Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-11-15 · Heft 46 (15.11.1865) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 46 (15.11.1865)
Date
1865-11-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447238--03832-2459254
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

678 sen ihren Namen; sie waren vielmehr stolz darauf, die Angehörigen eines Volkes zu sein, das zuerst unter allen Völkern unseres Erdballs die Einheit Gottes erkannte und sie heute noch täglich proclamirt. Die Abkömmlinge des ältesten Kulturvolkes zu sein, das obwohl zerstreut nach allen Seiten der Windrose heute noch eine Literatur besitzt, wie sie keine andere Nation aufzuweisen hat, ist wahrlich keine Schande. Wenden wir uns zu einem anderen Theile unseres Themas. Fragt die Eltern und Erzieher unserer Jugend, was ihre Kinder lernen sollen. Die Antwort wird nicht ausbleiben. Der Vater verlangt Lesen, Schreiben, Rechnen, vielleicht auch etwas von den modernen Sprachen. Im günstigsten Fall, will er den Unterricht auf die Kenntniß der griechischen und römischen Schriftsteller ausgedehnt wissen. Die Mutter befürwortet das Erlernen von Mnsik, Tanz und all' den sonstigen Künsten des fashionablen Lebens. Wer von ihnen jedoch sagt, daß Hebräisch gelernt werden müsse? Wem liegt es am Herzen, daß die Kinder eine religiöse Erziehung genießen? Damit die Erziehung den verfeinerten Sitten der Jetztzeit entspreche, muß eine Stunde per Woche diesem Fache genügen. Wohl stimmen wir damit überein, daß die Kinder, womöglich Alles erlernen sollen; wenn Ihr jedoch der Jugend die Schönheiten eines Cicero, eines Homer, oder eines Plato zugänglich macht, warum wollt Ihr nicht von den verborgenen Schönheiten des Hebräischen den Schleier lüften? Diese Sprache hat Anziehungspunkte, wie sie keine andere Sprache aufzuweisen hat. Es sind dieselben Worte, durch die das Licht der Erkenntniß der Welt entgegenstraylte, die Sprache, in der die Propheten weissagten und unsere Richter urtheilten; steift die Sprache in der die Psalmen geschrieben worden, die selbst noch heute das Herz eines jeden gebildeten Manns, welchem Glaubensbekenntnisse er übrigens angehöre, erfreuen. Wie könnte man nun die hebräische Sprache eine todte, ein Ding der Vergangenheit, nennen? Daß unsere Vorfahren nichts Nachtheiliges von. einander sprachen, war der dritte Grund, dem sie ihre Befreiung von der Sclaverei verdankten. Welch' eine Veränderung bieten in dieser Beziehung doch unsere Tage zwischen denen des Alterthums dar. Auf allen Seiten hören und sehen wir Streitigkeiten und Hader an der Tagesordnung; sehr traurig ist es für den wahren Freund des Judenthums, solche Wahrnehmungen constatiren zu müssen! Einer kann nicht sehen, wenn der Andere in irgend einer Sphäre glücklich ist. Obschon er von dem Schaden seines Nächsten keinen Vortheil zu ziehen weiß, sucht er demselben oft aus bloßem Neide zu schaden. So lange solche Zustände unter uns herrschen, so lange noch Verleumdung und Anfeindungen gegen den guten Namen und die günstige Lage unserer Religionsgenofsen Vorkommen, können unsere Mitbürger nicht die Achtung vor uns haben, die das Judenthum seinen wahren Anhängern verschafft. Wenn einer unserer Glaubensgenoffen groß wird, wenn er des Lobes würdig wird, so laßt uns stolz sein, daß er zu uns gehört, daß er Jude ist. Laßt uns dann darnach streben, ihm immer mehr die allgemeine Achtung zu verschaffen, wenn nicht um seinetwillen, so doch um unseretwillen." Der Sprecher fährt noch weiter fort und schließt mit dem Vorschläge, die neu errichtete Loge möge das Ihrige zur Förderung und Hebung des Judenthums beitragen. Der Redner wurde häufig durch Beifallsbezeugungen unterbrochen; die ganze Rede wurde mit großem Beifalle ausgenommen. Die Juden zu Mainz im Mittelalter. (Fortsetzung.) XU. Die Märtyrer in den Jahren 1011 u. 1012. R. Am non. Die Opfer des fanatischen Erzbischofs von Mainz, Erkenbau oder Archambau, sind zahlreich. Denn von dem Augenblick an, als er 1011 von seinem Erzbisthum Besitz nahm, bis zur Austreibung der Juden aus Mainz wüthete er ununterbrochen gegen die Nachkommen Jacob's. Die Gesinnungen des Kaisers gegen diesen alten Stamm machten ihn dreist und ließen seine gewaltsamen Hinrichtungen ungehindert und unbestraft. Unter den vielen Märtyrern, die unser Memorbuch namentlich aufzählt, heben wir die drei bereits genannten Opfer hervor: R. Jehuda Ha-Gadol, R. Jsaac ben Abraham, der Proselyt, und N. Amnon. Der Erste war, wie wir Z XI bemerkt haben, ein College von R. Gerschom, R. Simon und R. Jehuda ha-Cohen. Dem Belege davon, aus Or Lerua II. 275, liegt ein Rechtsgutachten von R Elasar aus Worms zu Grunde, das im 2x1 -WO, Nr. 234, angeführt wird; nur hat sich dort ein Fehler eingeschlichen, den wir hier berichtigen wollen. Statt: R. Salomon ben Jsaaki (Raschi), muß es heißen: R. Simon ben Jsaac. N. Jehuda Ha-Gadol, der erste Märtyrer, war, wie leine Collegen, ein gelehrter Mann. Der Zweite wird in unserm Memorbuch II, 52 k, mit folgenden Worten genannt: p piiL' LU7N L/np bp uwx, „R. Jsaac, Sohn Abraham's des Patriarchen, der verbrannt wurde wegen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.