Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1865)
- Date
- 1865-11-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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687 Neunzehn Jahre wirkt hier bereits Genannter als Lehrer, Chasan und Schochet. Im Jahre 1848 hing Herr R. seine Schule an den Nagel, nahm die Muskete zur Hand und ging unter — die Freischaaren - Schule und Synagoge harrten der Rückkunft ihres kämpfenden Functionärs. Der damalige Vorsteher, der mit dem würdigen Lehrer stets harmonirte, gab am Schabuothfeste die Schlüssel zur Synagoge nicht heraus, unter dem Vorwände, daß man vorerst die Rückkunft des Lehrers abwarten müsse. Der kriegerische Lehrer, zurückgekehrt von seinen Abenteuern in Baden, suchte nun im Kreise seiner eigenen Gemeinde Beweise seiner Tapferkeit zu liefern. In dem damaligen Turnverein, dessen Mitglied er war, verdächtigte er an einem Freitag Abend, einen gesetzestreuen Glaubt nsgenossen, der es für seine Pflicht hielt, gegen einen solchen Lehrer und Vorbeter aufzutreten, des Verraths gegen den Verein nnd zwar in solchem Grade, daß Tags darauf mehrere Vereinsgenoffen auf öffentlicher Straße in drohende Beleidigungen gegen denselben ausbrachen. Die Verwandten des Bedrohten hatten die größte Mühe, den Präsidenten des Vereins von dem wahren Sachverhalt zu überzeugen und die aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen. Solcher Stückchen wüßten wir noch viele zu erzählen, wenn wir nicht befürchteten, den Leser zu ermüden. Hier haben wir nur noch zu bemerken, daß es bis -jetzt unbekannt geblieben, wo Herr R. nach seiner Rückkunft seine Kost nahm, (er war nämlich noch unverheiratet), da er bei keinem seiner Glaubensgenoffen zu Ti'che ging. Wie ein solcher, der den Gesetzen Israels öffentlich Hohn spricht, ist, als vki'w zu fungiren, weiß nur Herr Rabbiner S. In der Schule erklärt Herr R. die heiligsten Gesetze unserer Religion für Unsinn; man kann sich denken, wie ein solcher Unterricht auf die kommende Generation wirken muß. Es bleibt uns unerklärlich, wie eine Gemeinde 19 Jahre lang ihre Kinder einem solchen Lehrer anvertrauen kann. Im Begriff, unseren unerquicklichen Bericht zu schließen, können wir nicht umhin, eines Vorfalls zu erwähnen, der sich am 7. Oktober, am N2L' riwO npiO.i, in hiesiger Synagoge ereignete. Es war zwar nicht das erste Mal. daß sich Herr Rdie gröblichsten Injurien gegen einzelne Gemeindemitglieber, in der Synagoge, sogar während des Gottesdienstes zu Schulden kommen ließ. Aber am bezeichnten Tage erreichte dessen Betragen einen solchen Grad von Rohheit und Bosheit, daß man versucht war an seinem Verstände zu zweifeln. Ohne, daß demselben auch nur auf irgend eine Weise Veranlassung zu einer Rüge oder zur Unzufriedenheit gegeben worden war, wandte sich derselbe gerade während des Borlesens der heiligen Thora, nachdem ihn der erste Vorsteher, Herr Moritz David auf einen Jrrthum aufmerksam gemacht hatte, — er hatte nämlich vergessen, den achten Mann ->'vSQ, zur Thora aufzurufen — zur Gemeinde und sprach: „Ich bin Vorsteher; der Moritz David ist nicht Vorsteher; er ist vielmehr der ungezogenste Mensch in der ganzen Synagoge; der A. Levita, (ein Gemeindemitglied) ist ein ungezogener Bengel," rc. rc. Er insultirte noch einige Gemeindemitglieder, und an Beleidigungen gegen die gesammte Gemeinde ließ er es auch nicht fehlen Die am gröblichsten Beleidigten verließen die Synagoge; eine totale Störung des Gottesdienstes war eingetreten; allgemeine Entrüstung erfüllte alle Anwesenden. Selbstverständlich wurde am folgenden Tage bei der hohen Herzoglichen Landesregierung ein Bericht eingereicht, in welchem der Vorsteher Herr M. Ddie Absetzung des Lehrers verlangt, über deren Resultat wir später berichten werden. Dies Alles geschah in einer Gemeinde, die ganz und gar den Principien des Herrn Rabbiners S. huldigt, in einer Synagoge, deren Ordnung durchaus der Reform entspricht. — Wer möchte sie darum beneiden? — (G ingesandt.) S a Ujkeiy. Ein gar tiefes Schmerzgefühl bemächtigte sich meiner, als mir jüngst von kompetenter Seite der Vorwurf gemacht wurde, daß ich durch die in meinem, in Nr. 41 und 42 dieses geschätzten Blattes gebrachten Berichte, über den hiesigen hebräischen Privatunterricht gesagten Worte: „die hiesige, das hebräische Fach nur stiefmütterlich behandelnde Musterschule" die Lehramtsdisciplin des verehrten und gelehrten I. H. Löw, Lehrer des hebräischen Faches an der hiesigen Musterhauptfchule, ignorirend intentiren wollte, und demzufolge bei den Verehrern des Herrn Löw die tiefste Entrüstung hervorgerufen habe. Ich mache es mir daher zur angenehmen Pflicht, hier öffentlich zu erklären: daß es mir nie in den Sinn kommen konnte, eine geschätzte Persönlichkeit, wie die des Herrn Löw. zu tadeln; ich wollte durch die oben citirten Worte lediglich constatiren, — daß das System der hiesigen, so auch der anderen Mufterschulen die Unterrichtszeit für's Hebräische den Anforderungen der Gemeinde nicht entsprechend anberaumen kann. Ein jedes mir zugemuthete Verschulden gegen Herrn Löw ist mithin in das Reich unlauterer Erfindung zu verweisen. Alexy Knopfler.