Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1865)
- Date
- 1865-11-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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700 aä 3.. durch Vereinfachung.der Necitationen und Litaneien, aä b. durch Weglaffung verschiedener, nicht zum Pflichtgebete (712m nbO5i) gehöriger und erst in späteren Jahrhunderten eingeschalteter liturgischer Stücke. III. Ausscheidung (resp. Modifikation solcher Stücke der Agende, welche dem Zeitbewußtsein (!) entschieden wiedersprechsn. IV. Einschaltung einiger deutschen Gebete und Gesänge bei dem sabbatlichm und festtägigem Gottesdienste. Von diesem Grundgedanken also ausgehend, den er aber erst am 2. Mai offen kundgab, wählte der Vorstand stets 2 Rabbiner der sogenannten freien Richtung ( n der Thal Rfformpartei) in Deutschland, mit denen er eine seinen Reformen zustimmende Majorität im Nabbinat erlangen würde, da bekanntlich der jetzige einzige Nabbinatsassessor, Herrn Nosenstein, ein streng konservativ religiöser Mann ist. Wir wollen an dieser Stelle bemerken, daß das Repräsentantencollegium, welches aus 2 l Mitgliedern besteht, nur II Vertreter der religiös conseroativen Partei zählt, während jeglicher Beschluß nur mit einer Majorität von V3 der Anwesenden zu Stande kommt. Da nun diese 11 Mitglieder die so gefährlichen Absichten des Vorstandes erkannten, suchten sie dieselben zu zerstören und widerstrebten heftig und mit aller männlichen K.aft jeglicher Wahl, die eine Resormirung der Gemeinde herbeiführen mußte. In diesem Sinne muß auch die von den Repräsentanten getroffene Rabbinenwahl d. I. oelrachler werden, in der sie durch einen Compromiß in ihrer Mitte neben einem Prediger der freien Richtung einen, wie es heißt, streng orthodoxen wählten, denn schon durch diesen letzten war ihnen eme konservativ religiöse Majorität im Rabdinat gesichert. Aber auch der Vorstand war nicht gewillt, nachzugeben und nach Ablehnung dieser Wahlen und nach einigen anderen Verhandlungen, die ebenfalls und ganz naturgemäß zu keinem Resultate führten, beschloß derselbe die ganze Angelegenheit bis nach den neuen Repräsentantenwahlen zu verschieben. Er appellirt nunmehr, wie schon bemerkt, an die Gemeindemitglieder und fordert dieselben auf, Repräsentanten zu wählen, die seinen Ansichten sich anschließen, fußt aber dabei aus Gutachten des seligen Herrn Or. Sachs vom Jahre 1845, 46 und 55 und einer Petition von 1695 Unterschriften für die Resormirung des Gottesdienstes. Wenn allerdings diese 1695 Unterschriften colportirt worden sind, und ein jeder schon vom politischen Leben her weiß, was von einem solchen Manövre zu halten, so läßt sich dennoch nicht leugnen, daß die Reformpartei in unserer Gemeinde ziemlich stark ist, die unter der Devise „des Fortschrittes" das Judenthum von Grund aus vernichten will. Wir beabsichtigen nicht, jetzt die Reformvorschläge zu untersuchen und behalten uns diese Aufgabe für eine spätere Zeit vor; für heute wollen wir nur die allgemeinen Zustände unserer Gemeinde berichten und fahren fort zu schildern, wie jene Schriftstücke unserer Gemeinde- Mitglieder aus der Apathie endlich erweckt haben. Die Krisis liegt vor allen Augen und jeder ist der Wichtigkeit der kommenden Repräsentantenwahlen sich bewußt. Sein oder nicht sein, ist jetzt die Loosung auf religiösem Gebiete, und große Aufregung herrscht in unserer Mitte; mit Erbitterung wird in Zeitungen und Broschüren für und gegen Reform gekämpft; die Reformpartei hält allwöchentlich Versammlung, um bestimmte Wahlcandrdaten aufzustellen und durchzusetzen, die fromme Partei arbeitet ruhig und mit Besonnenheit im Stillen und hofft auf den Sieg der guten Sache. Kurz, Alles sieht mit Spannung aus den Ausgang des Kampfes, der von uns geführt wird für die Erhaltung unserer heiligen Religion und ihrer alten, stets bewährten Institutionen. Frankreich. Paris. (Jüdische Briefe von A. Cohn. Forts.) XIV. Die allgemeine Geschichte der Menschheit beschäftigt sich nicht allein mit der Organisation der Völker, ihren Kämpfen und ihrem Ringen um die Selbstständigkeit, d.h. Nationen und politische Körperschaften zu bilden, sie macht uns vielmehr auch mit dem inneren Leben, dem Cultnrzustande der Literatur eines jeden Volkes bekannt, von welchem Standpunkte aus man am allerbesten die Verhältnisse im ganzen Staats beurtheilen kann, da deren Hebung stets die Aufgabe der großen Geister einer jeden Nation war und ist. Auch das Iudenthum hat nicht allein, wie heutzutage viele glauben, die Aufgabe, die Thätigkeit der angesehenen und einflußreichen Religionsangehörigeu anzuspornen, um unsere bedrückten Brüder in anderen Ländern zu unterstützen und womöglich zu beschützen, es muß vielmehr mit dieser ernstlichen Beschäftigung auch große Thätigkeit für die Förderung unser reichen und mannigfachen Literatur zu entfalten suchen. Es genügt nicht, die Juden emancipirt zu haben und ihnen Rechte verschafft zu haben, Rechte, die man ihnen nie hätte verweigern sollen; auch die jüdische Literatur, das Leben der jüdischen Seele, muß emancipirt werden, indem man sie in die allgemeine Thätigkeit der Geister unserer Zeit einreiht. Es ist die passendste Art und Weise die Todten zu ehren, durch den Refpect, - en man ihren Werken zollt, und ferner an den Tag zu legen, daß die moderne Zeit weder mit den Traditionen unserer Väter, uoch mit dm