Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-11-01 · Heft 44 (1.11.1865) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 44 (1.11.1865)
Date
1865-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447236--03802-2459222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

652 Reformgemeinde hier in's Leben zu rufen, nimmermehr wieder auftauchen würde. Doch hierin haben wir uns getäuscht. Die Gesellschaft hatte nur den ersten Plan aufgegeben, aber an einem neuen viel glücklicheren wurde im Stillen gearbeitet, und dieser war wirklich ein trefflicher und gelungener. Heimlich schlich sich diese ganze Partei einer nach dem andern in die Gemeinde ein, der Vorstand, nichts Arges ahnend, nahm sie auf wie einst uviri' die Gibeonim, und als sie nach sechs Monaten stimmberechtigte Mitglieder wurden, da machten sie aus ihrem Vorhaben kein Hehl mehr, traten offen auf, denn zu ihnen schlugen sich alle Väter, deren Kinder vr. Jllowy die Aufnahme in das Judenthum nicht gestatten wollte, alle Freunde der und die vr. Jllowy in Bezug auf ihr Amt unfähig erklärt hatte, und alle jene, die sich vom Beginne an als Reformfreunde erklärt hatten. Sie haben nun die Mehrheit, können mit unserer Synagoge machen, was sie wollen, und brauchen keinen neuen Tempel. Ihrem Zwecke sich immer mehr annähernd, suchten sie vor allem den, dem alten Judenthume treulich anhängenden Vorstand durch Kränkungen und Beleidigungen aller Art zur Abdankung zu veranlassen, und als das wirklich geschehen war, hatten sie einen freien Spielraum. Sie wählten sich einen Vorstand aus ihrer Mitte, der sie auf die Verwirklichung aller ihrer eitlen Träume zu hoffen berechtigt. I)r. Jllowy, der fein Gewissen nicht für ein Stück Brod verkauft, sab ein, daß er in einer Gemeinde, die eine solche Mehrheit hat, nicht mehr nützlich sein kann und reichte noch an demselben Tage, als der neue Vorstand gewählt wurde, trotz der viel'.n Bitten seiner Freunde, seine Resignation ein, die von der Reformpartei ohne Einwendung angenommen wurde. Es ist noch nicht gewiß, daß Vr. Jllowy die Stadt verlassen wird, indem er hier Grundstücke hat, die jetzt schwer zu veräußern sind; sollte er aber ja Weggehen, so würde der Schlag für die Orthodoxie ein sehr herber sein. Herr Wise aus Cincmnatti hatte kaum die Abdankung des Herrn vr. Jllowy vernommen, als er sich mit den wärmsten Liebesäußerungen an die Gemeinde wandte; er hatte überdies die Kühnheit, der Gemeinde mit seinem wohlmeinendem Rath zuvorzukommen und ihr auf die unverschämteste Weise eine neue Platform (Grundlage, Constitution) zu empfehlen, die ich hier wortgetreu folgen lasse. „Auf dem Programm dürfte stehen: eine Religionsschule, die für einen gründlichen hebräischen Unterricht sorgt, Chor, Orgel und Familiensitze in der Synagoge, Einführung des „Minhag Amerika (?!)," des dreijährigen Cyclus, der jährlichen Consirmation, Abschaffung des Aufrufe«-, der Ehrenbezeugungen im Gotteshause u. s. w. Das Programm sollte auf einmal das Ganze enthalten, um mit einem Schlage fertig zu werden. Ich bin immer bereit, den Freunden des Fortschrittes zu dienen und biete meine Dienste auch den Freunden in New-Orleans an." Sie werden aus derselben ersehen, daß Herr Wise nebst seinem Eifer für Unglauben, dennoch der Gemeinde Glauben an sein Gebetbuch ttp'-ipvx einzuflößen sich bemüht; freilich das bringt viel Geld, darum müssen alle werden, nur der muß bleiben. Doch dießmal hat sich der große Speculant verrechnet; in New-Orleans sitzt der Grundstein, den vr. Jllowy gelegt hat noch viel zu tief und zu fest im Boden, ihn wird vr. Wise trotz Allem, was vorgefallen, nicht so leicht verrücken können. Indem ich meinen Bericht schließe, erlaube ich mir noch zu bemerken, daß ich seit dem Jahre 59 bis zum Ausbruche des letzten unseligen Streites Präsident der in Rede stehenden Gemeinde war und habe die Ehre mich zu nennen Euer Ehrwürden Ergebenster I. Friedländer. O st i n d i e n. Ceylon. Der „Colombo Overland Observer" der die Abreise der Herren Worms von der Insel meldet, widmet unseren würdigen Glaubensgenossen einen eigenen Artikel, aus dem wir folgenden Auszug wievergeben: „Herr Moritz Worms wird in Pusilva ebensosehr vermißt werden, wie Herr Gabriel Worms in Colombo. Diese Herren nahmen, trotz der vielen Anstrengungen in ihren eigenen, bedeutenden Geschäften regen Antheil an allen öffentlichen Angelegenheiten. Herr Gabriel Worms hatte schon, ehe noch das brittische Parlament seinen Vetter, den Herrn v. Rothschild, ausgenommen hatte, einen Sitz in dem gesetzgebenden Körper unserer Insel. Wir erinnern uns noch, daß er bei seiner Eidesleistung den Kopf bedeckte (wie dies bei den Juden Sitte ist). Die Herren Wormser machten in ihrer großartigen Wohlthätigkeit keinen Unterschied zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen. Um so größer wird dos Bedauern sein, wenn diese Edlen uns verlassen, um ihre Tage in England zu beschließen. Alle Ehre und Respect vor denjenigen, die ihr Werk vollbracht und zwar ausgezeichnet vollbracht haben, nun die wohlverdient Ruhe genießen, während wir und andere noch müssen Io labour auä to Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Vertag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf- Sümellpressendruck von I. SottSleben in Mairy.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.