Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1865)
- Date
- 1865-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Amiens 1× ep/1044016
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662 Or Serua, II. Th. Nr. 275. Das Memorbuch zählt eine Menge Märtyrer auf, unter denen ein Christ, der das Judenlhum angenommen hatte und lebendig verbrannt wurde, und der berühmte R. Amnon, von dem wir im folgenden Paragraph ausführlich berichten werden. Die Verfolgungen wütheten zwei Jahre lang, bis der Kaiser 1012 einen Befehl erließ, daß die Juden von Mainz die Stadt verlassen sollten, wie die Quedlinburgischen Annalen, bei Pertz Norrumsvta Oermauias II. 81, erzählen: „1012 oxpulsio 3ucka6orurn laola sst a re^s(Il6vri6o) in UoAuvtia." Die Verbannung der Israeliten aus Mainz dauerte jedoch, Dank der Bemühungen des edlen R. Simon des Großen, nicht allzulange, und im Anfänge des Jahres 1013 kehrten sie bereits wieder in die Stadt zurück. Denn am 16. Schebat 4763, d. i. den 30. Januar 1013, ließ R. Gerschom seiner Gattin Bona eine Urkunde in Mainz ausstellen, daß ihre Ketubah abhanden gekommen sei. Es ist wahrscheinlich, daß R. Gerjchom's Frau das Instrument ihrer Ehepakten während der Verbannung verloren hat, und daß er darum bei der Rückkehr nach Mainz ihr ein neues ausstellen ließ, wie Or. Grätz m seiner Geschichte der Juden (fünfter Band) richtig bemerkt. Die dem Taufzwange unterlegenen Juden kehrten wieder in den Schooß des Judenthums zurück, und R. Gerschom schützte sie vor Beschimpfung, indem er den Bann über Diejenigen verhängte, welche ihnen den augenblicklichen Abfall zum Vorwurfe machen sollten. Siehe das Rechtsgutachten von Raschi an die Gemeinde Cabillon, pd2p >7ip, im'Ozer Nechmad H. 174 abgedruckt: ^2w 12 bp viwi) i)'2-> ii)w pni) 871' (-IQL? 'O'2 PVV)L/ 'Q O'8))1 O'21->7l) ->'211271 '1"I')2. Wir bemerken bei dieser Gelegenheit, daß p^>2p, Cabillon, ein Ort in der Picardie, drei Stunden von Amiens, ist und nicht Cavaillon in der Provence, wie S. D. Luzzatto übersetzt. Unter Denen, die dem Taufzwange unterlagen und das Christenthum annahmen, war auch R. Gerschom's eigner Sohn, dem es aber nicht vergönnt war, zum Glauben semer Väter zurückzukehren, denn er starb bald nachher. Der unglückliche Vater, der seinen Tod vernahm, trauerte sehr um ihn und beobachtete alle Trauerceremonien, wie sie um einen treugebliebenen Sohn gebräuchlich sind. -122171 riM2 iTi'Q ^28^) Ol^->) 1)'2->w PW12W '21 '->1OO '51POV 1)2, Or Serua n. Nr. 428 der neuen Ausgabe. Aus diesen eigenen Worten des R. Jsaac aus Wien geht deutlich hervor: daß die Taufe des Sohnes des R. Gerschom eine Zwangstause war und nicht, wie Einige aus den kurzen Worten des R. Me'i'r aus Rothenburg, Rga. Nr. 544: -isiwO w)i8)7>->2O2 21512 1)'21W 'S 5)81 1'vp V285i7lb 1'2"N P8 5112W O"i2p^> 2112 18 i'511'2 8512^'7> WP12W 1)2 1p ^>285171 O1W-» i>28 21^1) i)'2-> .-I^p 7>1)')8, und des Verfassers der Hagaot Ascheri, Moed Katon, Kap. 3, i)2 mn ->'v.nrr-2, schließen wollten, der Sohn des R. Gerfchom hätte freiwillig das Judenthum verlassen. Schon aus Mordechai, Moed Katon Nr. 1536, hätten sie das Gegentheil ersehen können, wie vr. Grätz, am angeführten Orte, ganz richtig bemerkt. Die Worte des Mordechai sind folgende: ->".1 'Sv -,'rw '2ii 2)128 1251^)^ 1)2 12851) 21L7-» 1)'22l^ 8)'11O j77M' 12P1 8171 8NPL 'V1O8b-> 1)VQ P8L^ 7I'b ">28 7121^512 21^^ 7121. Das heißt: „R. Meir hörte aus dem Munde des R Jsaac aus Wien, daß unser Lehrer Gerschom Trauer hielt um seinen Sohn, der seine Religion verlassen hatte. Er bemerkte ihm jedoch, daß man ihm nicht nachahmen solle, denn er hätte es nur aus großem Schmerz gethan, weil seinem Sohne nicht vergönnt war, vor seinem Tode Buße zu thun." (Fortsetzung folgt.) E. Carmoly. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., den 25. October. Die jüngst nach langen schweren Leiden zu Baden-Baden verstorbene und am vergangenen Sonntage auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe beerdigte zwanzigjährige Tochter des Freiherrn Mayer Karl v. Rothschild, Clementine, zählte zu den begabtesten der weiblichen Mitglieder dieses Hauses. Seit einer Reihe von Jahren krank, allen irdischen Freuden und Genüssen entsagend, konnte man dieses seltene jugendliche Wesen in der Thal eine „schöne Seele" nennen. Ihr ganzes Leben und Streben war ein rein ideales. Von einer verklärten Schönheit, von unbeschreiblicher Herzensgüte, angeweht vom weihevollen Hauche der Kunst, deren vorangeschrittene Jüngerin in Gesang und Malerei sie war, voll Wissensdurst, die Psalmen, ihr Lieblingsbuch, in der Ursprache lesend, genährt vom Geiste der englischen Literatur, waren Trieb und Sehnsucht in ihr beständig auf das hohe Ziel gerichtet, einst in That und Schrift eme Wohlthäterin der von Sorge gedrückten Menschheit zu werden, nach dem Muster ihrer Mutter von den ihrem Hause verliehenen Reichthümern einen heilsamen Gebrauch zu machen. Hinterlassene Briefe von ihr, die sie an eine christliche Freundin zur Rettung und Verherrlichung des Judenthums schrieb, geben das schönste Zeugniß von ihrer edlen Denk- und Gefühlsweise und lassen den frühen Heimgang der Trefflichen, die ihrem Reichthume zum Schmucke gereicht, doppelt bedauern. (Didaskalia.)