Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1865)
- Date
- 1865-12-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 49 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 1. December. Am heutigen Tage wurde vor dem hiesigen Großherzoglichen Bezirksgericht ein Preßproceß verhandelt, welcher auch für die Leser unseres Blattes von Interesse sein wird. Dieselben werden sich noch der sogenannten Michelauer Waisen erinnern, für welche Herr Lehrer Ottensoser von Büdingen vermittelst Aufruf im Israelit eine namhafte Summe collectirte. Nun exiftirt in dem rheinhessischen Dorfe Odernheim ein Lehrer Namens Klingenstein, de allwöchentlich einen halben Bogen unter dem Namen, der „israelitische Lehrer" in die Welt sendet. Von diesem wurde Herr Otten'vser angegriffen und verdächtigt, „die edlen Geber zu egoistischen Zwecken mißbraucht zu haben." Herr Oerhob deßhaO' Klage; aus der heutigen Verhandlung ergob sich, daß Herr O. bei belegter Angelegenheit lediglich in edelster und uneigennützigster Weise gehandelt hat, und so wurde denn Herr Klingel? in zu acht Tagen Gefängmß und 45 fl, Geldstrafe, eventuell noch 15 Tagen Gefängmß und zur Bestreitung der Kosten verurtheM. Mainz, den 1. Dezember. Von Jerusalem aus erhalten wir die erfreuliche Nachricht, daß die schreckliche Epivemie vollkommen aufgehört hat; große Verheerungen hat sie augerichtet, viel« Flauen zu Wittwcn uud viele Kinder zu Waisen gemacht — davon in der nächsten Nummer. Danken wir jetzt dem Allgüligen, daß Er nunmehr dem Verderben Einhalt gethan hat. Oester eichischer Kaiserstaal. Trieft. 14. Nov. Unter den drei Portraits jener verdienstvollen Männer, welche die diesige Handelsvertretung aus Anerkennung für ihr Wirken zur Förderung der Industrie in der Börsenhalle ausstellcn ließ, befindet sich das unseres Glaubensgenossen, des Herrn Aaron Jsak v. Parcnte. (Abdl.) Palästina. Jerusalem. Ein Brief vom 28. Oktober meldet, daß die Cholera noch immer am Berge Zion wüthet. Durch die Flucht und die vielen Todesfälle ist die Einwohnerzahl auf 9000 herabgesunken. Die Zahl der Todesfälle beträgt 50 per Tag. Der türkische Gouverneur ist nach Jaffa gestehen. Tie Sträflinge in den Gefängnissen sind autgcbirchcn und plündern und morden ungestraft in den Straßen der Stadt. (Bristol Daily News.) Wir haben nach den uns seither zugegangenen Berichten noch Folgendes mitzutheilen: Der Pascha und alle Consuln, mit Ausnahme des französischen, sind geflohen. Einen Begriff von der großen Verwirrung kann man sich machen, wenn man bedenkt, daß der Pascha die Festung, die Zeughäuser, die Geschütze aus den Wällen fast ganz unbewacht zurückgelaffen hat. In der ganzen Stadt blieben nur 40 Soldaten der Pforte. Was das Ausbrechen der Gefangenen betrifft, so ist uns darüber ein besonderer Fall mitgetheilt, der ebenfalls der Erwähnung bedarf. Der Araberstamm Temri beunruhigte das Land so sehr, daß der Sultan auf das Einfangen des Häuptlings, des berüchtigten Sapi Sir, einen Preis aussetzte. Einige Wochen vor dem erneuten Ausbruch der Cholera wurde derselbe nun in Bethlehem gefangen. Seine Anhänger sind jedoch so zahlreich und mächtig, daß der Pascha zur Escortirung des Gefangenen nach Jerusalem 800 Fußgänger und 000 Reiter bedurfte. Dieser Sapi Sir nun, nachdem er zufällig erfahren hatte, daß die Besatzung die Stadt verlassen hatte, benutzte die Gelegenheit zur Flucht. Als ihm eines Morgens von dem Gesängnißwärter Wasser gebracht wurde, schleuderte er dem cintretenden Beamten den Krug an den Kops und verließ das Gefängmß mit noch anderen Spießgesellen. Als man seine Flucht vernahm wurden sofort die Thore gesperrt und es brockten ihn die Bürger nach verzweifelter Gegenwehr wieder unter Schloß und Riegel. A u st r a l i e n. Melbourne. Am 17. September d. I. wurde die Synagoge der Gemeinde Mikweh Israel" in der Bourke Street West, eingeweibt. Die Ceremonie unterschied sich wenig von der in Europa gebräuchlichen, die wir schon oft beschrieben haben. Die bei dieser Gelegenheit gespendeten Gaben übertrafen 1?00 fl. Herr Rabbiner Rintel erhielt eine ,ebr ergreifende Anrede an die Anwesenden. Mit dem Absingen eines Hallelujah unter Chorbegleitung endete die Feierlichkeit. Bei der Einweihung waren der Mayer und die Mayoreß von Melbourne und noch viele angesehene Magistratspersonen zugegen. (Argus.) Californien. San Francisco. Eine höchst erfreuliche Nachricht können wir ' nseren verehrlichen Lesern mittheilen. Der „Hebrerv" schreibt in seiner jüngsten Nummer: „Die Nothrvendigkeit, den Sabbat streng zu halten, wird nach nnd nach immer mehr gefühlt, so daß vor einigen Wochen ein Uebereinkommen getroffen wurde, daß alle jüdischen Kanfleute unserer Stadt den Vorsatz gefaßt haben, an diesem Tage für die