Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1865)
- Date
- 1865-11-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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701 religiösen Observationen brechen will. Es war demnach die Aufgabe der Freunde des Judenthums, jede Gelegenheit, die uns die Vorsehung darbietet, zu benutzen, um die Menschen diesem Ziele näher zu bringen. Diesem Bedürfnisse verdankt auch die jüdische Presse ihr Entstehen. Die heilige Sprache gewann da, wo man ihre Kenntniß schon dem Verschwinden nahe glaubte, immer mehr Zugang. Eifrige Freunde und ergebene Beschützer derselben, erwerben ihr immer mehr Terrain. Deutschland sowohl als auch Frankreich, England und Amerika, Italien und Polen — das allein 2,500,000 jüdische Seelen, fast ein Drittel der gesammten jüdischen Bevölkerung auf der Erde hat — Rußland, Preußen und Oesterreich, ein jedes dieser Länder besitzt ein Organ für die Interessen des Judenthums. Die orientalische Frage der Israeliten, oder um mich deutlicher auszudrücken, das Interesse der europäischen Juden für diejenigen Glaubensgenossen, die muhamedanische Länder bewohnen, wurde seitens der französischen Juden durch die Eroberung Algeriens durch die französischen Truppen, sehr gehoben. Dieses Land war seit 1830 französische Besitzung. Karl X. und der Marschall Bourment hatten derJuliregrernng das schwierige Geschäft, dieses Land zu unterwerfen und zu organisiren, Hintersassen. Je mehr die französischen Truppen in das Innere des Landes eindrangen, auf desto mehr Juden stießen sie, und überall jubelten ihnen diese Pioniere der Civilisation entgegen, da sie wußten, daß dieselben Bayonette, die einstens die Thore unserer Ghettis in Deutschland sprengten, auch sie von der Willkürherrschaft und dem Despotismus des Dey und seiner Soldateska befreien würden. Ausdrücklich muß hervorgehoben werden, Haß: überall in jenen Ländern, die Inden obschon selbst unwissend, dennoch die besten Däger und Förderer für Civilisation sind. Durch den Handel und Verkehr überwältigen sie mit Leichtigkeit Hindernisse, vor denen Andere rathlos zurückschrecken und ihre Wünsche, ihr Interesse wie auch ihr Glaube, zieht sie dem Lichte entgegen. Diese Bemerkung hat sich in Algier wiederum bewahrheitet. (Forts, folgt.) Holland. Ans dem Haag. Moritz Leon, einer der ersten Künstler aus der niederländischen Malerschute, verschied nach einem kurzen Krankenlager zu Haag am 7. October. Die sterblichen Ueberreste dieses jungen Virtuosen, der unser Neligiousgenosie war, wurden auf dem portugiesischen Friedhofe unter Begleitung einer großen Menge am 10. October zur letzten Ruhestätte gebracht. Seine College» suchten durch recht zahlreiche Betheiligung ihre Sympathie für den verstorbenen Genossen an den Tag zu legen. (I- Chr.) England. Zur Ernennung des Alderman Philipps zum Lord-Mayor von London bringt die „Kölner Zeitung" die folgenden biographischen Details: „Der Alderman Philipps, der zum Lord-Mayor erwählt worden, ist Jsraelite und der Sohn eines deutschen Schneiders, der früher in dürftiger Lage lebte. Vor kaum dreißig Jahren trieb er noch in London Kleinhandel. Während dieser Zeit hat er sich durch den Wollhandel ein sehr großes Vermögen erworben und ist eine sehr beliebte Persönlichkeit in der City geworden." Es ist diese Erscheinung für uns Juden gerade in England, als dem Lande, wo das Christenthum seine eifrigsten Anhänger auf der ganzen Erde hat, um so erfreulicher; der Gedanke ist erhebend, daß gerade diese Nation einem Juden ihre wichtigsten Interessen, die Ehre und den Ruhm ihrer großen Hauptstadt, die Ehrenwache und das Leben ihrer Königin anvertraut. Der Lord-Mayor ist die angesehenste Magrstratsperson Londons. Er bewohnt ein besonderes Palais, das Hlavsion - twuss. Der Lord-Mayor gebiettt über ganz London und noch mehrere Meilen Landes an der Themse, so daß er über mehr Einwohner als mancher deutsche Fürst zu befehlen hat. Es ist wahr, daß der ehrwürdige David Solomons, der dieselbe Würde begleitete, die eine Person nach dem englischen Gesetze nur ein Jahr lang inne haben kann, den Engländern gezeigt hat, wie und mit welcher Weisheit und feuriger Hingebung der wahre Israelit die höchsten und ernstesten Pflichten gegen sein Vaterland zu ' erfüben weiß und daß der wahre Jude das Prophetenwort ''p.i n-r rühmlickst zu vollziehen versteht. Herr Solomons, der Vorgänger unseres Phüipps, war der Bevölkerung ein wahrer Segen; besonderes Augenmerk wußte er auf die Armen zu richten. Der vom Dienste scheidende Lord-Mayor gibt dem Nachfolger beim Austritte des Amtes ein feierliches Diner; da nun zufällig dieses Jahr dieser Tag auf O'^sz.-! v)' fiel, so wurde dasselbe verschoben. Bristol. Dem „Jewish Chronicle" wird unter dem L. November von Bristol geschrieben, daß unser Religionsgenosse I. Abrahams zum Lord-Mayor dieser bedeutenden Stadt erwählt wurde. Auch wird berichtet, daß Herr Abrahams bei Erfüllung der Pflichten seines Amtes diejenigen gegen unsere heilige Religion nicht vernachlässigen wird. Rußland. Odessa Der Prediger an der hiesigen Gemeinde, Herr Schwabacher, wurde in Anerkennung seiner treuen Anhänglichkeit an das Kaiserhaus und wegen seiner Verdienste um den Staat vom Czaren in den Adelstand erhoben, was bei den vielen Vorrechten Md Pri-