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Der Israelit · 1865-12-06 · Heft 49 (6.12.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 49 (6.12.1865)
Date
1865-12-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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732 'Folge alle Geschäfte zu schließen. Einer Anzahl Mitglieder der Emanuel Gemeinde gebührt der Ruhm für die^e wichtige Sache die Initiative ergriffen zu Laden. Herr Rabbiner Or. Cohn, der Prediger dieser Gemeinde ist der eifrige Unternehmer dieser großen und, mir hoffen. bleibendenResorm*) gewesen, die ganz Israel zum Heile gereichen wird, und unseren Nachbarn Reipect für unsere Glaubenstreue einflößen muß. Tag und Nacht war er zu dresem Zwecke thärig, und es muß sehr lohnend für ihn sein, seine Mühen von solchem Erfolg gekrönt zu sehen. Unlängst wurde eines Abends im St. Nicholas Hotel ein Meeting abgehalten, dem unsere einflußreichsten Kaufleute beiwoynten. Große Harmonie und Eintracht herrschte da, denn Alle waren von der Wichtigkeit dieses Unternehmens überzeugt. L>ie beschlossen den Sabbat so zu halten, wie es unsere Religion vorschreib! und jede Arbeit zu unterlassen. Die Beschlüsse wurden schriftlich aufgesetzt und unterzeichnet und alsbald ein Cornitä gebildet, um noch andere Subscribenten entgegen zu nehmen. Möge ein jeder Jude seinen Namen unterzeichnen, damit wir nickt nur dem Namen nach, sondern auch in der That Juden seien." Dan Francisco. Noch nie wurde das jüdische Neujahr kn Californien so allgemein gefeiert als dieses Jahr. Alle Läden und Etablissements waren geschlossen. Der religiöse Streit unter der jüdischen Bevölkerung schien vergessen zu sein. Alle versammelten sich andächtig in der Synagoge. Selbst christliche Bürger nahmen an unserer Feier Theil, indem sie ihre GeschästSlokale früher als gewöhnlich schlossen und die verschiedenen Synagogen besuchten. Gott sei Dank, daß wir in einem Lande wohnen, wo Jeder seiner Religion nach Wunsch obliegen kann, und wo unsere Religionsgenossen mehr geachtet und in größerem Ansehen stehen, als irgendwo auf dem ganzen Erdball. Unsere Gotteshäuser waren überfüllt und Hunderte konnten keine Plätze finden. (Hebrew.) Feuilleton. Der Vogel Chol. Von Schon die Aegypter und nach ihnen die Phönicicr kennen einen Vogel mit Namen Phönix, der, wie sie erzählen, wenn er fünfhundert Jahr alt geworden, aus Indien nach Aegypten kommt, sich dort einen Scheiterhaufen aus lauter Zimmt und wohlriechendem Holze errichtet und sich sammt seinem Neste darauf *) Anm. der Red.: Solchen „Reformenstimmen wir mit ganzer Seele zu! si Nach Ber. rab. par. 19. — Midr. Samuel f. 55. — Jalkut Hiob f. 152. — Aruch s. v. — Ben Sira S. 14. — verbrennt, um auf's neue aus seiner Asche zu erstehen, indem er sich entweder aus einem, aus der Asche sich bildenden Wurm, entwickelt, oder von dem eigenen Reste, dem er die dazu nöthigc Kraft mitgetheilt, auf's neue geboren wird. Der Vogel Phönix gilt ihnen darum auch als ein Sinnbild der Ewigkeit und Un vergänglichkeit. Sie wissen wohl von einem Vogel, dem Gott ein ewiges Leben gewährt hat, sie wissen aber nicht warum. — „Ich will es Euch mittheilen," sagte der Lehrer Janai zu seinen Schülern. — Als Eva im Paradiese von der Frucht des verbotenen Baumes genossen und durch die Übertretung des göttlichen Gebotes sich den Tod zugezogen, da gerieth sie von der ersten Dünde in die zweite; denn der Lohn der Sünde ist eine neue Sünde, sagen die Weisen, so wie der Lohn einer guten That eine neue gute That. — Eoa mißgönnte nun ihren Mitgeschöpfen das ewige Leben und wollte, daß dieselben, gleich ihr, dem Tode unterworfen seien. Sie trat zuerst zu Adam und suchte anfangs ihn durch allerlei kluge Worte zu bereden, ebenfalls von der Frucht zu essen. „Bildest Du Dir," sagte sie zu ihm, „etwa ein. daß für Dich, wenn ich gestorben bin, eine neue Eva geschaffen wird? — Es geschieht nichts Neues unter der Sonne. 2) — Oder hast Du Lust, wenn ich todt bin, das Leben in ewiger Einsamkeit und Verlassenheit zu durchwandern? — Nicht zur Einsamkeit geschaffen, sondern zum Bewohnen gebildet. —" Und als alle diese schönen Worte nicht fruchten wollten, da weinte und schmollte sie so lange, bis Adam endlich, müde des qualvollen Lebens, ihr nachgab und aß. — Dann gab sie von der Frucht auch allen andern lebenden Geschöpfen neben ihr, dem Viehe und dem Wild im Feld und Wald, den Fischen in den Gewässern und den Vögeln in den Lüsten und dem Wurme, der auf der Erde kriecht, und alle, alle ließen sich verleiten und gehorchten ihr, der einzige Vogel ausgenommen mit Namen Chol; denn so heißt er. - Andere nennen ihn auch Milcham und Orschina. — „Iß," sprach Eva zu dem Vogel, „wie Deine Kameraden alle gethan." — Aber der Vogel sprach. „Nicht genug, daß Ihr Menschen gegen Gott gesündigt und auch anderen Geschöpfen den Tod zugezogen habt, wollt Ihr auch mich verleiten, das Gebot Gottes zu übertreten, daß ich esse und sterbe! — Nimmermehr werde ich Dir gehorchen. Ihr habt gesündigt und möget dafür büßen!- — Sogleich ließ sich die göttliche Stimme vernehmen: „Adam und Eva! Nicht nur, daß Ihr selbst gesündigt und das Gebot, das ich Euch gegeben, übertreten habt, Ihr habt auch noch Andere zur Sünde verleitet, Ihr sollt sterben. Der Vogel aber, an den ich das Gebot nicht gerichtet, und der es dennoch beobachtet 2) Predig. 1, 9. — -) Jes. 45. 18. —

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