Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1865)
- Date
- 1865-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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697 diesem betreffenden Falle. Wiederum ein Beweis, daß demjenigen, dem es ernst um die Religion seiner Väter zu thun ist, selten ein Hinderniß unüberwindlich ist. Stuttgart, 16. Oktober Durch hohen Erlaß des Kuttministeriums vom 10. d. M. wurde verfügt, daß der Mindestgehalt der israelitischen Vorsänger, die nicht zugleich Schullehrer sind, statt seitheriger 200 fl. auf 300 fl. festgesetzt und daß den Vorsängeramtsverwesern neben dem von seitherigen 180 fl. auf 225 fl. zu erhöhenden Minima lg eh alt ein Anspruch auf ein heizbares Zimmer mit dem unentbehrlichsten Mobiliar, oder eine dem jeweiligen Mietpreise entsprechende Entschädigung dafür und auch ein halbes Klafter Buchen - Holz oder ein Aequivalent von einer anderen Holzgattung zuerkannt, auch daß diese Gehaltserhöhung, gleich den Gehaltserhöhungen der Schullehrer, deren Mindergehalt auf 400 fl. normirt ist, vom 1. Juli 1664 au in Wirksamkeit gesetzt worden. In den Städten, wo schon bisher der Gehalt ein höherer war, liegt den Vorsteherämtern ob, die der Zeit und dem Ort entsprechenden Gehalts-Aufbesserungen der Angestellten zu decretiren. Zur Aufbringung der erhöheten Gehalte ist den geringeren oder schwerbelasteten Gemeinden die Beihilfe der israelitischen Central-Kirchenkaffe in Aussicht gestellt, welche zu diesem Zwecke statt der bisherigen 7000 fl. nun einen Beitrag von 8500 fl. aus der Staatskaffe erhält. Heilbrorrn a. N. Die hiesigen städtischen Kollegien haben der israelitischen Gemeinde am 24. Oktober d. I. zur Errichtung eines Friedhofes einen Beitrag von circa 300 fl. aus der Stadtkaffe zugesichert, der wohl erhöhet werden dürfte, wenn dem Stadtrath seiner Zeit der Kostenüberschlag vorgelegt werden wird. Jedenfalls wird nun die Anlegung eines wn in Angriff genommen werden, sobald der Ankauf eines von der Stadtbehörde als zulässig und geeignet bezeichnten Areals mit dem Staate, welcher Eigenthümer desselben ist, abgeschlossen sein wird. Die Einleitungen dazu sind mit der Hoffnung getroffen worden, daß die Staats-Finanzverwaltung in Rücksicht auf die Finanz- und Sachlage einen Gnadenpreis ansetzen werde. ObersHwaben, den 3. November. Man hat bisher noch nirgends gelesen, daß auch eine israelitische Gemeinde bei neuester Negulirung der Lehrerbesoldungen über das gesetzliche Maß hinausgegangen wäre. Um so angenehmer ist es mir, heute einen solchen Fall angeben zu können. Der israelitische Hauptlehrer zu Laupheim erhält von der politischen Gemeinde jährlich 450 fl. nebst freier Amtswohnung. Hiezu schießt die israelitische Gemeinde freiwillig 12S fl. per Jahr und für besonderen Unterricht in Religionsgegenständen aus einer Stiftung «och weitere 100 fl., zusammen also 675 ff. Ehre einer solchen Gemeinde! (Schw. M.) Preußen. Berlin, 12. November. Unsere Hauptstadt hat in unserer Zeit eine sehr hohe Bedeutung erlangt, und ihr Einfluß ist auf allen Gebieten des geistigen Lebeus unberechenbar geworden Denn, wenn der Fortschritt cultueller Entwickelung eines Volkes auch das Ansehen der Wissenschaft und Bildung bei ihm steigert, so muß sich auch das der Hauptstadt als der natürliche Sitz derselben in gleicher Weise erhöhen. Dadurch erhält aber Alles, was in ihr vorgeht, eine allgemeine Bedeutung, und alle Bewegungen in derselben treiben ihren Wellenschlag bis in die entferntesten Theile des Reiches. Was aber früher noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen mußte, hat jetzt bei den Raum und Zeit überwindenden Erfindungen über die Anwendung des Dampfes und der Elektricität auch den mächtigen Nachdruck des Augenblicks und der lebendigen Frische. So dürfen denn auch die jüdischen Angelegenheiten Berlins von uns nicht als Gegenstände localer Natur betrachtet werden, sondern vielmehr als Momente hoher und allgemeiner Bedeutung für das Judenthum in ganz Preußen und mittelbar in ganz Deutschland. So drückend und trostlos auch die jüdischen Verhältnisse hier sein mögen, und so peinlich es für einen Correspondenten ist, sich die Besprechung einer krassen Disharmonie, eines Kampfes gereizter und leidenschaftlicher Parteien zum Gegenstände zu wählen, so sind doch gerade diese Angelegenheiten für das Gesammtjudenthum viel zu wichtig, als daß sie mit Stillschweigen übergangen werden könnten. Die hiesigen, jüdischen Gemeindeverhältniffe haben ihre bisherige, ruhige und glatte Außenseite verloren, und der Streit der Parteien, der eine geraume Zeit im Stillen geführt wurde, droht jetzt bei seinem.Eintritte in die Oeffentlichkeit immer heißer und ernster zu entflammen. Das Vorspiel zu diesem Drama zeigt sich uns in den von den Parteien schon ausgegangenen Flugschriften, und in den Spalten der Zeitungen, die sich dieses Gegenstandes mit großem Interesse bemächtigt haben. Ehe ich aber zur Darstellung der jetzigen Sachlage übergehe, halte ich es vielen geehrten Lesern d. Bl. gegenüber für nöthig, Einiges über die Geschichte dieses Streites vorauSzuschrcken. Seit zwanzig Jahren nämlich besteht hier neben der Hauptgemeinde, deren Hauptfynaqoge nach orthodoxem Rittä sich in der Heydereitergaffe befindet, auch noch eine Wformgememde, deren Mitglieder einen eigenen Cultus unterhalten. Hier ist die Gebetsprache durchweg die deutsche; der allwöchentliche Gottes-