung der ciugethanenen Thiere besorgte, einmal den Vogel Chol in einem Kämmerlein der Arche schlafend gefunden hab'.n. „Willst Du denn nichts efscn?" frug Noa den Vogel. — „Ich sah Dich," antwortete der Vogel, „so angestrengt und wollte Dich nicht noch mehr bemühen." — „Frommer Vogel!" rief Noa, „Du verdienst, nimmer zn sterben." Der älteste jüdische Friedhof in Lerlin. Wir heben bereits eine Schilderung des älteren im 17. Jahrhr-deit gegründeten Mischen Friedhofes zu Berlin ac!: -cht und geben unseren Lesern heute einige No: zen über den lösten fast ganz verschwundenen Zottesacker, der dortigen Israeliten, dessen Anlegung weit ins Mittelalter hinaufreicht. Ueber die Reste dieses Friedhofes breit d.r Vorsitzende des Vereins für Ue Altcrlbi wskrn de Berlins, IN. Julius Bär (JsraeUt) vor Kurzrm einen Vortrag, dem wir Folgendes entnehmen: Eine Re! gre aus altberlimsch-r Zeit ist der ehemalige jüdische Friedhof auf der westlichen Seite der Landwehrstraße, welche: ursprünglich bis zur Lützmanns-, Großen- Georgen und Gollnowsaasse sich erstreckt hat, übt jedoch durch Neubauten immer kleiner wird. Die Copiastenbucher des hiesigen Stadtgerichts weisen noch das alte Terrain aus. Sehensmcrth st hier das uralte Leichcnwaschhaus, dieses vielleicht von Albrccht des Bären Zeit und noch früher her als jüdische Begräbnißstötte dienenden Gottes¬ *1 Hiob 29, 18. - - S. Raschi dajelbst. — Das Wort chol daselbst wird freilich von manchen Auslegern durch .Sand" gegeben. — ackers. Wie viel Trübsal und Jammer, wie viele Opfer, der Verfolgungssucht und des Rachegefühls sind dort der Mutter Erde übergeben worden, wie viel Märtyrer und Blutzeugen aller Art des verfolgten Geschlechtes ruhen dort aus. Diese Betrachtungen sind um so gerechtfertigter als man weiß, daß nach der Verbrennung der 35 Juden auf dem neuen Markt durch die Machinationen des geldgierigen Bischofs Hieroniemus Schulze zu Brandenburg (Scultetus) 1510 im Juni, die Juden den Mark meiden mußten, und selbst die Taufe nur den Scheiterhaufen in das Richtschwerdt umwandelte. Dort ward natürlich auch der Kirchhof zu der Stadt geschlagen oder vielmehr wohl zerstört, was schon zur Zeit des schwarzen Todes 1316 wohl ebenso geschehen, als der Markgraf Ludwig dem Probst von Mörner die verlassene Stätte nebst Synagoge am groß-n Judenhof geschenkt hatte. Auch Joachim's des Zweiten Tod und die durch Nichts bewiesene Berechtigung zur Hinrichtung des Finanzminifters Lippold, der allerdings auch gegen feine eigenen Stammesgenossen unerbittlich streng als Steuereintreiber sich bewiesen, werden dem stillen wieder erdffneten Gottesacker so manches gebrochene Herz überliefert haben, welche in dieser Periode die Bewohner des neuen, doch des kleinen Judenhofs im Ghetto der Klostersiraße gewesen. Wenn die Gebeine, welche noch oft, namentlich rn dem Kirchner'schen Garten (Gollnowstraße 17.) ausgegraben werden, reden könnten, manche wunderbare Verhältnisse kämen zu Tage! Das uralte Leichenhaus steht dort bald in der Erde versunken, noch vor Kurzem soll sich ein altehrwürdiges. prresterliches Conterfer aus Gyps an demselben befunden haben. Es ist hohe Zeit, daß dergleichen Reliquien photographisch wenigstens erhalten werden. Es ist eigenthümlich, daß für das Andenken diediescs Kirchhofs so wenig bisher gethan worden, während notorisch für den jüdischen alten Kirchhof rn der Oranienburger Straße sehr viel Mühe und Zeit angewendct wird, um der Pietät Rechnung zu tragen, was selbst hohe Staatsbeamte thun, deren Ahnen dort schlafen, deren Ritus sie jedoch werft längst verlassen. Dies mag jedoch darin seine tiefere Begründung haben, daß die damaligen jüdischen Gemeinden Berlins bis zur Lippoldqchen Katastrophe vollkommen auch in ihren Nachkommen zerstreut und verschollen sind und eine verwandtschaftliche Beziehung mit der seit dem Ende des siebenzehnten Jahrhunderts neu eingebürgerten Colonie messt Wiener Familien nicht nachweisbar ist. Fidicin sowohl, als selbst Möhsen, führen Thalsachen genug an, daß die Ascanier sehr tolerant gewesen und von Stendal aus sich noch Juden überall hin gewendet hatten. (Hebrew.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.