Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1865)
- Date
- 1865-11-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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69S ist die Erhaltung, die Kraft Md die Unsterblichkeit der jüdischen Religion. Die Thora ist die Welt des Geiste-; sie ist die Manifestation des Gdttesgeistes auf Erden; daher nimmt das Studium der Gotteslehre den ersten Rang ein unter allen unfern religiösen Geboten -M2. Die Völker des Alterthums, welche zur Zeit der Entstehung der israelitischen Nation blühten, hatten Priesterkasten, welche die Wissenschaften und das Wissen überhaupt für sich allein in Anspruch nahmen; dadurch sicherten sie sich Herrschaft und Einfluß; sie wachten deshalb eifersüchtig über dieses ihr Monopol. Israel aber sollte in seiner Gesammtheit sein ein Volk von Priestern, eine Quelle des Lichts und der Belehrung für das ganze Menschengeschlecht; alle Glieder der israelitischen Familie, die Fürsten der Stämme, die Nettesten, die Beamten, die Männer des Volkes, die Frauen, die Kinder, die Sclaven, an Alle erging der Gattesruf, der alle Geister, alle Klaffen, alle Wohnungen durchdringen sollte. Das jüdische Gesetz heißt Thora, Lehre, die heilige Gesetzösrolle ."iiim isv, das Buch der Lehre; der höchste Titel, den wir Moses geben, ist wni, unser Lehrer; die großen Männer Israels nennen sich 'i'Ovr> .0,22/1. Schüler der Weisen, und die Synagoge heißt im Munde des Volkes „Schule"; unsere Gebete sogar bestehen mehr in sittlichen und theologischen Abhandlungen als in Bitten um die materiellen Güter dieser Wett, und selbst die erste unter den Bitten im Gebete der achtzehn Benedictionen .iiwp nuvw enthält zugleich den Dank für den Verstand, den uns Gott verliehen und der es uns möglich macht, uns zur Wahrheit zu erheben; selbst das höchste Ziel unseres Sehnens, der Gipfelpunkt der messianischen Zeit, ist die allgemeine Verbreitung der Erkermtniß, wie es heißt: „und voll wird sein die Erde von Erkermtniß wie die Master das Meer bedecken". (Fortsetzung folgt.) Usch einmal über die Jeschiba -Angelegenheit in Ungarn. von vr. MäesLvünvr. IMVpb Ivvbvl -j'S2 11«2 121.1 2NP '2 Viele meiner Leser werden jene oft citirte Göthe'sche Strophe: „Willst du immer weiter schweifen, sieh' das Gute liegt so nah', lerne nur das Glück begreifen, denn das Glück ist immer da," kennen, schon oft deelsmirt und interpretirt haben; nicht Alle aber habe« wohl schon daran gedacht, daß dieser allerdings - immense Lebensspruch schon (p2 iOO2pr<mvi2.i ^'12.1'?;Hin2w v'Vipn viip) in unserer Gotteslehre uns zugerufen, daß schon diese MS warnend ermahnt, nicht „weiter zu schweifen," das „nahe Gute" und „da- Glück, das immer da ist", zu „begreifen". Du fragst vielleicht, lieber Leser, nach der Jdeenaffociation zwischen diesen Citaten und unserm Thema. Nun, eine „Affociation" ist allerdings nicht zwischen ihnen, das Verhältniß ltdgt „viel näher", nirgends gilt diese Lebensregel mehr als bei der „Jeschwa - Frage". Dir dies zu argumentiren und gleich mir, zur vollsten Ueberzeugung zu bringen, ist Zweck der folgenden Auseinandersetzungen. Folge ihnen, lieber Leser, mit Teilnahme; prüfe die Argumente vorurtheilslos; spinne den Faden der Geduld freundlichst weiter, wenn mehr Fortsetzungen folgen und der Schluß später erfolgt, als der Leserkreis dem Correspondenten zu gestatten pflegt. Sei versichert, daß ich gleich Dir, vielleicht noch mehr als Du, langathmige Dictionen, zu denen mir übrigens die stets nach wenigen Minuten messende Muße gar keine Zeit vergönnt, die keinen Vernünftigen gewinnen und keinen Unvernünftigen zur Vernunft bringen, verabscheue. Ich fürchte daher nimmermehr, der Weitschweifigkeit des Ausdrucks geziehen zu werden; diese würde, wenn überhaupt gerügt, dem über alle Maaßen vielseitigen und von keinem einzigen andern an Wichtigkeit überholten Gegenstände angehören; er selbst muß jeden diesbezüglichen Vorwurf decken und kann es sehr wohl. Sie, verehrter Herr Redakteur, brauche ich wohl weniger um Nachsicht zu bitten; Sie wissen so gut wie ich, wie der Titel meiner Abhandlung die eigentliche Lebensfrage des orthodoxen Judenthums ist, daß letzteres damit stehe und falle, ja daß die richtige tatsächliche Beantwortung dieser Frage die einzige Bürgschaft und Gewähr für die Zukunft in sich berge. Ich darf mir daher wohl die captat iodsusvolsutias ersparen, sie wäre mehr Beleidigung als Hochachtung. Keineswegs jedoch gesonnen, Ihr und des geehrten Leserkreises Vertrauen zu mißbrauchen, will ich hier gleich meine Disposition im Allgemeinem vorarr-schicken. Es soll sich nämlich diese Arbeit an eine Reihe von Aufsätzen, welche ich Ln diesem Blatte, Jahrg. V. Nr. 27 und ferner, über das Pesther Elaborat, teilweise auch an die über die Ungarische „Schulfrage", in einem früheren Jahrgange veröffentlicht, anschließen und sich dazu wie Praxis zur Theorie verhalten. Dort habe ich nämlich von den Prinzipien gesprochen, nach denen, wenn eine derartige Centralanstalt geschaffen Md sactisch und moralisch mit dem starken Arme der Hohen Regierung gestützt werden soll, meiner vieljährigen, und noch jetzt unveränderten, auf unzähligen, der nüchternsten Empirie entlehnten, Argumenten beruhenden Erfahrung nach, vorgegangen werden sollte. Ich habe dort frei und unumwunden, wie es Pflicht jedes ehrlichen Mannes ist, ohne Erwartung von Dank und Lob und ohne Frucht vor