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Der Israelit · 1865-11-01 · Heft 44 (1.11.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 44 (1.11.1865)
Date
1865-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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654 Irland. Die Anzahl der in Irland lebenden Juden ist sehr gering. Nach dem Census von 1861 beläuft sich ihre Anzahl auf 393 Seelen. Von diesen leben 324 in Dublin. Canny Ulster zählt 52. In Munster lebt nur ein Ehepaar; in dem betriebslosen Connaught ist das Judenthum nur durch einen Klausner vertreten. In Dublin in der Mary's Abbey ist eine Synagoge, an der ein Geistlicher und ein Vorbeter fungiren. Die Juden sind bei ihren Mitbürgern recht gut angesehen. (The Clerical Journal.) Australien. Die Pai Maori, eine menschenfressende Race Australneger, tödteten unlängst den christlichen Missionär Carl Sylvius Volkner und verzehrten den größten Theil seines Körpers; den Rest behielten sie als Trophäe, um sie in der Kirche, in der dieser Unglückliche früher predigte, aufzustellen. Einem anderen Missionär, Namens Grace, stand ein gleiches Schicksal bevor. Zu dieser Zeit kreuzte in den dortigen Gewässern die Eelipse, ein Schooner Ihrer brittischen Majestät der Königin von England, dessen Capitän einer unserer Glaubensgenossen Namens Levy war. Wenn bei einer Landung der englischen Seesoldaten die Mannschaft von den Eingeborenen überfallen wurde, und nur durch die größten Anstrengungen vor der Gefangenschaft und vielleicht gar dem Ausgefressenwerden sich rettete, so verkehrte der muthige Capitän später fast ohne alle Bedeckung mit den Negern, die behaupteten, sie feien etwas mit dem heiligen Volke Israel verwandt. Die Eclipse nahm den dortigen Bischof, der für sein Leben gerechte Befürchtungen hegte, an Bord und segelte einen Fluß entlang, um Herrn Grace, der von den in der Nähe wohnenden Negern in Gefangenschaft gehalten wurde, zu befreien. Mittlerweile hatte man von Auckland Landtruppen requirirt, die sich an Bord des Schooners befanden. Am 17. März dampfte Ihrer Majestät Schiff, die Eclipse, auf der Höhe von Opotiki. Die Seeleute gewahrten plötzlich eine Anzahl Neger, die wahrscheinlich hier eine Berathung abhielten, in der Nähe war auch Herr Grace, bewacht von einigen bewaffneten Frauen. Obschon Oberst Freemantle seine ganze Energie gebrauchte, um einige seiner Blau-Röcke zu bewegen, den Unglücklichen durch eine Landung zu zu retten, und obschon der Bischof Williams bedeutende Summen den Rettern anbieten ließ, so war doch Niemand dazu zu bewegen. Da entschloß sich Capitän Levy, begleitet von seinem Bruder und einer Anzahl Theerjacken ein Boot auszusetzen, und das Wagstück zu unternehmen. Die kühnen Seeleute näherten sich dem gefährlichen Ufer. Unbemerkt von seiner Wache wurde Herr Grace in'S Boot genommen, mit Segeltüchern bedeckt und fort gings. Plötzlich schlugen die Frauen Allarm. Die versammelten Männer liefen dem Strome zu und feuerten auf das Boot. Dieses ruderte jedoch unversehrt der naheliegenden Eclipse zu, in deren Kielwasser es bereits war. Der Auckland Correspond ent der „Times" berichtet: „Bei seiner Rückkehr nach Auckland veröffentlichte Herr Grace einen Brief, in dem er sich mit dem Apostel Petrus vergleicht, und mit überschwänglicher Dankbarkeit von Allen spricht außer von — Herrn Levy, dem Juden, dessen Name nicht erwähnt ist. Die öffentliche Meinung zu Auckland, ungehalten über diese Undankbarkeit, veranlaßte Herrn Grace zu der unsinnigen Erklärung, daß er den Namen seines Retters vergessen habe! Das Publikum zu Auckland überhäuft jedoch Herrn Levy mit Beifallsbezeugungen für seinen Edelmuth. Asien. Herr Vambery in seinen Reisen in „Central Asien" sagt, daß in dem Theile der Dartarei, den man Groß Bokhara nennt, viele Juden wohnen. Hier herrscht vollkommene religiöse Freiheit. In der Hauptstadt Bokhara bewohnen die Juden einen besonderen Stadttheil und gelten bei den Bürgern als die ältesten Einwohner der Stadt. Man sagt, daß sie von den Juden abstammen, die in Babylon lebten. Als Auszeichnung tragen sie eine Art polnischer Mütze auf ihrem Haupt und einen Gurt um ihre Lenden. Die Hindu's mit ihren tätowirten Stirnen und gelben Gesichtern könnten in den größten Reisfeldern als Vogel scheuche dienen, während der Jude mit seinem edlen elastischen Gesichte und seinen schönen Augen dem ersten Künstler als ein Modell männlicher Schönheit dienen könnte. (I. Chr.) Feuilleton. Gin Besuch aus dem alten jüdischen Friedhafe zu Berlin. Von Kerum» 4n6ob^. (Aus dem „Hebrew". *) Die Beschäftigung mit den Werken Moses Mendelsohn's erregte schon lange in uns den Wunsch, die Stätte aufzusuchen, an welcher die irdische Hülle des großen Philosophen den ewigen Friedm schläft. — Ein herrlicher Frühlingstag voll sonnigen Maienglanzes war über Berlin aufgegangen; durch die Straßen wogten die Schaaren festlich gekleideter Spaziergänger, *) Anm. der Red.: Wir ersuchen die verehrltche Redaktion des „Hebrew", daß sie, wenn sie unserer Zeitschrift Artikel entlehnt, das Wort „Israelit" gefälligst ausschreibe, weil sonst Herr Phtltppson mit der unkenntlichen Signatur „I" seine Plagiate bemäntelt. —

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