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Der Israelit · 1865-10-18 · Heft 42 (18.10.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 42 (18.10.1865)
Date
1865-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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614 Jahresprüfung gestanden, welches — unter den Augen des hier wohnenden König!. Herrn Prüfungscommissürs veröffentlicht — sich gewiß der strengsten Wahrhaftigkeit beflissen hat und dann die Runde durch die besten bayer. Blätter machte. Hier gab es nichts anzugreifen, nichts zu erwiedern, nur ein gemeiner Verleumder nahm Veranlassung, eine gute, in edelster Absicht unternommene Sache zu verunglimpfen, um seinem ehrwürdigen Lehrer eine Kränkung zuzufügen. Der Nürnberger Anzeiger, welcher das Referat des Abendblattes abgedruckt hatte, ist offenbar düpirt worden. 3. Es ist Unwahrheit, ja gemeine Verdächtigung, daß „Thatsachen an's Licht gezogen" worden welche gegen die Anstalt sprechen. Wäre das der Fall, die Z d. I. und ihr sauberer Korrespondent hätten sie nicht verschwiegen. Welche Thatsachen sind denn eigentlich an's Licht zu ziehen? „Welche Wahrheiten sind aufzudecken?" Weiß denn die Welt nicht, daß Herr Rabbiner Bamberger die strengste Orthodoxie vertritt und ihm anvertraute I nglinge in diesem Sinn erzieht, daß das erst aufgedeckt werden müßte? Das hohe Königliche Ministerium weiß es und hat ihm die Gründung der Anstalt gestattet; die hohe Königl. Regierung weiß es und hat ihm die Direktion übertragen; die bayer. Gemeinden wissen es und unterstützen ihn reichlich; die Wohlthäter in Frankreich, England und Amerika wissen es und schicken ihre Beiträge; die Eltern der Zöglinge wissen es, und dennoch hat sich wieder eine sehr beträchtliche Anzahl um Aufnahme beworben. Sehet, das sind die Früchte der von Euch an's Licht gezogenen Thatsachen. 4. Eine Unwahrheit und gröbliche Beleidigung des Lehrerpersonals, so wie der hohen K. Behörden, welche die Anstalt genehmigt und zu überwachen haben, enthält der unsinnig klingende Satz: „Die Anstalt geht daraus aus, mit der strengsten Orthodoxie Unwissenheit, Unbildung und alle äußere Erscheinung (??) der früheren Jahrhunderte zu verbinden. Die Lehrer der Anstalt sind für ihren Beruf geprüft und theilweise im Amte ergraut. Herr I)r. Wolfram, Professor für Mathematik und Naturwissenschaften an der K. Gewerbschule, lehrt Realien; Herr Dr. Lell, Sekretär des landwirthschaftlichen Vereins, gibt Landwirthschaft und die. damit zusammenhängenden naturwissentschaftlichen Fächer; Herr Domlehrer Benz, Vorstand des unterfränkischen Lehrer- Vereins, welcher schon ein ganzes Menschenalter hindurch den Gesang- und Schönschreib-Unterricht am Königl. Seminare ertheilt, unterrichtet diese Fächer auch an unserer Anstalt. Der Lehrer für die talmudischen Fächer, Herr Schlenker, ist auch für den deutschen Unterricht geprüft und hat sich seine Bildung durch Umversitätsstudien verschafft; Schreiber dieser Zeilen endlich, der die deutschen Elementarsächer, Pädagogik und die biblischen Fächer lehrt, kann sich auf eine mehr denn zwanzigjährige Lehrerthätigkeit in Württemberg berufen, von woher ihm die günsügsten Zeugnisse der K. Schulbehörden zur Seite stehen. In meinem und dieser Männer, meiner Herrn Kollegen, Namen weise ich den Vorwurf der Beförderung von Unwissenheit und Unbildung mit sittlicher Entrüstung zurück. Buben dürften für ihre Stylübungen geeigneteren Stoff finden, als die Verunglimpfung ihres Lehrers und die Schmähung von Ehrenmännern. Ein solides Blatt aber wird seine Spalten nie zu solchem Unfug hergeben, zu solcher Lästerung einer Sache, über welche sich bei so kurzem Bestehen noch gar kein Urtheil abgeben läßt. Denn eine Lehranstalt läßt sich doch gewiß erst dann beurtheilen, wenn sie eine Anzahl von Zöglingen entlassen hat; aber für die Z. d. I. ist Alles gut genug; wer Gift und Galle gegen etwas Gutes in sich trägt — sie ist ihm ein empfänglicher Behälter. 5. Wenn behauptet wird unsere Zöglinge müßten Heuchler werden, -weil wir sie zu einem jüdischen Lebenswandel verleiten, so verräth damit der Verfasser nur seines eigenen Herzens Schlechtigkeit, die Andere nach dem eigenen Maßstab mißt. Uebrigens besteht weder ein Zwang zum Eintritt noch ein Hinderniß für den Austritt, wenn Jemand sich mit dem religiösen Geist der Anstalt im Widerspruch befindet; die Möglichkeit des Mißbrauches einer an sich guten Sache kann doch nicht den Grund abgeben, diese aufzugeben. Aber selbst bei dem freiesten religiösen Leven — als Heiden werden wir doch die künftigen Lehrer nicht erziehen sollen — beim freiesten religiösen Leben in der Anstalt könnte sich noch Mancher mit dem Minimum dessen, was man bestehen ließe, in Widerspruch befinden und zum Heuchler werden, wenn man ihn dazu anhalten wollte. Nicht wir, der Korrespondent der Z. d. I. würde Heuchler erziehen, wenn er es zwar schön findet, daß das jüdische Ritual unterrichtet wird, aber vorschlägt, die Zöglinge nicht zum Leben nach dem Gelernten anzuhalten. Das ist logisch, sittlich, pädagogisch!? 6. Der Korrespondent d. Z. d. I. findet es besonders verwerflich, daß unsere Anstalt das Internat eingeführt. Da nun mancher Leser vielleicht nicht weiß, was dieses gelehrte Wort bedeutet, so sei mir eine Verdeutschung gestattet. Nach dem wohlgemeinten Rath dieses Herren sollten unsere Zöglinge außer der Unterrichtszeit ohne jede Aussicht sein. Sie sollten das Recht haben, aufzustehen und zu Bette zu gehen, wann sie eben wollten, zu arbeiten oder im Kaffeehause zu spielen, wann es ihnen beliebt, ins Theater, zum Tanze oder in die Synagoge zu gehen, ganz nach eigenem souveränem Ermessen, auch manchmal einen Rausch mit in die Unterrichtsschule zu bringen und

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