Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1865)
- Date
- 1865-11-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447193-2447240--03874-2459298- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
718 Leider verliert sich dies schöne Symbol in unseren Tagen. Wirthschaftet fürder; denn Vieles noch ist zu besorgen zum Sabbat Kochen und Braten und Putzen, unendliches Holen und Schicken. Kurz ist der heutige Freitag und eh' man's versieht, ist es Abend. Milchige Kost gibt's heut nur zu Mittag, Fleisch erst am Abend. Betend dankt für das schlechtere Mahl nicht minder der Hausherr. Langt aus dem Schranke hervor die alt' liebe, heilige Bibel, Lieft mit melodischer Weise den laufenden Abschnitt der Woche, Kocht für den Bart dann die Salbe aus Kalk und Auri Pigmentum; Mischt sie gleich bösen Geruch in die lieblichen Düste des Sabbat's, Unbequem macht sich die Scheere und fünffach verpönt ist das Messer. Süßlichen Wein aus Rosinen zum Kiddusch braut jetzt sich der Fromme, Läßt sich die Mizwah nicht nehmen und hilft der bebeschäftigten Hausfrau. Während des frommen Gebahrens ist Stunde auf Stunde verronnen. Wäscht nun Gesicht und die Hände und wechselt die Wäsche der Kleider, Langt nach Talar und dem Streim l, der theuren Bedeckung des Hauptes. Wie er gehobenen Hauptes so steht in gehobener Stimmung, Kennst Du Reb Joffe! kaum wieder, ein Anderer ist er geworden. Schon ist es dunkel, er eilt in die sabbatlich leuchtende Betschul'. Vieles wohl hat er gethan zur Ehre des heiligen Sabbats, Aber noch Mancherlei bliebe zu thun und noch Manches zu wünschen. Ist er zwar einer der Frommen, doch immer nicht einer der Frömmsten. Aber die wirthliche Hausfrau ordnet indessen den Tisch an, Teller setzt sie zurecht und die blitzenden Messer und Gabeln, Deckt mit der weißen Serviette die Stützet, bestimmt für den Segen, Kleidet sich sabbatlich an, soweit es die Zeit ihr ermöglicht; Picht mehr umhüllt sie das Haupt mit der feierlich goldnen Haube; Denn mit den älteren Sitten verschwindet die ältere Tracht auch. Zündet dann Licht an, dieweil es noch Tag und Alles besorgt ist. Tritt dann zum Licht und, indem sie die Hände ihm priesterlich zukehrt. Dankt sie mit Andacht dem Herrn, der das Zünden der Lichter geboten. Strahlend verbreitet der Ofen behagliche Wärme im Zimmer. Strahlendes Licht fällt nieder vom glänzenden Leuchter und blendend Strahlen das schneeweiße Linnen, die Teller und Messer und Gabeln — Aber es strahlt auch sabbatverklärt das Gesicht unserer Eidal Sitzt nun im traulichen Winkel in sinnender, stiller Betrachtung, Wartend der Heimkehr des lieben Gemahls und der Kinder und Enkel. Aus ist die Betschul'. Langsam, würdigen Schrittes, nahet Reb Jofsel, Wünscht „Guten Schabbes", „gut Schabbes", ertönt die freundliche Antwort. Ehrfürchtig nah'n ihm die Söhne und Enkel und neigen das Haupt zum Segen; er legt auf ihr Haupt die Hände und spricht bei den Söhnen: „Ewiger, lasse sie werden wie Ephraim und wie Menasse!" Aber den Töchtern, die nahen zu heischen den Segen des Vaters, Wünscht er zu werden wie Sara, Rebekka und Rahel und Lea. Alles kehrt heim in den eigenen, friedlichen Kreis der Familie, Eins von den Enkelchen bleibt nur zurück, zur Gesellschaft bei Tische. Fühlen die Alten doch heute sich mehr als gewöhnlich vereinsamt. Alles ist festlich bereitet im Hause, gemüthlich und heimlich. Sieht es und freut sich und stimmt sein Lied an zu Ehren der Frau: Wer sich erkoren ein biederes Weib, hat Schöneres denn Perlen, Sicher vertraut ihr des Gatten Herz und er darstS nicht bereuen. Lebenslang thut sie ihm Gutes und nimmer was Böses. Sie zieret Tugend und Würde; denn Armuth ist trügerisch, Schönheit vergänglich. Gebt ihr den Preis, ihres Fleißes Frucht und erhebt ihre Werke. —