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Der Israelit · 1865-10-25 · Heft 43 (25.10.1865) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 43 (25.10.1865)
Date
1865-10-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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634 daction der O. N. entschieden zurück. Aus dem zweiten Briefe, der am schlagendsten beweist, heben wir Folgendes hervor: Mein Herr! In meinem früheren Briefe führte ich zu Gunsten meiner These den königlichen Pfalmisten David, Daniel, Maimonides, Mendelssohn, die Propheten und Gelehrten in Israel an, und Sie stellen mir Lessing und Salvator gegenüber! Keinesfalls können Sie in Abrede stellen, daß die Propheten und Hagiographen zahlreiche Stellen enthalten, die deutlich genug auf das Fortleben der Seele nach dem Absterben des Körpers Hinweisen; die von Strafen und Belohnungen reden, welche des Menschen, je nach seinem Lebenswandel hinieden, in einem zukünftigen Leben warten. Wabe dieses nicht schon durch Moses behaupte^ worden, wie könnten die Propheten David, Salomon, Job und Daniel die Unsterblichkeit der Seele proclamirt haben, wenn nicht dieses entweder durch schriftliche oder mündliche Ueberlreferung auf sie fortgepflanzt worden wäre? heißt es doch ausdrücklich in dem Gesetze Mosis: „Ihr dürft nichts hinzufügen, und nichts hinwegnehmen!" Die Wahrheit ist vielmehr, daß alle gläubigen Israeliten in den Büchern Mosis zahlreiche Belege für dieses Dogma finden. Sind wir etwa nicht ebenso gut wie Andere berechtigt, den Pentateuch, nach annehmbarer, dem Worte nicht widersprechender Weise, zu deuten? So finden wir z. V. im Genesis 9, 5 das Verbot und die Strafandrohung für den Selbstmord. Aber wie könnte der Selbstmörder bestraft werden, wenn dieses nicht in einer anderen Welt sein sollte? Schon im ersten Kapitel wird gesagt, der Mensch sei im Ebenbilde Gottes geschaffen, was sollte dieses Ebenbild bedeuten, wenn darunter nicht die Vernunft und die unsterbliche Seele verstanden seien? Sie führen zu Ihren Gunsten Lcssing an, der zwar ein bedeutender Schriftsteller, aber nur ein mittelmäßiger Theologe war. Nun will ich Ihnen einen anderen christlichen Autor anführen, den berühmten Herder nämlich, der, um die Unsterblichkeit der Seele aus dem Pentateuch nachzuweisen, folgenden Vers citirt: „Abraham starb und wurde zu seinem Volke versammelt." Im Grabe kam der Körper des Patriarchen nie zu seinem Volke, das in Chaldäa lebte, da der Patriarch in der Höhle Machpelah bei Hebron bestattet wurde. Also „er wurde zu seinem Volke versammelt" spricht von nichts anderem, als von seiner unsterblichen Seele. Abraham war, um dem göttlichen Gebote Folge zu leisten, im Begriffe sein einziges Glück, seine Freude, die Zukunst seines Namens und seines Geschlechtes, seinen einzigen Sohn zu opfern. Wie hätte er sich zu diesem ungeheuren Opfer entschließen können, wenn er nicht an eine Wiedervereinigung nach dem Tode geglaubt hätte, also an die Unsterblichkeit der Seele? Bereits habe ich erwähnt, daß Moses weniger nöthig hatte, von der Unsterblichkeit der Seele zu sprechen, da die Israeliten diesen Glauben als allgemein bekannte Tradition von ihren Vorfahren überkommen hatten. Ich will nicht mit zu vielen Citaten ermüden. Aber was könnte man den folgenden Texten entgegensetzen, wie z. B. „Beraubt meines Ruheplatzes, werde ich Gott sehen?" (Job. 19, 26). — Die Tugend wird vor Dir einherziehen, „und Du wirst in der Herrlichkeit Gottes empfangen werden." (Jsaias 58. 8.) — „Du lehrst mich den Weg des Lebens, um mich, zu Deiner Rechten, die ewige Glückseligkeit Deiner Anschauung genießen zu lassen." (Psalmen 16, 11.) — Wenn also unsere Propheten und Lehrer, gestützt auf die Bücher Mosis uns ein ewiges Leben verheißen, kommt es da einem Andersgläubigen zu, die Lehren dieser Männer in Abrede zu stellen? Wenn in den Zehngeboten guten Kindern langes Leben versprochen wird, und wir dennoch sehen, daß so mancher edle Sohn und so manche gute Tochter frühzeitig dahinstirbt, dürften wir dadurch die Wahrhaftigkeit unserer l eiligen Thora in Frage stellen? Mit Nichten. Gewiß ist unter dem langen Leben das zukünftige verstanden. Zum Schluffe weisen wir mit der ganzen Kraft unserer religiösen Ueberzeugung, die gegen die geistige Religion Mosis gerichtete Beschuldigung des Materialismus zurück; wir protcftiren ebenfalls gegen die nachtheiligen Folgen, die diese Anklage haben könnte, und für die ein jeder Schriftsteller, der solche Ansichten, sei es aus Jrrthum oder, von Vorurtheil befangen, verbreitet, verantwortlich ist. Wir wollen durchaus nichts von einem materialistischen Glauben wissen, der nicht der unsrige ist, und die Reinheit und Größe des jüdischen Geistes verunglimpfen würde. Die Opinion Nationale, welche so oft das gute Recht und die Wahrheit in Schutz nimmt, möge uns unterstützen, die Jrrthümer und Voruriheile zu beseitigen. Genehmigen Sie rc. F. Sourdis. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf«Sämellprefsendruck von I. Sottsleben in Mainz.

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