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Der Israelit · 1865-11-08 · Heft 45 (8.11.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 45 (8.11.1865)
Date
1865-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«§1 Israeliten ein Bruder: „Und so bei dir dein Bruder verarmt uud seine Hand wankt, so greife ihm unter die Arme, Fremdling wie Beisaß, daß er bei dir lebe." (Lernt. 25, 35.) „Wenn unter dir sein wird ein Dürftiger ..., so verhärte nicht dein Herz und verschließe nicht deine Hand vor deinem dürftigen Bruder." (Deuter. 15, 7.) Diese göttlichen Gesetze waren den Juden in allen Zeiten und in allen Ländern heilig und trugen nicht wenig bei zur Erhaltung des Judenthums mitten unter feindlichen Völkern. Was wäre in der That aus den Juden im rohen Mitielalter geworden, wenn die Wohlthätigkeit nicht ihre schützenden Flügel über die dürftigen Brüder ausgebreitet hätte! Die Mainzer Israeliten waren besonders von äußerst gulthätigem Herzen und religiösem Sinne; sie gründeten viele wohlthätige Gesellschaften, die alle Zeugnisse von der reinsten Menschenliebe, von der heiligsten Verbrüderung geben. Wir nennen hier blos vier davon: ri72ii, Verein für die Armen; 2^2.2 O'^122, Verein für die Kranken; 2122P2 ri'2 r>->22, Verein für das Begräbniß; und -iiQ'^ 2222, Kinderlehrverein. Der erste Verein theilte das ganze Jahr hindurch Brod unter die Armen aus, und an den Feiertagen erhielten sie auch Fleisch und Wein. Besonders wurden sie Ostern und Neujahr reichlich mit Speise und Trank versehen. Ja, die Fürsorge und Liebe des Vereins für die Armen ging so weit, daß er ihnen an jedem Festtage Lichter Vertheilte, damit des Abends ihre Freude nicht gestört werde. Statt Brod erhielten sie Ostern Weizen für ihre ungesäuerten Kuchen, aber kaum waren die Osterfeiertage zu Ende, so bekamen sie, gleich am Ausgang derselben, wieder Brod. Der zweite Verein war nicht allein für Arme, sondern auch für Bemittelte bestimmt. Denn er hatte zum Zwecke, die Kranken zu pflegen, ihre Familie zu unterstützen und sich überhaupt deren Interessen anzunehmen. Oft verwaltete der Verein des Kranken Geschäfte, jenachdem dieser durch seine Krankheit einem Schaden ausgesetzt war. Der dritte Verein hatte ebenfalls auch für Nichtarme seine Bestimmung, denn er sorgte nicht nur für die Beerdigung der Verstorbenen, sondern auch für die Beobachtung der sowohl hierbei als bei dem Sterben üblichen Gebete und des gewöhnlichen Rituals. Die Reinigung der Leiche, die Einkleidung und Einlegung derselben in den Sarg war ebenfalls der Berns des Vereins. Die Armen wurden ohne alle Gebühren beerdigt und der! Verein sorgte für die Bekleidung der Todten, für ihre! Särge, für ihre Grabmachung und ließ ihnen Grabsteine setzen. Die vierte wohlthätige Gesellschaft der Juden in Mainz, der Kinderlehrverein, hatte den Zweck, die Kinder der Armen, namentlich die Knaben, unentgeltlich im hebräischen Lesen, Beten und in der Religion unterrichten zu lassen, damit sie als tugendhafte und fromme Israeliten aufwachsen. Die Unterrichtsbücher wurden, wie oben ß IX berichtet, von der Gemeinde- Bibliothek geliefert; ob auch Schreiben ein Gegenstand der Kinderlehre war, ist nicht bekannt. Auf diese Veieine und noch andere dergleichen beschränkte sich aber nicht allein die jüdische Wohlthätigkeit in Mainz, sondern jedem Israeliten und besonders den Wohlhabenden und Einflußreichen unter ihnen lag es am Herzen, sein Geld und seinen Einfluß der ganzen Gemeinde und oft dem ganzen Volke zu weihen. Solche Wohlthäter der Judenschaft gab es in Israel in jedem Zeitalter und in jedem Lande; man nannte sie O'^22L', Fürsprecher, V> schirmer, und ihnen verdankt das Judenthum die Erhaltung und Rettung von Tausend und Tausenden ihrer Religionsverwandten. Unser Memorbuch feiert drei solche hochgeehrte Namen in Mainz: Mar Salomon und seine Ehegattin Rachel, die wir § V als die großmüthigen Käufer des israelitischen Friedhofs kennen gelernt haben, weil sie Verfolgungen der Juden hinderten und abhielten, 2'2 i^pn 222 2221 .22^ 212^.2 ibv2i 2122P.2, und Simon der Große, welcher sich um die Gemeinden bemühet und die Ausdehnung der Verfolgungen verhindert hat, ^12^2 '22 212'U ^21 21^2,7.2 212p 2222. XI. Die Verfolgungen der Juden in Mainz vor den Kreuzzügen. Die Verfolgungen der Israeliten zur Zeit Mar Salomon's und seiner Frau Rachel sind unbekannt, weil sie vielleicht gleich der ihrer Entstehung durch den Einfluß des edlen Ehepaares beseitigt wurden. Nicht so die Verfolgungen in den Zeiten N. Simon's des Großen, die sehr blutig waren und durch seine und des R. Gerschom ben Jehuda Büßlieder nur ollzubekannt geworden sind. Es waren förmliche Religionsverfolgungen, wobei Einige zum Christenthum übergingen und Andere den Märtyrertod litten. Diese letzten Verfolgungen, die vom Kaiser Heinrich II. ausgingen, der bekanntlich so bigott und den Pfaffen so ergeben war, daß ihn die Kirche in den Stand der Heiligen erhob, erhielten besonders in Mainz in den Jahren 1011 und 1012 eine blutige Wendung. Erkembaud, oder Archambaud, der neue Erzbischof von Mainz, war ein arger Judenfeind und ordnete eine Zwangstaufe an. Das erste Opfer seiner Wuth war R. Jehuda der Große, ein angesehener College von R. Gerschom, N. Simon und R. Jehuda ha-Cohen, Verfasser des Sefer Ha-Dinim: .2^>'O xu^O2 p-vn .221.2' ^22 21L722 1)'22 p-282 2VX 2'L22P^ ivxni .->"->2 f.22.2 .221.2' W221 P2L' <22 bl22.2 PP2W 1^'221 ,2^N!2 21KV W82 .2'.2^ bl2).2 .->-11.-1' '221 ll'^2.2 2LO.2WPW,

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