Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1865)
- Date
- 1865-12-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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728 neu ärztlichen Beistand leistete, hat bereits die gesarkmte Presse als eine Curiosität gemeldet. Unser zweiter Landtagsabgeordneter, der berühmte Arzt Ör. Losch, hat an den heiligen Festtagen, wie immer, die große Synagoge und nicht etwa die winzige Reformgemeinde besucht, welche größtentheils aus Neugierigen, Indifferenten und einigen germanisirten Polen bestand. — Der plötzliche Tod des Prof. S. D. Luzatto hat uns Alle schmerzlich berührt und ich habe seinem Andenken in der vielverbreiteten Königsberger Hartungsche» Zeitung einige ehrende Worte gewidmet. Noch im vorigen Jahre besorgte der Verewigte von Padua aus den hier gedruckten „Divan" des spanischen Dichters Jehuda Ha-Levi. Seine Verehrung für unfern Immanuel Kant hat er noch in seinem vor Kurzem an uns gerichteten französischen Briefe, den wir leider nicht beantwortet haben, ausdrücklich bezeugt. — Die Sammlung für die Nothleidenden in Jerusalem hat am hiesigen Orte Frau Deborah Pollak veranstalten müssen, da sich kein Mann dazu verstehen wollte, und wir standen ihr dabei mit Freuden öffentlich zur Seite. Elende Scribenten, welche stets das Erhabene in den Staub ziehen, erlaubten sich Angriffe gegen diese Sammlung, als ob sie den Stadtarmen Abbruch thäte. Diesen sauberen Patronen sind wir gebührend entgegengetreten und haben sie einfür allemal abgefertigt. Wahrhafte Wohlthäter haben für einheimisches und für fremdes Leiden gleich warme Sympathie, engherzige Egoisten aber haben mit Niemandem Erbarmen. Seit dem Tode des seligen R. I. H. Meklenburg erkaltet überhaupt hier die Sache Palästinas, deren sich derselbe so menschenfreundlich angenommen hatte. Die genannte Matrone, des verstorbenen Oberrabbiners intime Freundin, wirkt zwar noch in seinem Geiste fort; aber was vermag eine schwache Frau neben so vielen Lauen und Gleichgiltigen? — Ein hierorts wohnhafter frommer Metallfabrikant, dessen Werkstütte am Sabbat und Festtag feiert, hat kürzlich einen merkwürdigen Bescheid Seitens des ostpreußischen Tribunals erhalten. Für denselben waren in einer Bagatellsache von dem königl. Stadtgericht Termine an solchen Ruhetagen anberaumt, worüber er sich beim Tribunal beschwerte, indem er sich auf vorhandene Ministerialrescripte berief, welche dergleichen ausdrücklich verbieten. In jenem Bescheide nun wird dem Gerichte insofern beigestimmt, als kein Gesetz existirt, das die Terminansetzung an den Sonnabenden untersagt, es wird jedoch eine Rücksichtnahme auf das Gewissen des Beschwerdeführers dann verheißen, wenn er sein Glaubknsbekennlniß den Gerichten notisicirt. — Die hiesigen Neligionsschulen, für Arme und Reiche bisher gesondert, sollen künftig vereinigt werden. Man will jedoch mit der Ausführung der neuen löblichen Maßregel so lange warten, bis der zweite Cantor, Herr Frank aus Schwerin, der auch in der Schule unterrichten soll, eingetroffen ist. tzuock tolix tsuLtuueous sitl M. Almoni. Akheinberg, 23. November Gestern wurde m hiesiger Stadt em seltenes Familienfest gefeiert, welches für die zahlreichen Festtheilnehmer allseitig in befriedigender Weise verlaufen ist. Es galt der goldenen Jubelhochzeit des allgemein geachteten, hochgeschätzten Ehepaares, Herrn EmanuelPhilip, langjährigen hiesigen Stadtrathes und seiner würdigen Gattin, Sibilla, geborene Jsaac. Schon am Tage vorher waren zahlreiche Freunde und Verwandle des Jubelpaares äus Nah und Fern angekommen, um sich an dem Feste zu beiheiligen. Spät am Abende, als die Gefeierten mit ihren Gästen in traulichem Familienkreise zusammen waren, wurde ihnen von der hiesigen Liedertafel mit herzlicher Freundlichkeit ein gar liebliches Ständchen mit Fackelzug gebracht. Nachdem gestern Morgen das Paar die Glückwünsche der Familienglieder und deren zahlreiche Liebesgaben empfangen hatte, begann um 10 Uhr in der dicht gefüllten Synagoge die eigentliche Feier. Diese wurde von dem zu diesem Zwecke gut eingeübten Chor unter Leitung des israelitischen Lehrers Herrn Frankfurter unter Assistirung des Musiklehrers Herrn Böhm durch einen hebräischen Gesang eingeleitet; danach bekleidete der Jubilar die zu diesem Zwecke herausgenommene Thorarolle mit dem kostbaren Silberschmucke, welchen er für diese Gelegenheit zu gottesdienstlichem Gebrauche geweiht har. Nach geschehener Recitation einiger Psalmen hielt der zu der Feier aus Düsseldorf berufene Rabbiner Or. Feilchenfeld die Festpredigt über -4. B- M. 24. 5. 6. „Wie schön sind deine Zette, Jekob, deine Wohnungen, Israel; sie gleichen lang gestreckten Bächen, Gärten an einem Strome gelegen, Aloebäumen, die der Herr gestanzt, Cedern am Wasser." Der Festredner deutete auf die im Texte angeführten Vergleichungen aus den strebsamen, ehrlichen Fleiß, die gemüMäe Innigkeit, die Familientugenden und die Beständigkeit des Familienglückes, welche in gottgefälligen Hausern zu finden seien, darauf hinweisend, daß diese Vorzüge auch dem Hause des gefeierten Paares in besonders hohem Grade zukommen. Die ebenso gediegene, wie ergreifende Predigt machte aus alle Zuhörer den tiefsten Eindruck. Nach der Predigt überreichte der Herr Rabbiner im allerhöchsten Aufträge Ihrer Majestät der verwittweten Königin mit sinnreichen Worten die für das Paar übersandte Ehrengabe. Mit einem Gebete für das Königliche Hans, die städtischen Behörden und die Wohlfahrt der Stabt Rheinberg, sowie mit einem solchen für das Jubelpaar und dessen Haus und der Absingnng des 150. Psalms schloß dieser Theil der Feier. Im Hause wurde das verehrte Jubelpaar zu-