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Der Israelit · 1865-10-18 · Heft 42 (18.10.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 42 (18.10.1865)
Date
1865-10-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 42 des Israelit. AettungSnachrichten und Correfpondenzen. Rußland. Ueber das den jüdischen Gewerbtreibenden undHandwerkern verliehene Recht zum freien Aufenthalt im ganzen Reiche bringt die „N. P." einen Artikel, dem wir Folgendes entnehmen.- „Die Bedeutsamkeit dieser Maßregel wird erst dann klar, wenn man sich näher mit der gegenwärtigen Lage der Juden in Rußland bekannt macht. Die Ausnahmegesetze, denen dre Juden unterworfen sind, haben den Zweck, ihnen entweder ihre Rechte zu sichern, indem sie ihnen gewisse Gegenden zum beständigen Wohnsitze anweisen, oder auch einige Rechte, welche die anderen russischen Unterthanen besitzen, zu entziehen. Bisher durften die Juden sich nur in dem westlichen Theile des Reichs aufhalten. Dieselben zählen im Ganzen 16,222,000 Einwohner, darunter 1,430,000 (also 7,85 pCt.) Juden. Die meisten Juden hat das Gouv. Mobilem, wo sie 13 pCt.. die wenigsten das Gouv. Taurien, wo sie 1,41 pCt. der Bevölkerung ausmachen. Berechnet man die Gesammtbevölkerung Rußlands (ohne Polen und Finnland) zu 65,235,000 Individuen, so beträgt die jüdische Bevölkerung nur 2 10 pCt. jener. Da die Juden überhaupt keine Neigung zum Landbau haben und nur wenige so viel Kapital besitzen, um sich mit größeren Handelsunternehmungen beschäftigen zu können, und so freien Zutritt zu den übrigen russischen Gouvernements zn gewinnen, so häufte sich die Maste der jüdischen kleinen Gewerbtreibenden und Handwerker namentlich in den kleinen Städten so an, daß durch die ungeheuere Konkurrenz der Erwerb sehr schwierig wurde. . . . Diesen Uebelständen hilft die den jüdischen Handwerkern gestattete Freizügigkeit mit einem Schlage ab. Außerdem wird sie den Mangel an guten Handwerkern m den inneren Gouvernements beseitigen, wie denn bereits früher von dem Kursker und Ssmolensker Adel, dem Verwalter der Getränke- Accise im Gouvernement Kursk und dem Militärgouverneur in Woronesh darum petitionirt worden war, den jüdischen Technikern, Branntweinbrennern und Bierbrauern den Aufenthalt in den inneren Gouvernements zu gestatten. Endlich hinderte auch das Ueberwiegen der jüdischen Bevölkerung in den Städten Westrußlands das Erstarken der russischen Nationalität in diesen Städten. Warschau- In Folge eines speciellen Falles wurde vom Warschauer Organisationscomitö verordnet, daß von nun an, bei allen amtlichen Zuschriften in Civilsachen an Israeliten die bisherige Bezeichnung „dem Juden" (L^äo^i oder starvLakoiuLsriru) eben so wenig beigefügt werden dürfe, als bei anderen Glaubensbekenntnissen ein analoger Zusatz gemacht wird. (W. Ztg.) Dänemark. Kopenhagen, x-pvn. (Privatmittheilung.) Die Wanderung in ein neues Jahr haben wir nun bereits angetreten. Unserem alten Freunde, dem orthodoxen „Israelit" unseren freundlichsten Gruß und viel Glück im neuen Jahre zu seinen so erfolgreichen Bestrebungen; möge es ihm auch im kommenden Jahre gelingen, wie in den vorangegangenen seines Bestehens viel Gutes zum Heil und Frommen unseres traditionellen Glaubens zu leisten. Gewiß wird auch seine Tendenz im Vereine mit npnLi, von welch' letzterer besonders die jüngsten Nummern d. Bl. soviel Beweise ihrer Handhabung in Israel geliefert, — gewiß werden vereint diese Factoren dazu beitragen p-n umsomehr da diese Tendenz jene anzustreben sich bemüht. Aber auch das Judenthum an sich selbst erwartet in diesen Tagen sein Schicksal vom Ausspruche des Weltenrichters, ob es vom Feuer der Glaubenseifrer aufrechterhalten wrn 'v, oder ob es von den Fluthen des Zeitstromes auch im kommenden Jahre mitfortgeristen werden soll v'vI 'v, ob es von den hitzigen Kämpfen um dasselbe und in demselben ruhen 'O, oder ob die Bewegungen in dem Lager seiner Bekenner fortdauern sollen 'v, darum in dieser folgenreichen Krisis vor Allem eine u"ii dem orthodoxen Judenthum und seinen Vertretern. Weil wir aber gerade von nv'rin sprechen, können wir auch nicht eine unerwähnt lasten die eben keine ist. Herr I)r. Levison inStockholm hat kürzlich eine Sammlung von Predigten in schwedischer Sprache veröffentlicht, die natürlich das große oratorische Talent des Verfassers bekunden soll. Aber das ist eben das Schicksal großer Genien, daß die böse Mitwelt sie nicht einmal ungestört auf ihren Lorbeeren ruhen läßt. Nun haben es auch schon neidische Augen heraus, dcß beinahe das ganze Opus des schwedischen Herrn vr. eine nicht nur dem Sinne nach, sondern wortgetreue Uebersetzung mehrerer in der homiletischen Beilage des weiland Steinischen steinisch - israelitischen Volkslehrers abgedruckten Predigten sei. Freilich konnte der Herr I)r. es nicht ahnen, daß man hier im Norden von den Producten des Südens — zumal diese, der Vergangenheit angehören — Kenntniß habe, und glaubte wahrscheinlich daher ein Plagiat begehen zu dürfen, ohne die öffentliche Meinung fürchten zu müs-

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