Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1865)
- Date
- 1865-11-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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684 Senney im Concessions-Decrete auf's Freundlichste den Wunsch hegt, die zu erscheinende Schulzeitung allwöchentlich selbst zu lesen, — und als ein erfreuliches Zeichen der Zeit ist es auch zu registriren, daß der hiesige Herr Obergespan und nunmehriger königl. Septemvir seine innigste Freude über die schnell erlangte Concession dem Herrn Fischer in Person aussprach. Gebe der allgütige Vater: daß auch dieses, insbesondere von der ungarisch-jüdischen Schulwelt gewiß freudigst begrüßte Unternehmen des Herrn Fischer, des uneigennützigen, rastlosen Arbeiters für Schule und Wissen, vom glänzendsten Resultate gekrönt werden l Neutra, im November. Nr. 43 des B. Chananja bringt eine anonyme Correspondenz aus Neutra, welche voll der brutalsten Jnvektiven, gegen achtbare Mitglieder unserer Gemeinde ist. Unser Ehrgefühl, wie der Ernst des Gegenstandes verbietet uns, mit gleicher Ironie die Feder zu führen, und würden wir überhaupt dieser Correspondenz ein verachtendes Stillschweigen entgegengesetzt 'haben, wenn der Korrespondent nicht so weit gegangen wäre, Thatsachen zu entstellen und zwei ehrenwerthe Personen in sein Lügengewebe zu verflechten, nämlich: den Herrn Obergespan unflres ComitateZ und den Rabbinatsverweser unserer Gemeinde. Die Achtung vor diesen Personen, wie die Liebe zur Wahrheit, legt uns, die zwar unangenehme Pflicht auf, nachstehende Berichtigung der Oeffentlichkeit zu übergeben. Seit wenigen Jahren zeigten sich auch im Schooße unserer Gemeinde neologe Bestrebungen, die wie allbekannt, in der Nachahmung und gedankenlosen Nachäffung ihre höchste Befriedigung finden. Die Orthodoxen, denen ihre Religion noch nicht zur Geschmacksache geworden, traten jedesmal jeder Reformirung innerhalb des im Jahre 5580 erbauten, nach altem jüdischen Ritus eingerichteten Gotteshauses auf's Entschiedenste entgegen. Um aber durchaus keinen Gewissenszwang, auf die sich freier bewegende, vom Zeitgeist ergriffene, modehuldigende Generation zu üben, erklärten sie sich, zu jedem materiellen Opfer bereit, auch ihrerseits zum Bau noch eines Tempels nach Maßgabe ihrer Kraft beizutragen, in welchem dann die sogenannte Fortschrittspartei ihre modernen Einrichtungen treffen könne. Dieser Vorschlag hat bis heute aus gewissen Gründen keinen Anklang gefunden. Der nimmerrastenden Neuerungssucht einiger Glieder unseres gegenwärtigen Vorstandes war es Vorbehalten, mit nie geahnter Arroganz am verflossenen Laubhüttenfeste mit Umgehung des Rabbinates in dem oben ermähnten Gotteshause Neuerungen einzuführen. Die in gemessenstem Tone von Seite der Orthodoxie dagegen gemachten Vorstellungen blieben vom Vorstande unbeachtet. Ara Sabbat rn2Oi Q"ki um 9Vr Uhr, vor Beginn des Gottesdienstes kam es zu Unruhe und Tumult; es war aber dieses durchaus kein von den '02 provocirter oder sogar planmäßig angelegter Lärm, wie der Neutraer Correspondent des B. Chananja angibt; die mißvergnügte Stimmung hatte schon ihren vollsten Ausdruck gefunden ehe noch einer der hiesigen 7n-> in's Gotteshaus kam. Da riefen, die in ihrem Rechte tief Verletzten, den Schutz und Beistand der Behörde an, reichten auch ein mit circa 100 Unterschriften bedecktes Bittgesuch beim Herrn Obergespan ein, der zu Gunsten der Petenten entschied und anordnete: daß, bis zur Austragung der Streitfrage von competenten Rabbinen, es beim Alten zu verbleiben habe. Dieses der wahre Sachverhalt des ganzen Vorganges. Unrichtig daher ist die Angabe der Resulotion des Herrn Obergespan im B. Chananja Nr. 43; unwahr, daß der Herr Obergespan mit unserem Rabbinats Substituten über diesen Gegenstand Rücksprache genommen; unwahr, daß der Nabbinats Stellvertreter die Neuerung gutgeheißen; unwahr, daß eine Masse pöbelhafter Menschen unter Anführung der .i-nn lärmend und tobend in die Synagoge gestürzt sei; unwahr ist es ferner, daß wir ooa Preßburg, oder vom Herzog von Jerusalem Hilfe erwarten. Wir erwarten vielmehr Hilfe und Beistand von dem König aller Könige, von dem Könige, der in aller Zukunft in Jerusalem residiren und alle Verirrten, und von Selbsttäuschung Befangenen aus den rechten Weg zurückführen wird. Bis dahin werden wir fortfahren, unsere gerechte Sache nut allen gesetzlich erlaubten Mitteln zu vertheioigen und unsere heiligen Institutionen vor jeder willkürlichen Neuerung zu schützen. Griechenland. Smyrrra. Ein Correspondent schreibt den „ArchioeS Jsraelites" daß der panische Schrecken der sich beim Ausbruch der Cholera verbreitete, so groß war, daß nur ein einziger Neligwnsgenosse Herr Jakob Gabbai — eine Privatperson, sich dazu yergab, die Kranken zu pflegen. Graf Benrivoglio, General konsul Frankreichs in dieser Stadt und Präsident des Wohlthätigkeits-Vereins that sehr viel für d-e Juden. Auch die barmherzigen Schwestern kamen zu Hilfe. Herr Leon Sidi und sein Sohn Alexander, reiche Kaufleute, verwendeten große Dummen für die Unterstützung der Armen. Das Elend war jedoch zu groß, um durch die Wohlthätigkeit Einzelner beseitigt werden zu können. Herr Gabbai unterrichtete Herrn James ».Rothschild von dem traurigen Zustande unserer Glaubensgenossen, der alsbald 200 Pfund Sterling überschickte. Herr Moses Montesiore spendete 50 Pfund und Herr Francis Goldschmidt 400 Pfund. Ais der Sultan hörte, daß die Juden hauptsächlich durch ihre ungesunden und schlecht ventilirten Wohnungen, unter der