Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1865)
- Date
- 1865-10-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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636 1) ein sehr schöner rother Seidensammt-Vorhang von Herrn Weinhändler Moritz Hirsch in Mainz; diesen Vorhang hat dessen Tochter, Fräulein Bertha Hirsch mit Krone und Inschrift sehr hübsch gestickt, 2) ein sehr hübsches Thoramäntelchen mit zum Segen ausgestreckten Priesterhänden in Goldstickereien und Inschrift in Silber von Herrn Banquier Joseph Hirsch, junior, in Mainz, 3) eine große silberne Hand von Herm Salomon Levi in Mühlheim an der Ruhr. Diese Feier wird bei uns noch lange im Andenken bleiben. Die Nationaltugend der Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen hat sich hier wieder glänzend bewährt. Sehr zu wünschen wäre es, wenn uns auch Unterstützungen zur Anschaffung einer neuen Thorarolle, — wozu uns noch der größte Theil des Geldes fehlt, — zugingen. Herr Vorsteher L. Heymann hier ist bereit, dieselben entgegenzunehmen. — Eine neue Sepher Thora ist das größte Bedürsniß für uns, indem wir nur eine, und zwar eine alte besitzen, an welcher schon öfter Verbesserungen vorgenommen werden mußten. Da Jeder gern zu einer Sepher Thora gibt, so hoffen wir zu Gott, daß diese unsere Bitte beherzigt werde. Oesterreichischer Kaiserstaat. MiSkolcz , den 16. October. Mit innigster Freude haben wir die ergiebigen Resultate Ihres herzdurchdringenden Aufrufes für in Ihrem geschätzten Blatte gelesen. Ich kann Ihnen nun auch die freudige Mittheilung machen, daß Ihre ergreifenden Worte auch hier nicht leer verhallten, vielmehr tief beherzigt wurden. So hat der hiesige hochgeschätzte rühmlichst bekannte Herr Rabbiner riVv Fischmann '"2, angeregt von Ihrem Aufrufe, wie auch von dem Circular der ehrwürdigen Rabbinen zu Preßburg, Unghar und Eisenstadt, am ersten Tage des h. Rosch- Haschonafestes in der neuerbauten und am zweiten Tage in der alten Synagoge mit herzergreifenden Worten seine Zuhörer zu einer Collecte für die "2p angefeuert. Alles war gerührt, als der edle Greis mit nassen Augen die Noth und das Elend der armen Glaubensbrüder im heiligen Lande schilderte. Gleich nach gingen zwei würdige Gemeindeglieder von Thür zu Thür der hiesigen israelitischen Einwohner und sammelten 450 fl. ö. W. zu diesem hochheiligen Zwecke. Es möge dies den Herrn Rabbinen, die es bis jetzt noch unterließen, mit Wort und That diese heilige Sache anzuregen, zum schönen Beispiel dienen. A. Friedmann. Afrika. Tunis. Im Laufe des verflossenen Sommers versprach der erste Minister zu Tunis den Juden, ihre während der Unruhen im vorigen Jahre geraubten Güter zurückzuerstatten. Der Minister wurde von dem Regenten, der human gegen Israeliten sein soll, dazu veranlaßt. Die Regierung wußte zu diesem Zwecke die betreffenden Muhamedaner mit 5 Millionen Frs. zu bestrafen. Der den Juden zugefügte Schaden wurde von ihnen detaillirt und beläuft sich im Ganzen nach ihrer eigenen Angabe auf 960,000 Reale (1 Reale — ^3 Fr.). Hauptsächlich wurden die Bewohner von Rhabel und Syrba arg heimgesucht. Der Ober-Befehlshaber der Armee in den Ost-Provinzen ließ die Vorsteher der Juden durch einen Kriegsdampfer in sein Hauptquartier bei der Stadt Gabas bringen. Vierzig Vorsteher und Rabbinen der jüdischen Gemeinden ließ er nebst den Vorstehern der Muhamedaner vor sich kommen. Der General verlangte zuerst von den Juden, daß sie ihm das Verzeichniß aller geraubtenGegenstände überreichen sollten. Diese erwiederten darauf, daß sie ein ausführliches Verzeichniß nicht bei sich, sondern in der Hauptstadt Tunis hätten, den Betrag des geraubten Cigenthums hätten sie jedoch, sorgfältig aufnotirt, bei sich. Der Feldherr verlangte nun, daß ein Jeder den Namen desjenigen Muhamedaners angebe, der ihn beraubt habe. Da nun die Plünderung am Jom Kippur stattgefunden hatte, wo sich fast alle jüdischen Bewohner in den Synagogen befanden, und sie den Verlust ihrer Habe erst durch ihre halbnackten und mißhandelten Kinder, die durch ihr Hilfeschreien die Andächtigen aus den Bethäusern riefen, gewahr wurden, konnten sie kaum etwas von den Räubern gesehen haben. Ueberdies hatten sie genug zu thun, wenn sie nur ihr nacktes Leben retteten, da sich die grausamen Plünderer verschiedene Mordthaten zu Schulden kommen ließen. Nur Wenige kannten die Räuber ihres Vermögens und diese hatten bereits früher bei der Ortsbehörde die Anzeige davon gemacht. Der Feldherr gab dann den Juden noch Zeit bis zum anderen Tage, um ihre Beweise beizubringen, mit dem Bemerken, daß wenn sie bis dahin das Verzeichniß der einzelnen Plünderungen beibrächten, und auch jeden einzelnen Räuber namhaft machen könnten, sie das Geraubte wieder erhalten sollten. Sollten sie dieses aber nicht können, so würden sie gezwungen, zu bescheinigen, daß sie auf jeden Ersatz Verzicht leisteten. Als die Juden den Einwand machten, daß sie in dieser kurzen Zeit das Verzeichniß nicht von Tunis herbeischaffen könnten, und daß es ihnen durchaus unmöglich sei, die Räuber namhaft zu machen, antwortete der ungerechte Soldat: „Mem Wort gilt ". Hierauf wandte er sich zu seinen Adjutanten und