Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1865)
- Date
- 1865-10-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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61 begonnen, das hat sicy aus geringen Anfängen, zu einer umfassenden, in ihrer Weise großartigen Schöpfung gestiftet. „Und wenn wir nur" äußerte er einmal, gegen den Einsender dieser Zeilen, „und wenn wir auch nur ein p2v, eine Gemeinde, wie in Heddernheim*) bilden können, so haben wir schon Alles gewonnen**) und mehr brauchen wir nicht!" Aber R. L. Posen ist nicht allein zu diesem püQ gelangt. Eine große Gemeinde hat sich seitdem allmählich gebildet und alle ihre religiösen Institute nach streng-ritueller Vorschrift eingerichtet. Besonders hat er eine herrliche Synagoge sich erheben sehen, die P., obwohl er als Klausrabbiner im eigenen Hause eine Synagoge hatte, regelmäßig besuchte, um so, seine Bequemlichkeit opfernd, seinen Freunden ein Beispiel zu gebe!'., wie in der guten Sache alles Streben in Einigkeit sich in einem Puncte concentriren müsse. Wie erfreulich mußte es daher für ihn sein, daß diese neuerbaute Synagoge schon nach wenigen Jahren zu eng für die große Zahl ihrer Besucher wurde, und daß ihre demnächstige Erweiterung beschlossen werden mußte! Und welchen Genuß gewährte ihm nicht der in acht jüdischer Weise geordnete Gottesdienst, und die darin von unserem verehrten Rabbiner gehaltene Predigt; wie erquickte ihn nicht, nach so langen Jahren der Trauer über den Verfall der Gottesfurcht und Frömmigkeit nach dem so lange erduldeten Uebermuth der unjüdischen Brüder, die errungene Freiheit, und Wahrnehmung eines frisch erblühendtN, jüdischen Gemeindelebens und der wiedererwacht, n Lust am Gottesworte! Und darum erkannte er als Pflanzschule für die kommende Generation, die unnennbare Bedeutung unserer, von Herrn Rabbiner Hirsch in's Leben gerufene Unterrichtsanstalt, auf welche er hoffnungsvoll herabblickte, und die er als den kostbarsten Schatz, nicht nur der gesammten Gemeinde, sondern jedes einzelnen Gemeinde-Gliedes betrachtete. „Wenn unsere Schule nicht wäre", pflegte er oft zu sagen, „so könnte ich gar nicht wünschen, Kinder zu haben!" Durch das harmonische Zusammengehen der Schule mit seinem Hause, wurde die Erziehung seiner Kinder ihm angenehm und leicht Und in dieser Bemühung wurde er durch die Mithilfe der treuen Mutter seiner Kinder freudig und erfolgreich unterstützt und man kann wohl sagen, daß das Familienleben R. Leser Posm's überhaupt ein glückliches und wahrhaft beneidenswerthes war. Die Liebe und Verehrung einer treuen Gattin beglückte ihn in reichem Maße, und erheiterte mit ihrem Ein¬ *) Ein Dorf in der Nähe von Frankfurt. **) Wie schmählich die Altgläubigen in Frankfurt vor 1848 von dem isr. Vorstande behandelt wurden, kann!ier nicht ausgeführt werden; die Thatsache bildet aber einen Commentar zu obigen Worten S. die interessante Broschüre: „Die Religion im Bunde mit dem Fortschritt." Frankfurt, bei I. Kauffmann. tritt in sein Haus die letzten Jahre seines Lebens. Und wie sie mit jüdischem Sinne in treuer Erfüllung der Frauen- und Mutterpflicht seine Begleiterin durch das Leben war, so ertrug sie ergebungsvoll als wahre Jüdin ihren großen Verlust, ihres frommen Vaters würdig, der sie zu solchen Gesinnungen erzogen, würdig ihres Mannes, von dem sie nur solche vor sich sah. Darum wollen wir R L. Posen nicht beklagen, so ungern auch wir ihn verloren; — darum wollen wir wünschen, daß sein Geist noch fortleben möge in unserer Gemeinde, und zu dem Ernste sich erheben, zu der Liebe zum angestammten Glauben, zu dem rücksichtslosen Vorschreiten in Dingen der inneren Ueberzeugung, wie wir diese Tugenden bei dem Seligen erkannt. Möge vor Allem sein Beispiel seinen noch unmündigen Kindern vorleuchten, daß sie einst in den Wegen wandeln, an denen ihr Vater Wohlgefallen hatte, und daß sie solche v'vp solche Stützen der Gemeinde werden, wie er es war; dies wird der wirksamste Trost sein, wie für ihre Mutter, so auch für unsere .-iv.ip, so wie für Alle, welche in Liebe und Hochachtung vor ihm sich vereinigten. DSürzburg, 2. Oktober. Die Zeit. d. I. läßt sich in Nr. 39. aus Nürnberg (woher des Tandes so viel kömmt) einen in dem dortigen „Anzeiger" erschienenen Artikel gegen das hiesige israel. Lehrerseminar schicken, welcher die Wahrheitsliebe die Logik und die Konsequenz der Z. d. I. wieder einmal gehörig kennzeichnet und den Unterzeichneten zu folgender Erklärung veranlaßt. 1. Es ist Unwahrheit, daß der genannte Artikel im Nürnberger Anzeiger aus der Opposition der sogenannten Gebildeten gegen das genannte Seminar hervorgegangen ist. Es hat sich vielmehr als Verfasser ein verkommenes jungesMännchen bemerklich gemacht, welchem Herr Rabbiner Nürnberger wegen unsoliden Wandels, nachdem alle Ermahnungen fruchtlos geblieben waren, den ferneren Besuch seiner Vorlesungen verboten hat. Gemeine Rache, nicht irgend ein sittliches Motiv, hat jenem Artikel sein Dasein gegeben, was sich auch leicht an der giftigen, von Haß gegen den Herrn Rabbiner Bamberger strotzenden Sprache erkennen läßt. Darum ignorirten wir auch das Machwerk, bis die Z. d. I, die einen wahren Heißhunger nach Allem hat, womit sie den Herrn Rabbiner B. beleidigen zu können glaubt, es versuchte, Capital aus der falschen Münze zu machen. 2. Es ist Unwahrheit, daß das Bestehen unserer Anstalt „Rumor in der Orffentlichkeit macht, lebhafte Diskussionen in den Zeitungen hervorruft, Artikel und Gegenartikel veranlaßt hat; alles grobe Unwahrheit. Wahr ist b!os, daß im „Würzburger Abendblatte", dem Organe der unterfränkischen Lehrer, ein Referat über das günstige Ergebniß unserer ersten