Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1865)
- Date
- 1865-11-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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K. Jahr LS. cr Israelit. Ein Central-Orga« für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von Dl». Lehmann in Mainz. Mainz, den 8. November 5626 (1865). / Die Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 11/2 Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thlr. pr. C. oder fl. 9. 8V kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte Frankozusendung unter Streifband pro Jahrgang 3 Thlr. pr. C. oder 6 fl. Österreich, an die Expedition franko einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel: Die Cholera in Jerusalem. — Die Juden zu Mainz im Mittelalter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. München — Oester r. Kaiser st.: Wien. S. a. Ujhely. — Frankreich: Paris. — Südamerika. Feuilleton: Ein Besuch auf dem alten jüdischen Friedhofe zu Berlin. — Anhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenze»: Italien: Rem. Mantua. — Feuilleton: Simon, der Sohn Schrtach'L und die achtzig Zauberinnen bei Aekalon. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden zur Linderung der Hungersnoth in Palästina. — Bau jüd. Armenu. Ptlgerwohnungen in Jerusalem. — Spenden für die Armen des hl. Landes. — Leitende Artikel. Dir Cholera in Jerusalem. Wir haben bereits in voriger Nummer mitgetheilt, daß in Jerusalem leider die Cholera mit erneuter Wuth ausgebrochen; diese Nachricht war uns auf telegraphischem Wege zugekommen; ünterdeß haben wir briefliche Mittheilungen erhalten, die wahrhaft herzzerreißend sind: Herr Joseph Ryblin in Jerusalem, Agent des Centralcomitä's zu Amsterdam und zugleich Mitglied des neugebildeten Vereins zur Rettung der Cholerakranken, schreibt: „Jerusalem, den 23. Tischri (13. Oct.) Die Schleusen des Himmels sind geöffnet, um über die heilige Stadt Noth und Unglück auszugießen. Ach,! unsere Festtage sind in Trauer und unsere Freuden-! zeit ist in Klage und Trübsal umwandelt, und wie der-! einst unsere Voreltern in diesen Festestagen (li'2 .-inr-riL'.-i) ob der Freude zu schlafen verfaßen, so müssen wir in Trauer und Elend, uniem Schlaf opfern, um den unglücklichen Cholerakranken beizustehen. Leider ist diese furchtbare Krankheit auf's Neue hier ausgebrochen, aber nur in Jerusalem, während ganz Palästina und sogar die Umgegend von Jerusalem verschont blieb. — Ich will Ihnen Einiges aus den Erlebnissen unseres Vereines mittherlen: Gestern Abend wurden wir zu der an der Cholera erkrankten Frau des Rabbi David Mischows gerufen. Die Familie dieses Mannes, aus sechs Personen bestehend, hatte seit langer Zeit nichts als Brod gegessen; weder Fleisch noch Gemüse halten sie die ganze Festeszeit erschwingen können; und dieses Brod war so schlecht, daß es selbst ein Hund verschmähen würde. Als ich das erfuhr, Überflüssen meine Augen von Thränen, und ich beeilte mich, für die Unglücklichen auf Rechnung der noch von Europa zu erwartenden Unterstützungsgelder zu borgen. Durch die von uns angewandten Mittel und durch den Genuß besserer Nahrung wurde denn auch die Frau gerettet. — Von da aus eilten wir zu einer anderen Frau, deren Sohn Tags zuvor gestorben war; auch sie war rettungslos verloren. Sodann erkrankte ein 32jähriger Mann, der Mitglied des Rettungsoerems gewesen war; er starb nach wenigen Stunden. Unmittelbar darauf erkrankte ein anderes Mitglied desselben Vereins, ein 29jähriger Mann, der noch bis drei Uhr in verflossener Nacht bei dem Liebeswerk der Hilfeleistungen für die Kranken thätig mitgewirkt hatte, um alsbald seinen Geist auszuhauchen. — Die Zahl der Leicht- und Schwerer- 1