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Der Israelit · 1865-11-15 · Heft 46 (15.11.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 46 (15.11.1865)
Date
1865-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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681 des Landtags entgegen und es wurde uns die zuverlässige Mittheilung gemacht, daß dann selbst der Kaiser mit Seiner erlauchten Familie hier mehrere Wochen weilen werde. Wir sehen auch einer vollständigen Emancipation der Juden entgegen, zumal da ein großer Theil der bereits erwählten Landtagsdeputirten zu der Klaffe der Judenfreunde gezählt zu werden verdient; doch läßt sich nicht in Abrede stellen, daß sich unter ihnen auch mehrere Männer mit minder freundlichen Gesinnungen für die Rechte der Israeliten befinden werden. So hörten wir jüngst durch das Programm eines, aus einer nahe bei Pesch gelegenen Stadt gewählten Deputaten, daß es sich derselbe zur Hauptaufgabe machen wolle, im Hause der Gesetzgeber allen Bekennern der herrschenden Religion allein alle Vorrechte einzuräumen. a-rd pNur» ^2». — Es sind leider noch Viele,'welche derartige mittelalterliche Ansichten theilen in unserem weiten Ungarlande, und noch größer ist die Anzahl derer, welche nur neidisch auf die bemittelteren Israeliten sehen können. Letzteres muffen wir umsomehr bedauern, da ein großer Tueil der gebildeten Stände zu ihnen gehört. Als der Häuier- und Güter-Ankauf dem Juden in Ungarn streng untersagt war, da hieß es allenthalben bei den Nichtisraeliten: „der Jude treibt Wucher und strebt nur dahin, sein Geld um hohe Zinsen zu verborgen." Jetzt, da der Ankauf unbeweglicher Güter dem Israeliten zum Theil gewährt ist, und da z. B. hierin größtentheils das Vermögen des wohlhabenden Israeliten in Zinshäusern besteht, welche kaum 4 o/o abwerfen, spricht wieder der Spießbürger stets mit dämonischer Ironie von einem Pesther Klein-Jerusalem*). Aber wir besitzen Gott sei Dank auch Verfechter unserer Rechte. Es sind die meisten politischen Journale in Händen unserer Glaubensgenossen, und wenn viele dieser Eigentbümer, Redaeteure und Mitarbeiter auch über ihr religiöses Leben vom orthodoxen Standpunkte aus wohl tadelnswertb sind, so bleiben sie dennoch mit Herz und Seele Jsrael-ten, auf welche wir immerhin gerne den Spruch: „rc.i dx->!L", anwenden, da selbe nie Anstand nehmen, gemeine Intoleranz mit aller Schärfe zu geißeln. — Und so hoffen wir auch, daß eine gar zu arge Reaction in unfern Tagen nimmermehr stattfinden wird, und daß endlich auch uns Israeliten in Ungarn die freundliche Sonne der vollständigen Freiheit und der ungeschmälerten Menschenrechte ausgehen wird. L. LemberH, 27. Oktober. In der gestrigen Gemeinderaths - Sitzung kam einer der heikelsten Paragraphen des projectirtl n Gemeindestatuts zur Verhandlung , nämlich der Paragraph über die Zahl der Christen und jene der Juden, welche im Gemeinde- *) Pelth zäblt heute über 40,000 Israeliten und ist demnach eine der größten Gemeinden Europa's, ja der Welt. rathe Platz nehmen sollen. Der Entwurf stellt die Zahl der Gemeinderäthe auf 100, wovon jedoch nur fünfzehn Israeliten sein sollen. Man war auf einen hitzigen Kampf vorbereitet, da es sich hier um die praktische Anwendung des vom Gemeinderache ausgesprochenen Grundsatzes der Gleichberechtigung handelte; daher versammelten sich die Gemeinderaths- Mitglieder in großer Zahl, und sowohl die Journalisten-Loge, wie auch beide großen Gallerien waren vom Publikum angefüllt. Die israelitischen Gemeinderäthe traten überaus reservirt und besonnen auf, und treu dem vor wenigen Tagen bei Beginn der Beralhungen über das Statut ausgesprochenen Vorhaben, alles Mögliche zu thun, um die Eintracht mit den christlichen Mitbürgern zu erhalten, verlangten sie wirklich nur kleine Conceffionen. Das Gemeinderaths- Mitglied und Lemberger Landtags-Abgeordneter Marcus Dubs (Israelit) setzte in einer, wie selbst seine Gegner eingestehen, schönen, correct polnisch gehaltenen Rede auseinander, warum die Juden eine vollständige Gleichberechtigung im Gemeinderäthe nicht einmal verlangen. Vor 47 Jahren, im Jahre 1848. ließ man uns — sagte er — zum erstenmale in diesen Saal hier ein. Für einen Menschen ist das eine lange Zeit, für ein Volk, für die Geschichte nur ein Augenblick. Langsam und stufenweise schreitet die Menschheit vorwärts. Das gegenseitige Mißtrauen läßt sich nicht wegdisputiren, dazu braucht man lange Zeit, es wird aber doch einmal dazu kommen, daß, wie ehemals jener Römer mit Stolz sagte: „Oivis rsmanus sum", auch der hiesige Jude wird mit Stolz sagen können: „Oivi8 loopolisusis 8UM". Der Redner stellte keinen präcisirten Antrag, er überließ es den Christen selbst, zu entscheiden, wie viele Israeliten verhältnißmäßig zum Gemeinderäthe zugelaffen werden sollten. Die Rede des Herrn Dubs wurde mit Applaus ausgenommen. In gleichem Sinne sprachen die israelitischen Gemeinderäthe, die Herren vr. Hönigsmann und vr. Landesberger. Herr Kolischer wies daraus hin, daß diese Ziffern, 85^ und 15, vor dem Gesetze unhaltbar sind. Von den christlichen Gemeinderaths-Mitglredern sprach am meisten und am reaktionärsten Herr Boezkowskk; er machte die Bemerkung, daß der Zeitgeist, auf den sich die israelitischen Redner beriefen, nicht vorwärts, sondern rückwärts schreite, und daß man gar nichts mehr machen könne, als was man gemacht hat, nämlich, daß man diesen 45 Israeliten Platz im Gemeinderäthe einräume. Unser Gemeinderath war leider derselben intoleranten Ansicht, denn alle zum Bortheile der wenigstens theilweisen Gleichberechtigung gestellten Anträge, ja sogar der von Herrn Wild, dem einzigen (!) christlichen Gemeinderaths-Mrtglied, welcher zu Gunsten der Israeliten sprach, gestellte Vermittlungsantrag, man möge nicht 15, sondern 48 Israeliten zum Gemeinderäthe zulaffen, wurde verworfen.

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