Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-11-01 · Heft 44 (1.11.1865) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 44 (1.11.1865)
Date
1865-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447236--03800-2459220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

650 geklagt wird, fügt selbst vr. Philippson die Bemerttrng bei, daß „Emolumente für Leichenbegängnisse gänzlich unjüdrsch sind «nd daß in der jüdischen Gemeinde das Princip der Gleichheit niemals bloß aus dem Papiere stand, und man sich hüten muß, es zu verwischen." Der Reform-Redacteur bat sich damit zu den Grundsätzen der Orthodoxen in Hohenbuch emporgeschwungen, wie sie in den Z. II., IV. und VI. der Denkschrift dieser Jsraelitenversammlung aufgestellt und motivirt, und im Punkt V. S. 33—63 der nfwin beleuchtet worden. — Diese Accidentiensucht z. B. bei Leichen, Confirmalionen, Aussegnungen, Beschneidungen rc. ist auch der Grund, warum manche Rabbiner in Württemberg selbst Kinderleichen, auch wenn diese kaum das bsi- Aller überschritten haben, mit Talar und Baret und sogar per Chaise begleiten und die Gebete um die Taxe vorlesen, die jeder ieiL" ohnehin zu beten verpflichtet ist. Der Eifer ist dabei so blind, daß dabei die Vorschriften des i"', der für Beerdigung von Kindern größere Einfachheit vorschreibt, sondern auch die Synagogenordnung, auf die man sich sonst zu Reformzwecken so gerne beruft, außer Acht gelassen wird, welche den Rabbiner oder Vorsänger zur Begleitung nur solcher Leichen verpflichtet, die „confirmirte" Personen waren. Allein unsere jungen Fortschritts-Rabbiner sind toleranter und versagen ihre priesterliche Weihe keinem Judenkind, es mag.confirmirt, geschult, gejüdischt sein oder nicht, ip m 2LO irr sagte jüngst ein Witzkopf, ivu '2 wenn's nur gebiert, d. i. Gebühren bringt. — Gelingen, 18. October. Ihre Majestäten der König und die Königin trafen heute Nachmittag hier ein, woselbst HöchstJhnen ein festlicher Empfang bereitet war. Auch das israelitische Waisenhaus hatte sich eines Besuches der Majestäten zu erfreuen. Dieser Anstatt, Wilhslmspflege genannt, war es auch in dem abgelaufenen Verwaltnngsjahre pro 1864/65 wiederum vergönnt, ohne Störung und Trübung ihre Aufgabe in vollem Maße zu erfüllen. Die Gaben flössen so reichlich, daß dem Grundstaatsvermögen abermals ein erheblicher Betrag anwuchs und jetzt dieses 58,746 fl. 1 kr. beträgt. Se. Majestät, der höchstselige König Wilhelm, ebenso sein erlauchter Sohn, der regierende König Karl und dessen erhabene Gemahlin und die Königin-Mutter haben die Anstalt mit hulvvollen Geschenken bedacht. Möge mit dem materiellen Wachsthum auch der jüdisch-religiöse Geist der Anstalt gedechen und zunehmen! Hellbraun a. Nt. Durch das hiesige Cornitö, das sich zur Empfangnahme von Gaben für die Hungernden in Jerusalem alsbald gebildet hatte und aus den Herren Lehrer Löwenstein, Gebrüder Gumbel, I. Strauß Sohn und L. Eisig bestand, sind nun an Herrn Deutsch in Wien im Ganzen 437 fl. 14 kr. abgesandt worden. Herr Rabbiner vr. Engelbert hat die ihm von den Bezirksorten zugekommenen Gelder, im Betrage von etlichen Hundert Gulden, von hier aus durch Herrn I)r. Lehmann in Mainz nach Amsterdam befördern lassen. Rühmlich muß hervorgehobcn werden, daß die Redaktion unserer „Neckarzeitung" zu Gunsten der Nothleidenden auf die namhaften Jnserationskoften für Ausrufe und Empfangsanzeigen verzichtet hat. ib'Zi nn iriQw England. Wtanchester Ein hiesiger Kaufmann starb neulich und vermachte der „Jews School" in Cheetham Hill 300 L. Außerdem verschenkte er an 8 Synagogen und israelitische Hospitäler einem jeden ein Legat von 50 L. (Jllustrated News.) Palästina. Aus Jerusalem geht uns auf telegraphischem Wege die traurige Mittheilung zu, daß daselbst am 18. October die Cholera leider mit erneuter Wuth wiederum ausgebrochen ist. Gott schütze unsere bedauernswerthen Brüder! — Amerika. San Francisco. Höchst erfreulich ist die Nachricht, die uns der „Jewisch Messenger" bringt, daß die Israeliten in San Francisco beschlossen haben, mehrere Freischulen, in denen israelitischen Kindern eine religiöse Bildung beigebracht werden soll, zu errichten. Dieser Vorschlag, der vorigen Sommer nach der Neuwahl der Gemeinde-Aeltesten gemacht wurde, fand einen so allgemeinen Anklang und wurde so energisch betrieben, daß schon am ersten September eine dieser Schulen eröffnet werden konnte. — Es ist dieses ein guter Beleg für das Wiedererwachen des religiösen Sinnes unter unseren Brüdern am stillen Ocean. Möge die Hauptstadt Californikns auch Andere darauf aufmerksam machen, daß die Interessen unserer heiligen Religion es erfordern, daß man energischer in dem Gebiete der jüdischen Jugenderziehung handeln müsse, wenn nicht Religionslosigkeit eintrelen soll. New-Orleans, den 29. August. Geehrter Herr! Obschon ich nicht die Ehre habe, mich zu Ihren Correspondenten zu zählen, so erlaube ich mir dennoch, Ihnen über die plötzlich erlittene Umwälzung des Synagogenwesens der hiesigen deutschen Gemeinde, einen kurzen Bericht zu erstatten; obgleich derselbe gar nichts Erfreuliches für die gesetzestreuen Leser Ihres geschätzten Blattes enthält, so mag er doch Insofern nützlich sein, daß er Gemeinden und Religionsgesell-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.