Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1865)
- Date
- 1865-11-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447193-2447240--03869-2459293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
713 wohl socialen als rationellen Bessergestaltung der jüdischen — Verhältnisse bei rechter Handhabung dasselbe Facit, dem sie entsprungen, in ausgeprägterer Form als Folge haben muß. So wirkt, wie in der Logik das Product erst die es producirenden Factoren zur vollendeten Vollkommenheit bringt und Product und Factor vereint erst das ausgebildete Ganze bilden, auch hier die Presse zur Verbreitung der gewonnenen Humanität und Civilisation, denen sie ihr Entstehen verdankt. Neben diesen schönen Zielen soll aber die jüdische Presse noch eine besondere Aufgabe zu verfolgen streben: sie soll die mittelalterlichen Voruriheile, die Fanatismus und Ignoranz gegen den jüdischen Glauben und dessen Bekenner heraufbeschworen, in ihr Nichts zurückznsühren suchen; sie soll die Mitwelt belehren, daß der Geist des Israeliten, selbstständig wie er ist. sich auf gleiche geistige Höhe zu schwingen und auf derselben sich auch neben seinen christlichen Concurrenten zu erhalten im Stande ist; die jüdische Presse soll die Mitwelt belehren, daß der Geist des Judenthnms, wenn auch in der grauesten Vorzeit begründet, schon vom Anbeginne an die edelsten Grundsätze lehrt, welchen die philantropischen Bestrebungen der Jetztzeit immer näher und näher rücken; die jüdische Tagespresse soll davon zeugen, auf welche Weise d^r Geist des Judenthums das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" auffaßt und betyätigt wissen will, mit einem Worte, die jüdische Presse soll und muß als solche dem Judenthume — natürlich auch als solchem — in jeder Hinsicht Ehre machen, das ist ein unerläßliches Postulat, daß man an dieselbe zu machen berechtigt ist. Wie aber unser vielgepriesenes goldenes Zeitalter so manches Unglaubliche wahr gemacht, so hat auch der verändernde und und veränderliche Einfluß des Zeitenlaufes auf diesem Gebiete sich geltend gemacht, so daß jetzt Blätter nicht nur allein der jüdischen Presse, sondern solche, die ausschließlich für sich den Titel: Unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse" usurpiren, weidlich die Koryphäen sowohl der lebenden als der vorangegangenen Geschlechter, die den Stolz und die Zierde des Judenthums für immer bildeten und trotz „Neuzeit, Ben-Chananja" rc. rc. noch immer bilden, in die niedrige Sphäre herabzuziehen suchen, in denen sie selbst sich bewegen, und die Amalgamation des Judenthums mit den Töchterreligionen selbst auf dessen eigene Kosten*) unaufhörlich predigen, ungeachtet der „jüdischen Interessen," denen sie an ihrer Spitze Treue geschworen. Kennzeichnet sich nun solches Gebühren schon an und für sich selbst durch unvergleichliche Jn- *) Der oft genug gehörte Vorwand von Aufrechter Haltung des Judenthums bei einer Verbrüderung in »pe muß doch jedem gesunden Menschenverstände als P'OO erscheinen. Der Corresp. consequenz als das Lächerlichste des Lächerlichsten, so wäre es nicht anders als angemessen, diese Nachtfalter solange um die Flammen, deren Schein fie geblendet, herumflackern zu lassen, bis sie selbst ohne Zuchat eines Anderen in derselben ihren Tod finden, d. h. mit anderen Worten, das Gebahren solcher Blätter völlig zu ignoriren, wenn man nicht durch periodisch sich erneuernde Umstände immer wieder an deren Existenz erinnert würde. So erschien vor einigen Wochen dahier die Probenummer einer neuen, jüdischen Zeitschrift in dänischer Sprache unter dem Titel: Jsraelitiske Tidente, nordisk Ugeblad sor israelitiske Troesbekjendere. Udgivet af en Forening. Um die Parteisarbe dieses Blattes tonnen wir nun zwar, da sowohl Redaktion als Tendenz desselben in mysteriöses Dunkel gehüllt, noch nichts Anderes mittheilen, als das, daß in seiner ersten Nummer ein jüdischer (?) Handelslehrliny einen Platz sucht, wo er, wenn auch nicht alle (1!) so doch einige der jüdischen Feiertage frei sein könne; nichtsdestoweniger können wir aber behaupten, daß dieses neue Blatt dem dänischen Judenthume wenig Ehre macht, wegen des faden Inhaltes und der schlechten Sprache, welche das Blatt schon in seiner ersten Nro. zur Schau trägt und welche die meist gelesenen hiesigen Blätter, u. A. „Dagbladet" veranlaßte, ihre öffentliche Mißbilligung darüber auszusprechen, ja sogar ein anderes, verbreitetes Blatt, „Folkets Avis" ermahnte nach Ansehen der Probenummer die anonyme Redaktion zur besseren Rücksichtnahme aus d'e dänische Orthographie, eine Maßregel, gewiß nicht dazu geeignet das intellektuelle Ansehen der hiesigen Juden überhaupt und des erwähnten Vereines insbesondere zu steigern. Diese That'.ache bildet einen merklichen Contrrst zu dem Triumphe, den unser Glaubensgenosse. Herr Etatsrath Nathanson dahier gefeiert. Dieser 85jährige Greis zog sich nach langer Wirksamkeit als Redakteur 6v OlleL der offiziellen „Berlinischen Zeitung" von diesem ehrenhaften Posten zurück, mußte sich aber nach kurzem Intermezzo bequemen, denselben wieder aufzunehmen, um diesem Blatt sün bekanntes RenomLe zu erhalten. Ueberhaupt sind die bedeutendsten Kräfte der hieügen politischen Presse Inden, und gerade die eines Blattes, das ausschließlich den jüdischen Interessen entsteht, sollen mangelhaft sein! War nun ohnedies schon die geringe Anzahl Israeliten in den skandinavischen Neichen einem Unternehmen, wie der Gründung eines jüdischen Blattes ungünstig, so ist eine derartige Beurteilung desselben seitens der weitverbreitesten Blätter nichts weniger als dazu angethan, diesem Unternehmen ein günstiges Prognostikon zu stellen. Die Zukunft möge diese Omina Lügen strafen. vvrrvvol Ohne den uns unbekannte» anonymen Herrn Redakteur der „Jsraelitiske Tidende* auch nur im Enterntesten mit »un 21 identisiziren