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Der Israelit · 1865-11-15 · Heft 46 (15.11.1865) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 46 (15.11.1865)
Date
1865-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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MS Seuche litten, schickte er ungefähr 140 Zelte, die außerhalb der Stadt aufgeschlagen wurden. Jetzt sind diese Zelte von ungefähr 1500 armen Israeliten bewohnt, an die Herr Gabbai täglich Nahrungsmittel und Medikamente vertheilt. Palästina. Jerusalem. Bekanntlich ist reines Trinkwasser für unsere Stadt eines der ersten Bedürfnisse. Das in größeren Städten, aus gegrabenen Brunnen kommende, ist jedoch oft mit schädlichen Stoffen, von in der Nähe liegenden Gruben herrührend, geschwängert und darum hauptsächlich ein Beförderungsmittel der Cholera, die wieder schrecklich hier grassirt. Um diesem Bedürfnisse abzuhelfen, sucht der regierende Pascha in der Nähe der Stadt nach Quellen. Als vor fünf Jahren die Franzosen in der Nähe des Tempelplatzes ein Kloster erbauten, fanden sie eine Quelle, die in eine Rinne geleitet war. Wahrscheinlich ist dies die Quelle oes Grchon, deren Wasser versickern soll. Das Wasser wurde jedoch nicht weiter zu Tage gefördert. Der Pascha ließ nun weiter in der Nähe des Löwen-Thors graben, wo man ebenfalls auf die Spur einer Quelle stieß, deren Ursprung bis jetzt noch unbekannt ist; übrigens ist dieses Wasser nicht gut. Die Nachgrabungen der Britten außerhalb der Stadt sind bis jetzt in Bezug auf Trinkwaffer erfolglos geblieben. Der Pascha beschloß daher, einmal energisch für diese Angelegenheit thätig zu sein. Nun liegt an dem Wege, der nach Hebron führt, in einer Ebene das Dorf Berak. Aus den in der Nähe liegenden Felsen strömt feit den frühesten Zeiten eine Menge guten Trinkwafsers. Diese Quelle ist schon im Jostponn erwähnt und unter dem Namen Mei Naphtuach allgemein bekannt. Um die dort leicht zu entbehrende Wafsermaffe in die Stadt zu leiten, hiezu hat nun der Pascha die ersten Schritte gethan. Er ersuchte *die Einwohner der Stadt sämmtlich, die Consule und ihre Attaches, zu diesem guten Zwecke das Ihrige beizutragen. Die Stadtkasse gab ebenfalls auch einen Zuschuß zu diesem Zwecke. Die an dem Wege der Wasserleitung liegenden Dörfer mußten den für die Rinnen erforderlichen Kalk und Cement herbeischaffen. Am 17. Ellul begab sich der Pascha mit vielen Beamten und den angesehensten Bürgern der Stadt an die Vrunnenkarnmer, um dem Beginnen dieses wichtigen Werkes beizuwohnen. Auch die Vorsteher der verschiedenen jüdischen Gemeinden waren ersucht, bei diesem Acte zugegen zu sein, mußten jedoch des Sabbaths halber zu Hause bleiben. An der ganzen Linie sind Militär-Piquets aufgestellt, die das Werk zu beschützen haben. Das aus diesen Felsen kommende Wasser läßt man in den, in dem Thale befindlichen Cisternen sich sammeln, um es von da an mittelst Röhren nach Jerusalem zu leiten. Die Volkssage geht, daß der König Salomon. die in der Nähe liegenden Brunnenstuben graben ließ, was jedoch unwahrscheinlich ist. Seither wurde dieses Wasser auf die naheliegenden Wiesen und Felder zur Bewässerung geleitet. Schon in den frühesten Zeiten wurde das Wasser vermittelst einer Wasserleitung auf die Länge von drei Stunden nach Jerusalem geführt. In der Nähe des Tempelplatzes wurde das Wasser in Brunnentröge geleitet; auch liefen stets mehrere Röhren und versorgten reichlich die Bewohner der Statt mit diesem so nothwendigen Elemente. Durch die ruchlosen Dorfbewohner wurde diese Leitung nach und nach zerstört, dis Rinnen zerbrochen, und die Nähren verstopft. Hauptsächlich gebührt den ruchlosen Bewohnern tes Dorfes Solwan dieser traurige Ruhm. Diese Bursche sind so unverschämt, daß sie sich zuweilen in Hellen Haufen Nachts in die Stadt schleichen, sich dann in verschiedene Straßen zerstreuen und in die Häuser einbrechen. Selten wird einer dieser Spitzbuben bestraft, denn selbst mit Schießwaffen ist ihnen schwer beizukommen. Damit ist nicht gesagt, daß sie etwa bombenfest sind, sie haben vielmehr eine solche Gewandtheit in diesem ihrem Handwerke, daß sie über die Dächer der Häuser die Flucht ergreifen. Die kühnsten Sprünge werden dabei gemacht. Sind zwei Häuser zu weit von einander entfernt, so ersetzt die Sricklerter die Stelle der Dächer. Gewöhnlich jedoch Hüpfen sie, gleich Wieseln von einem Dache zum andern und gelangen auf diese Weise über die Stadtmauer in's Freie. — Da gerade diele Leute, die Stadt seither mit dem nöthigen Trinkwaffer versahen, so war ihnen viel daran gelegen, das Zustandekommen dieses Werkes zu Hintertreiben. Dieselben holten ihr Wasser von der Quelle im Thale Josaphat, und bestimmten den Preis nach Belieben. Nun ließ der Pascha an alle Scheich's, die Vorsteher der Dörfer, an denen die Wasserleitung vorüberzieht, den Befehl ergehen, daß jeder der im Geringsten der Wasserleitung schade, mit dem Tode bestraft werden soll. An dem ganzen Wege sind Wachhäuser, mit Soldaten besetzt, errichtet, die jeden sich Nähernden verhaften und nöthigenfalls aus denselben Feuer geben. Wenn einige exemplarische Bestrafungen, wie dies zum Schutze des Telegraphen geschah, vorgekommen, wird diesem Unfuge schon genügend gesteuert sein. Auch wurde aus den naheliegenden Bergen das Wasser einzelner Quellen in die Hauptleitung geführt. Man hat es nun in vier Hauptstraßen der Stadt geleitet, so daß einem Jeden Gelegenheit geboten ist, sich mit diesem nothwendigen Lebensbedürfnisse zu versehen. Der Allgütige möge den edlen Pascha weiter unterstützen, der so sehr für das Wohl der heiligen Stadt Jerusalem besorgt ist. (Hamagid).

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