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Der Israelit · 1865-11-29 · Heft 48 (29.11.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 48 (29.11.1865)
Date
1865-11-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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iU.W.MUW, Beilage z« Nr. 48 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Italien. Florenz. Eine Börsenente, die für die Leser unseres Blattes nicht uninterressant sein dürfte, haben wir mitzutheilen. Während der jüngsten israelitischen Feiertage waren die Börsen von Berlin und Hamburg in großer Aufregung, wegen verändert r Notirung aus Florenz. Nun ist aber in der neuen Hauptstadt Italiens die Börse an diesen Tagen geschloffen gewesen. Die „Economista," die Florenzer HandelszeiLung, bringt in ihrem Börsenberichte vorn 24. September Folgendes: Der Stand des Geldmarktes ist jetzt schwer zu bestimmen. Die Börse, die gewöbnüch nur des Samstags geschlossen ist, welches ter wöchentliche Ruhetag der Israeliten, die den größten Theil der Börsenleute ausmachen, ist, war während dieser Woche nur drei Tage offen, da die jüdischen Feiertage jedes Geschäft verhinderten. Frankreich. Paris. (Jüdische Briefe von A. Cohn. Forti.) Die Juden sind das orientalischste Volk im Occident, und im Orient wiederum das occrdentalischste, mit anderen Worten, sie sind die besten Vermittler der wahren Civilisation. Zuerst zv Niger und Vlidah, später zuOrau, seit 1838 zu Constuutme, und endlich zuletzt in Mascara und zu Tlemcen wie in Medeah und Milianah, zu Sectff und Bona, ebenso in Lagouat und in Djema - Gazouat an den Grenzen von Tunis, wie an denen Marocco's, unter allen Stammen, bei den Kabylen wie bei den Arabern, wie in den Oasen der Bern Mezab, überall fanden unsere Generäle Juden. Fast alle Lxpeditronecorps hatten Juden zu Dolmetschern. Kinder von zwölf bis fünfzehn Jahren, welche in kurzer Zeit Französisch gelernt hatten, leisteten oft die größten Dienste. Die Anzahl dieser Bevölkerung, sei sie ansässig oder nomadisch, kann nicht unter 35,600 Seelen veranschlagt werden. Unsere Religionsgenoffen hatten entweder ihre festen Wohnplätze in den Ortschaften, die ich soeben aufgezahlt habe, oder sie lebten als Nomaden zwischen den Zelten der Araber und Kabylen, um die Wolle zu bearbeiten oder die Geschmeide von Gold nnd Süber zu verfertigen, zwei Beschäftigungen, denen nur sie allein in allen diesen Niederlassungen oblagen. Man fand sogar eine gemisst Anzahl, die umzogen, die anderen Araber zu bekämpfen, von denen sie sich weder durch ihre Kleidung noch durch ihre Sprache unterschieden. Der Hauptmann Briffonet, jetzt Oberst, stellte mir im Jahre 1845, als Chef des arabischen Bureaus, einen arabischen Juden vor, der mehr als hundert Jahre alt war und in siebenundzwanzig Expeditionen seines Stammes tapfer mitgefochten hatte. Die Revolution, hervorgerusen durch die französische Occupation, brachte in dem Leben, der finanziellen Lage und in allem dem, was zur Organisation der jüdischen Gemeinde gehörte, eine durchgreifende Umgestaltung. Der Vertrag von 1830 hatte die Rechte der eingeborenen Juden und Muselmänner wohl gewahrt (Christen lebten außer den europäischen Cousuln keine dort); doch das Leben und seine Bedürfnisse, die Gesellschaft und ihre Gesetze veränderten sich in Folge dessen durchaus. Alles löste sich auf, die alten Bande verloren ihren Zusammenhalt, sei es, daß sie sich überlebt hatten , oder durch die Schwäche der leitenden Gewalten, ohne daß sie alle durch neue ersetzt wurden. Herr Jsaac Altaras, einer unserer ehrbaren Freunde, den zu besitzen wir uns jetzt noch glücklich schätzen können, seit vielen Jahren Präsident des Consisioriums zu Marseille, wo er eins der ersten Geschäfts Häuser gegründet hat, besuchte im Jahre 1844, in Begleitung eines jungen und sehr begabten Advocalen und Neligionsgenosstn von Aix, Herrn Joseph Cohen, zum ersten Male dieses Land. Da man damals noch nicht in das Innere des Landes emdringen konnte, besuchten diele Herren Algier, Orau und Bona, die Hämn der drei Provinzen. Die Berichte, die sie über diese eiste Jnspectiou brachten, waren außerordentlich kostbar und waren gleichsam die Einleitung zu den Maßregeln, die päter für das Wohl unserer Brüder getroffen wurden.! . TV. Die algerischen Israeliten, n . überhaupt dies jenigen, die muhamedanische Länder bewohnen, waj reu entweder Araber oder von spanischer Herkunft;! jemehr man sich Marocco näherte , desto.nehr begegi nete man solchen, die gegen das End? d s fünfzehnten § Jahrhunderts die Pyrenäenhalbiuse vr-taffen hatten, s um sich in den afrikanischen Ländern, die gegen dis ' unglücklichen Vertriebenen gastfreundschaftlicher waren, anzusiedeln. Die Namen Duran de Täledano. Darzeloni de Cadavano, bezeugen diese Abstammung, und ein Patois, noch viele castilanische Worte enthaltend, welches noch bei vielen Familien im Inneren des Landes gang und gäbe ist, mag ebenfalls darauf hindeutcn. Diese Fanülien haben oft Synagogen oder Betzimmer, die Gebräuche — besonders bei Verlobungen — haben und deren Gebete PiuLim und Melodien enthalten, wodurch sie von den anderen Israel. Einwohnern wesentlich verschieden sind.

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