Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1865)
- Date
- 1865-11-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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686 Aus Jerusalem erhalten wir fortwährend die traurigsten Nachrichten. Die Stadt ist in Nacht und Trauer gehüllt — Krankheit und Tod herrschen in allen Gaffen; in der einzigen Nacht vom 22. zum 23. Oct. sind zwischen zwei- und dreihundert Personen gestorben — also mehr als ein Procent der Bevölkerung in einer Nacht! Der Pascha hat die verpestete Stadt verlassen und ist nach Bairut entflohen; aller Verkehr stockt, jede Ordnung ist ausgelöst. Die Türken und Griechen, die erkranken, bleiben hilflos liegen, bis sie dem sicheren Tode anheimfallen; selbst ihre nächsten Verwandten fürchten sich, ihnen zu nahen. Anders ist es mit unsern Glaubensgenoffen; da zeigt sich die thätige Bruderliebe, die ein Erbtheil unseres Stammes ist; die von der Krankheit verschonten, kräftigen Männer eilen von Haus zu Haus und helfen und retten soviel sie können; viele von ihnen sind bereits inmitten ihres heiligen Berufes der Krankheit erlegen. Zur Beruhigung ihrer zahlreichen Freunde in Deutschland theilen wir mit, daß wir Briefe von R. Moses Sachs, R. Selig Hausdorf und R. Gaml. Schlank erhalten haben, die sich sämmtlich wohl befinden. Noch eine Bemerkung wollen wir unfern Lesern nicht vorenthalten. Während alle seither aus Palästina bei uns eingegangenen Briefe durchstochen und mit Wachholder durchräuchert waren, war dieses bei den heute, den 12. Nov., angekommenen nicht mehr der Fall — sollte das vielleicht ein Zeichen sein, daß die Cholera seit Absendung der Briefe aufgehört hat? Wir hoffen das bald zu erfahren. Indessen flehen wir zu unserem himmlischen Vater, daß Er zu dem Verderber sprechen möge: „Lasse ab!" und daß Ec den furchtbaren Leiden unserer hartgeprmten Brüder im Lande unserer Väter recht bald ein Ziel setzen möge! Sitte. Am Sonntag, 23. Juli l. Jahres (.222N nvr> v"ü), ließ ein Mann, angeblich aus Philadelphia in Amerika, welcher den Namen Abraham Schlessinger (-V-! -12 als den seinigen angab, aus Willmars in Bayern gebürtig sein soll, von wo er als3jähriger Knabe mit seiner Tante ausgewandert sei, dahier durch den Distrikts-Rabbiner Abraham Adler mit der Jungfrau Johanne Oestrich von hier (no die religiöse Trauung vollziehen ließ. Die Civiltrauung war schon am 13. Juli durch den amerikanischen Gesandten in Frankfurt a. M. in Gegenwart der Zeugen, August Gläeser und Charles Franz, vollzogen worden. _ Dieser Abraham Schlessinger reiste mit ^seiner Frau, Johanna geb. Oestrich, nach New-Aork, wo er dieselbe, nachdem er deren sämmtliche Habe sich angeeignethatte, verließ und seitdem spurlos verschwunden ist. Damit nun diese beklagenswerthe I. Oestrich nicht riuap verbleiben muß, ersucht man sämmtliche Herren Rabbiner in Amerika, sachdienliche Aufschlüsse über den Aufenthalt des Abraham Schlessinger rc. dem Herrn Distrikts-Rabbiner Adler in Aschaffend urg (Bayern) gütigst mittheilen zu wollen, um das Weitere wegen riwQ 2)ri rir'ru versuchen zu können. Die Herren Rabbinen und ein Jeglicher, dem es möglich sein wird, Sachdienliches mitzutheilen, werden um so williger dieses thun, da benannte Joh. Oestrich einen musterhaften, tugendhaften Lebenswan el führte und durch redlichen, vieljährigen Fleiß sich dasjenige erwarb, dessen sie benannter A. Schlessinger beraubte. I « L H. Bemerkt muß noch werden, daß benannter Schlessinger wahrscheinlich nicht in Philadelphia, sondern in Baltimore wohnte, nicht als 3jähriger Knabe, sondern als Jüngling nach Amerika kam und wahrscheinlich schon vorher verehelicht war. Alle löbl. Redactionen jüdischer Zeitschriften werden ergebenst ersucht, vorstehender Bitte ihre Spalten zu öffnen. (G Lngesandt. *) Aus dem Ntassarrischen. Wieweit die Neologie ihr verderbliches Spiel mit unserer heiligen Religion treibt und inwiefern mit derselben Bildung und Aufklärung Hand in Hand gehen, davon geben die israelitischen Zustände Nassaus den besten Beweis. Wir wissen nicht, welchen Rang die Gemeinde Rüdesheim in dem Rabbinate des Herrn Rabbiner Süßkind einnimmt. Da uns jedoch gerade diese Gemeinde am bekanntesten ist, so machen wir sie zum Gegenstände unserer Betrachtung. Der religiöse Zustand einer Gemeinde läßt sich am Besten nach dem Stande der Gemeinde-Institutionen als Synagoge, Schule, Schechitah, Mikwah rc. beurtheilen. Wie dies auf dem Lande häufig vorkömmt, so versieht der Lehrer die Functionen an den drei ersteren; die letztere existirt nicht in dieser Gemeinde. Wie es überhaupt in dieser Gemeinde aussieht, ist schon dargethan, wenn wir die folgenden Notizen über den Lehrer dieser Gemeinde, Herrn Salomon Rothschild, geben. *) Für, unter dieser Rubrik veröffentlichte, Einsendungen sind lediglich die Einsender vernntwortiich.