Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1865)
- Date
- 1865-10-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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633 er stets den conservativen Interessen zugethan, was auch allseitig Anerkennung findet. Klausenburg, im September. Ein in der „Neuzeit" erschienener, von hier datirter Artikel spricht von den Hindernissen, mit welchen der Vorstand bei Gelegenheit der Restaurirung der hiesigen Normalschule zu kämpfen hatte, wie auch, daß unser Kultuspräses, der rühmlichst bekannte, bei beiden Parteien der hiesigen Gemeinde in großer Achtung stehende Herr KohnSändor, keine Mühe und kein Geldopfer scheut, um der neuerdings hergestellten Schule tüchtig unter die Arme zu greifen. Das Lesen genannter Zeilen hat mir um so mehr Vergnügen gewährt, als ich der Ansicht bin, daß eine jede, das allgemeine Wohl bezweckende Thal, sei sie die einer Gemeinde oder eines Einzelnen,! durch die Presse der Oesfentlichkeit zum Zwecke der Nachahmung übergeben werden sollte. Aber wie ein Blitz aus heiterem Himmel überraschte mich die Wendung, die dieser Artikel nimmt, indem er den hiesigen intelligenten und als talmudische Capacität berühmten Herrn Rabbiner beschuldigt, in einer Rede gegen die Schule gearbeitet zu haben, durch die Behauptung, daß in derselben das jüdische Fach nicht vertreten, der jüdische Geist nicht vorhanden sei. Erlauben Sie, werther Herr N. N., daß ich so frei bin, Sie zu ersuchen, das kleine Opfer eines Tempelbesuches nicht scheuen zu wollen, wenn Sie künftighin die Worte und Aenßerungen des Herrn Rabbiners zu tadeln gedenken; dann würden Sie es gewiß unterlassen haben, die zwischen Rabbiner und Gemeinde herrschende Eintracht zu stören, indem Sie den Herrn Rabbinen beschuldigen, die hiesige Schule in Mißkredit gebracht zu haben, da doch er selbst kurze Zeit vorher für ihr Zustandekommen Partei nahm. Der Herr Rabbiner stellte nämlich die Behauptung aus, daß die jüdische Schule, wo schon frühzeitig dem Kinde Religion und jüdisches Wissen eingeprägt wird, unser köstlichstes, unantastbares Erbgut geblieben sei; sie war es, die selbst dem größten Feinde des Judenthums Bewunderung abnörhigte, indem er unwillkürlich ausrief: diese geistige Bildungsstätte der Jugend betrachten wir noch bis jetzt als unser werthvollstes Gut, das uns noch von dem goldnen Zeitalter unserer Selbstständigkeit geblieben. Nun aber, da in den meisten Normalschulen auf den Religionsunterricht und auf das Fach des jüdischen Wissens überhaupt so wenig Gewicht gelegt wird, daß sie kaum in die Rubrik der Lehrgegenstände ausgenommen worden sind, so können wir ganz füglich mit dem Propheten ausrufen: nicnni „Unsere Erbgüter sind uns entfremdet worden!" Dieses waren ungefähr die Worte des Herrn Rabbiners. Also nicht gegen die hiesige Schule, deren Leitung und Ueberwachung ihm anvertraut wurde, sondern gegen jene öffentlichen Schulen, wo das jüdische Studium gänzlich vernachlässigt wird, war seine gerechte Kritik gerichtet; denn, daß an der hiesigen Schule das hebräische Wißen mit lobenswerthem Eifer gelehrt wird, ist der Herr Rabbiner ebensowohl überzeugt, als Sie es selbst, lieber Herr N. N., überzeugt sein dürfen. — Und eben diese Überzeugung mag es auch sein, die den Umstand rechtfertigt, daß der hochgeehrte Herr Rabbiner die Schule während der kurzen Zeit ihres Bestehens zum Zwecke der Prüfung noch nicht besucht hat. Und daß in einer jüdischen Schule das jüdische Fach als ein unerläßlicher Lehrgegenstand in den Vordergrund treten muß, wird wohl Niemand in Abrede stellen wollen. Den Tadel also gegen ein derartiges jüdisches Lehrinstitut, das dieses Fach vernachlässigt, muß nach meiner Ansicht ein Jeder, mag er Orthodox oder Neolog sein, sehr gerecht finden; es ist daher die Beschuldigung, daß der Herr Rabbiner durch diese Rede ein Schwanken zwischen den beiden Parteien der Gemeinde bekundete, eine ganz unbegründete. Der Autor des erwähnten Artikels bedauert, in die traurige Nothwendigkeit versetzt zu sein, solche Facta von Rabbinen registriren zu muffen, die den Weinberg des Herrn vernachlässigen, und von Egoismus geleitet, „das Mark der Gemeinde aussaugen". Es ist aber weit trauriger, daß es Individuen gibt, die das Gesicht des Haffes unter der Maske gerecht fein sollender Kritik zu verbergen suchen; es ist ferner weit trauriger, daß gewisse Organs mit dem größten Vergnügen und der größten Bereitwilligkeit ihre Spalten der Herabwürdigung tadelloser Männer öffnen; es ist endlich weit trauriger, daß diese Organe mit unermüdlichem Eifer das wahre JudenLhum zu untergraben sich bestreben, was ihnen aber mit der Hilfe Gottes nicht gelingen wird, denn der wird endlich den mit Blindheit Geschlagenen die Geistesaugen öffnen, damit in Erfüllung gehe: Op.n -nrr „Und vor jener Sonne der wahren Aufklärung wird endlich schwinden die Dunkelheit der falschen Religionsanschauungen und das trügerische Nebelbild der „Neuzeit"! Julius Spitz, Nal binatscandidat. Frankreich. Im vorigen Monat machte ein Disput über den Glauben der Juden an die Unsterblichkeit der Seele, welchen Glaubensartikel der Chef-Redacteur der Opinion-Nationale, Herr Guerault, den Judcn absprach! indem er zugleich die Behauptung ausstellte, daß die Israeliten Materialisten seien, die Runde durch die französischen Zeitungen. Besonders hob er hervor, daß die fünf Bücher Mosis kerne diesbezügliche unzweideutige Stelle enthielten. Herr Sourdis, unser würdiger Religionsgeuoffe, wies diese Angriffe in zwei! nach einander folgenden Sendschreiben an die Re-