Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1865)
- Date
- 1865-11-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447193-2447239--03854-2459277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beilage za Rr. 47 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen.; Preußen. j Berttn. Heute, am neunten November, wird, wie alle Jahre, der erste Magistratsherr der größten Stadt der Welt, nämlich der Lord-Mayor von London in sein Amt eingefül-rt. Eine große Procefsion mit vielen Mufikchören, Bannerträgern, Gildenmitgliedern, Volontärschützen, den sämmtlichen Stadträthen und hohen Beamten der City in ihren glänzendsten Karossen, endlich der vergoldete von sechs Pferden gezogene Staatswagen des Lord-Mayors, bringen die Bienenschwarm-Bewegung in den sonst Überfüllten Straßen der inneren Geschäftsstadt auf einen Tag zum Pausiren. In diesem Jahr ist es der Aeltermann (Alderman) Herr Philipps, der für die nächsten zwölf Monate als Lord-Mayor den Vorsitz im Magistrate der City von London führen und alle die Ehrenämter bekleiden wird, welche mit seinem hohen Berufe verbunden sind. Herr Philipps ist jetzt der zweite Jude, der das Amt eines Lord-Mayor bekleidet; vor ihm war es Aldermann Solomons, der bekannte liberale Parlaments-Abgeordnete für Greenwich. Was nns aber veranlaßt, diesmal die Wahl des Herrn Philipps spcciell zu erwähnen, ist der für unsere Hauptstadt besonders interosstnte Umstand — daß die Firma Faudel und Philipps in London, deren Gründer und Chef der jetzige Lord-Mayor ist — vor nahezu fünf und dreißig Jahren die erste war, welche die Berliner Stickmuster, Wollstiäereien rc. nach England brachte, und iomit einer unserer bedeutendsten Berliner Special-Jndustrieen im Auslande eimn Absatz-Markt eröffnete. Nach Philipps bildeten sich später andere bedeutende Import-Geschäfte dieser Branche in London, die nun, wie dies in der Weltstadt zumeist der Fall ist, alle in Newgate-Street ihre Waarenlager haben. Nachdem die Firma Faudel und Philipps das Beispiel gegeben, den Fleiß und die Kunstfertigkeit unserer Berliner Arbeiterinnen den englischen Damen zuerst zuzuführen, hat der Absatz nach allen britischen Kolonien sich schnell erweitert und Amerika folgte bald nach, so daß wir cs unzweifelhaft dem jetzigen Lord- Mayor von London, Herrn Philipps, zu verdanken haben, daß die Berliner Tapisserie- und Stickmuster- Industrie einen Weltruf erlangte. Vielleicht geben diese wenigen Zeilen den Anlaß, daß die bedeut-nden Berliner Etablissements dieser Branche zusammentreten, um gemeinschaftlich dem Lord-Mayor von London, Herrn Philipps, eine Gratulation zu seinem hohen Ehrenamte zu senden. Es würde eine solche wohl verdiente Anerkennung die Absender nicht minder ehren als den Empfänger. (Volksztg.) 9. Berlin, 15. November. Endlich ist die Finsterniß, welche in unserem Gemeindeleben geherrscht hat, gewichen, klar sehen wir die zerrütteten Zustände unserer Gemeinde, klar finden wir die Beantwortung derjenigen Fragen, welche so oft in der Mitte der Gemeinde-Mitglieder aufgeworfen wurden: Warum ist die Kanzel schon seit beinahe 2 Jahren ganz verwaist? Gibt es denn gar keine Männer, die das Berliner Rabbinat zu übernehmen würdig sind? Warum wird die große Synagoge noch nicht eröffnet? Alle diese Fragen sind endlich beantwortet durch das allmächtige Wort des Vorstandes: „es werde Licht," ward es Licht in unserer Mitte. Am 22. November sollen 10 Repräsentanten gewählt werden, und vorher erließ der Vorstand an die Gemeinde ein Schreiben (wie etwa eine Appellation an das Volk), in welchem er die Verhandlungen der Repräsentanten über die Wahl zweier Prediger und über die cultuellen Einrichtungen der neuen Synagoge veröffentlichte und zu beweisen sucht, wie das Repräsentantencollegium allein die Schuld an allen diesen traurigen Gemeindezuständen trägt. Seine zu wiederholten Malen geschloffene Rabbinerwahl hätte niemals die Bestätigung jenes Collegiums erlangt und die zeitgemäßen Einrichtungen des Kultus, ohne welche die neue Synagoge nicht eröffnet werden kann, waren stets von demselben zurückgewiesen. Aus diese Schrift erfolgte von Seiten der Repräsentanten unter dem 2. November eine öffentliche Antwort, in der sie ihr Verhalten rechtfertigten, und hierauf eine Erwiederung des Vorstandes am 9. November. Wir wollen nicht weiter aus die beiden letzten Schriftstücke eingehen, denn jeder vorurtheilsfreie und aufmerksame Leser konnte schon aus der ersten Schrift des Vorstandes herausfinden, wie gerechtfertigt die Handlungsweise der Repräsentanten ist. Der Grundgedanke, welcher gleich in der Einleitung dieser Schrift sich kundgibt, und durch die ganze Schrift durchleuchtet, ist das Bestreben des Vorstandes, in der neuen Synagoge eine Kultusreform einzuführen, die scharf in unsere alten Institutionen einschneidet. Der Vorstand selbst bezeichnet dieselbe endlich in einem Schreiben an die Repräsentanten vom 2. Mai d. I. in folgenden 4 Punkten: I. Benutzung der Orgel bei dem sabbatlichen und fefttägigen Gottesdienste. II. Kürzung des Gottesdienstes. L. in Bezug auf das Zeitmaß, d. in Bezug auf das liturgische Material und zwar: