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Der Israelit · 1865-11-08 · Heft 45 (8.11.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 45 (8.11.1865)
Date
1865-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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660 krankten ist sehr groß. Am Ausgang des Sabbats im Hüttenseste wurden sieben an der Cholera verstorbene Glaubensgenoffen auf einmal begraben. O, Du allmächtiger Gott, vertilge nicht Dein Volk und Dein Erbtheil! Hungersnoth hast Du über uns verhängt, mit Ärmuth hast Du uns gestraft, o, wende doch ab von uns diesen fürchterlichen Tod; erfülle, was Du verheißen: „Und ich werde beschützen diese Stadt, ihr zu helfen". Heile die Kranken mit Deiner hilfreichen Rechten und verleihe Kraft und Ausdauer den Gliedern unseres Vereins, die ihr Leben wagen, Schlaf und Gesundheit opfern, um in die Häuser der Kranken zu eilen, wo nicht allein die fürchterliche Krankheit wüthet, sondern auch die entsetzlichste Ärmuth herrscht und die dunstige, verdorbene Luft die Gefahr vergrößert. Stehe Du ihnen bei und gib, daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein mögen, damit sie preisen Deinen heiligen Namen ohne Unterlaß. Leben Sie wohl! Gebe der Allgütige, daß ich Ihnen bald die besten Nachrichten mitlheilen kann, daß kein Jammer mehr herrscht in unseren Straßen. Ihr ergebener, auf Gottes Hilfe hoffender Joseph Ryblin. Leider sind die seitdem eingetroffenen Nachrichten Nicht erfreulicher. Fünf Tage später wurde das von uns bereits in voriger Nummer erwähnte Telegramm aufgegeben, das ein verstärktes Auftreten jener grauenhaften Krankheit meldete. Möchte es uns wenigstens gelingen, durch materielle Hilfeleistung und wiederholte Spenden das Elend zu lindern, das die Krankheit nur befördert. Menschen, die Wochen lang nur von schlechtem Brode leben, das „den Hunden zu schlecht sein würde", sind natürlich der Epidemie eine leichte Beute. Es ist zwar mit großartigem Liebeseifer gespendet worden, aber der folgende Ausweis wird zeigen, wie wenig damit noch geschehen konnte. Es sind bis jetzt vom Centralcomits in Amsterdam 64,000 Gulden (36,000 Thaler) nach Palästina gesandt worden; hievon erhielt Jerusalem 31,000 fl., Zephat 15,000 fl., Hebron 9 000 fl, Tiberias 9,000 fl. In Jerusalem wurden an 4516 Personen Spenden ausgetheilt, so daß also durchschnittlich auf einen Einzelnen nicht ganz 7 fl. (4 Thaler) gekommen sind. Nun sind allerdings in England nahe an 36,000 fl. und in Frankreich 12,000 fl. gesammelt; schlagen wir die von den drei ungarischen Rabbinen gesammelten Summen ebenfalls auf 12,000 fl. und das in Holland und Deutschland bereits gesammelte und noch nicht nach Palästina gesandte Geld auf 10,000 fl. an, so ergibt das noch einmal eine Summe von 64,000 fl., eine Summe, die leider noch immer nicht hinreicht, die fürchterliche Noth auch nur einigermaßen zu lindern! Wir müssen bei dieser Gelegenheit unseren reichen Glaubensgenoffen in's Gert ö wissen reden. Die großes Lerer« eingegangenen Summen sind fast sSmmtlrch von dem Mittelstände, ja von den Unbemittelten gespendet. Die größten uns bekannt gewordenen Gaben sind: 500 fl. von Herrn Hofbanquier Ignatz Deutsch in Wien, 450 fl. von einem Ungenannten in Deutschland, 175 fl von Herrn Perlstein in Copenhagen, 100 Pfund Sterling von Sir Moses Montefiore in London. Wir berichteten unlängst, daß das Banquier-Haus H. C. Plaut in Berlin am Jahrestage seines 50jährigen Bestandes 30,000 Thaler den Armen ohne Unterschied der Confessio» gespendet; es gibt G. s. D. noch viele solcher Häuser, die Gott reich mit materiellen Gütern gesegnet hat — warum haben wir von keiner wirklich bedeutenden Gabe zur Linderung der entsetzlichen Noth in Palästina gehört? Ob unser Wort zu den Ohren jener Fürsten unter den Kaufleuten gelangt? Wir können das mit Bestimmtheit nur von Einem sagen, von dem wir mit ebensogroßer Bestimmtheit wissen, daß er bei jeder Gelegenheit seine Pflicht thut — aber wir bitten unsere geehrten Leser, denen es möglich ist, mit dem „Israelit" in der Hand die Reichen und Reichsten unseres Volkes auszusuchen und sie auf unser Mahnwort aufmerksam zu machen. Wie glücklich würden wir uns schätzen, wenn wir ein Dutzend Gaben von je 10,000 Thalern zu verzeichnen hätten — dann könnte Ersprießliches geschehen und der großen Noth mit einem Male abgeholsen werden. Unterdeß aber wollen wir Andern unsere Hand nicht sinken lassen und in der Ausübung unserer heiligen Liebespflicht nicht ermüden; wir haben gesehen, daß verhältnißmäßig kleine Gaben doch zu einer Höhe von über hunderttausend Gulden angeschwollen sind. Mögen Diejenigen, welche geg ben haben, noch einmal geben, Diejenigen, welche gesammelt haben, noch einmal sammeln. Wir selbst wollen damit den Anfang machen und zu den bereits gespendeten 25 fl. noch 25 fl. hinzufügen. — Möge der allgütige Gott Sich unserer unglücklichen Brüder erbarmen und alle Diejenigen, welche herzlich und thätig Antheil nehmen an den Leiden der heiligen Stadt Jerusalems, deren Wiederaufbau, deren Freude und Glanz schauen lassen, Amen! — Die Juden M Main) im Mittelalter. (Fortsetzung.) X. Die wohlthätigen Gesellschaften. Die Wohlthätigkeit ist eine Haupteigenschaft des Judenthums; keine andere Religion hat so schöne und heilige Lehren der Gutthätigkeit. Der Arme, sei er ein Fremdling oder ein Einheimischer, ist für jeden

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