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Der Israelit · 1865-11-15 · Heft 46 (15.11.1865) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 46 (15.11.1865)
Date
1865-11-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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682 Nebst den israelitischen Gemeinderäthen stimmten von den anwesenden 60 Christen kaum 10 zu Gunsten der Juden *). (Neue freie Presse). Lemberg, 28. Oktober. Der vom Lemberger Stadtrathe bei der Berathung des Lemberger Gemeindestatus gefaßte Beschluß, daß unter den 100 Mitgliedern des Stadtrathes die Israeliten nur 15 Vertreter haben sollen, wird von den polnischen Journalen einstimmig mißbilligt. Sie finden, daß diese, ungeachtet des Entgegenkommens und der mäßigen Ansprüche der Juden getroffene Entscheidung sowohl jeder rechtlichen Grundlage entbehrt, als auch unpolitisch sei, und zweifeln, ob dieser Paragraph in höherer Instanz unangefochten bleiben werde. Die „Gazeta Naradowa" sagt in ihrem Berichte über die Sitzung des Stadtrathes, daß dieser Vorgang ein dunkles Blatt in der Geschichte der Civilisation und des Fortschrittes dieses Landes bilden werde. In einem besonderen Artikel, den die „G- N-" diesem Gegenstände widmet, sucht sie aber das Unrecht des Gemeinderathes zu beschönigen und tadelt den von den israelitischen Vertretern selbst begangenen Fehler, indem sie ihr Separatvotum: „daß die Limitirung der Zahl von jüdischen Vertretern an und für sich unstatthaft sei," zurückgezogen. Die „Gazeta" meint, das sei aus Furcht geschehen, daß die christliche Bevölkerung bei den Wahlen die Juden gänzlich übergehen könnte. Einer solchen Gefahr könne aber von Seite der Juden leicht vorgebeugt werden, wenn sie mit der christlichen Bevölkerung sich zu assimiliren (?) trachten, dann werde ein Jude im Stadtrathe, dem aber auch Christen ihre Stimmen gegeben, mehr Einfluß ausüben, als 15 jüdische Mitglieder, die durch die Form der Zulassung gewissermaßen als aufgedrungen erscheinen und nicht den rechten Gemeinsinn haben können. (Neues Fremdenblatt). Mexico. Ein Decret des Kaisers Maximilian verkündet vollständige Emancipation aller Religionen in dem neuen Kaiserreich. Als man voriges Jahr in Oesterreich für den jungen Thron Soldaten warb, wurde kein Jude in die Reihen derselben ausgenommen. Der Kaiser scheint nun zu der Einsicht gekommen zu sein, daß er sich nicht von seinen bisherigen, fanatischen Rathgebern beherrschen lasten dürfe. Jeder Einwanderer erhält ein Stück Land angewiesen, und ist in den ersten fünf Jahren von der Militärpflicht befreit. Die Republik Mexico hatte weder für Juden noch für Protestanten die geringste Toleranz (I. Ehr.) Feuilleton. Mp Von tU. VeU»UR»U». Der geschieden zwischen heilig und gemein, Möge gnädig unsere Sünden all verzeih'n, La^ wie Sand am Meere Kind und Gut gedeihen, Wie die Sterne in der Nacht. Wie der Palme Schatten schwand der Tag dahin, Auf ruf ich zu Gott, in dessen Hand ich bin, Wenn der Wächter kündet, daß der Tag beginn,, *) Kündet er: „Und auch die Nacht!" - Gleich dem Berge Tabor steigt Dein Recht heran, — Schreite über meine Sünden rasch hinan! — Wie der Tag von gestern, wenn er abgethan, Wie die Wache in der Nacht. — Lange schon ist meines Opfers Zeit dahin! O daß meine Nuh' auf's neue ich gewinn,! Seufzend mach, ich müde täglich Herz und Sinn, Thränen fließen in der Nacht. Werde nur verworfen nicht mein betend Wort! Oeffne, Gott, mir Deine hohe Gnadenpforr'l Sieh, mein Haupt umdeckt der Thau, mein Schutz und Hort! Meine Locken — Naß der Nacht. O erhöre! Der Du furchtbar bist und hehr! Gib Erlösung! ist mein inniglich Begehr, In der Dämm'rung, wenn der Tag sich senkt in's Meer, In der Finsterniß der Nacht. Dich nur ruf' ich an, o Gott! so steh' mir bei! Wolle, daß des Lebenspfars ich kundig sei! Reiß mich los von tiefer Nolh und mach' mich frei! So am Tag', so in der Nacht. Aller meiner Thaten Flecken, Herr, entfern'! Daß nicht sprechen, die mich kränken allzugern, Wo der Gott sei, den ich nenne meinen Herrn, Dem ich singe in der Nacht. Unser Sein in Deiner Hand dem Thone gleicht, — So vergib denn, sei es schwer und sei es leicht! Also ruft's zu Dir, wenn Tag zu Tag verstreicht, Also ruft's von Nacht zu Nacht. *) Und trotzdem proclamiren sich die Polen bei jedem Anlässe als die besonderen Vorkämpfer der freiheitlichen Zeit-Ideen und fordern von dem liberalen West-Europa die speciellste Berücksichtigung I *) Vergl. Sanhedr. 94 ». Hierzu zwei Beilagea. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Sämellprefsendruck von I. GottSleben in Mainz.

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