Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1865)
- Date
- 1865-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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7H9 macht hat, zumal wenn das jüdische Kind eine nichtjüdische Schule besucht. Ach, da ist es gezwungen, seinen Glauben in den entlegensten Winkel zu verbannen, von wo es ihn später ohne große Anstrengung ganz und gar austreiben wird. Die Zärtlichkeit der Eltern bringt alle Opfer, um das Kind mit all den Kenntnissen zu versorgen, die ihm während seines kurzen Daseins auf Erden nützlich sein können — allein, was die Kenntnisse anbelangt, die für das geistige und ewige Leben notwendig sind, die unentbehrlich sind für die Erhebung der Seele zur Vollkommenheit und zum Licht, zur Veredelung und Heiligung seines Herzens vor Gott und vor den Menschen, die Erwerbung dieser Kemuiaffe hält dieselbe Zärtlichkeit der Eltern oftmals für verlor ne Zeit, für einen Hemmschuh beim Vorwärtskommen in der Welt, für ein Hinderniß zum Glück, für eine überflüssige Ausgabe! — Selb'i vom rein menschlichen und socialen Gesichtspunkte aus betrachtet, ist die Thatsache unbestreitbar, daß der .eligiöse Unterricht von der höchsten Wichtigkeit, die Grundlage und die Bürgschaft für alle Tugenden ist. Nehmet dem Kinde die religiöse Kenntniß, und es wird nicht mehr begreifen, warum es seinen Nächsten lieben, warum es sich nicht, selbst auf Kosten Anderer, alle Genüsse verschaffen, warum man, wenn man stark genug ist und sich dem Gerichte entziehen kann, das Eigenthum und das Leben seines Nächsten achten soll. -nn der Unwissende scheut die Sünde nicht; ein in Bezug ans di-: NeÜgion Unwissender wird schwerlich ein guter Bürger, ein wahrhaft rechtschaffener Mensch, ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft sein. „Tie Furcht vor Gott ist der Weisheit Anfang." Das Studium der Gotteslehre ist der Anfang und die Quelle der Gottesfurcht; der durch die Thora nicht erleuchtete Geist kann seine Gedanken nicht znm Allerhöchsten erheben, kann nicht begreifen, nicht recht ausführen Gottes Gesetz. Tiwpv mch ch-n. (Kidduschin äOll.) Das jüdische Kind, für welches der Unterricht in der Gotteslehre gleichsam die Nahrung seiner Jugend sein soll, rrs (Baba Mezia 107 ll), muß vor l Allem die hohe Bestimmung und den Ruhm seines l Geschlechtes kennen lernen, damit es sich für die Neligion seiner Väter begeistere und alte jene edlen! und reinen Gefühle u sich ausnehme, welche dieser i Glaube einflößt, die da den Gläubigen zu allem Großen, selbst zu den größten Opfern befähigen. Es sol-! len ihm auch die traurigen Abschnitte aus der Ge- > schichte Israels nicht verborgen bleiben, damit es lerne, sich stets so zu betragen, daß es dem Glauben Israels durch seine Handlungen und seine Tugenden! Ehre mache, damit man aus seiner Art und Weise zu leben die Heiligkeit des Judenlhums erkenne, damit die Vorurlheile von der Erde verschwinden, damit die jüdische Wahrheit und Gerechtigkeit alle Finsterniß erhelle, die Wunden der Vergangenheit heile, den Gefahren der Zukunft vorbeuge.Das jüdische Kind soll früh vorbereitet werden auf die Kämpfe, die ihm bevorstehen, damit es zu widerstehen lerne den Waffen des Unglaubens, des Spottes und der Verführung.Dann wird Gott zu dem Vater sprechen, der seinen Sohn geziemend hat in der Gotteslehre unterrichten lassen, wie er einst zu Abraham sprach: „Weil du dieses gethan und mir nicht verweigert hast deinen Sohn, so werde ich dich segnen und vermehren deine Nachkommen, daß sie zahlreich seien wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres .... und es werden gesegnet werden durch deine Nachkomme.: alle Völker der Erde, weil du gehorcht Haft meiner Stimme". Die Juden ru Main; im Mittelalter. (Fortsetzung.) XIII. Die Verdienste des R. Gerschom Maor h a - G o l a. Nach dem Sturm von 101! und 1012 trat eine Ruhe von mehr als 80 Jahren ein, in welchem Zeiträume die Mainzer Schulen die höchste Stufe der Berühmtheit erreichten. Ans allen jüdischen Gemeinden Deutschlands, Frankreichs und Italiens kamen zahlreiche Jünger, um in die Wissenschaft des Judenthums eingeiveihet zu werden. R. Gerschom den Jehüva, der größte seiner Zeitgenossen, wegen seiner hohen Verdienste „die Leuchte der Zerstreuten", Maor Ha-Gola, genannt, war ein geborner Franzose aus Metz, wo er um's Jahr 960 das Licht der Welt erblickte. In seiner Jugend kam er nach Mainz , um dort unter seinem Landsmanne. dem oben erwähnten R. Lion, zu stuoiren Er machte so große Fortschritte in seinem «Ltudium, daß er seinen Lehrer, nach dessen Tode, ersetzte. Aber seine Verehrung für den verstorbenen Lehrer war so groß, daß er demüthig gestand, wie wir bereits bemerkt haben, er verdanke chm sein ganzes Wissen. R. Gerschom war, ohne Uebertreibung zu sagen, der größte Talmudist feiner Zeit; er lehrte den Talmud mit einer solchen Deutlichkeit und Umsicht, wie schwerlich Jemand vor ihm besser that. Auf dieselbe Weise verfaßte er auch seine Erklärungen zum Talmud, die sich theilweise erhalten haben. Die fremden Wörter suchte er darin aus französisch zu erklären, und es unterliegt keinem Zweifel, daß er seinen Bru-