Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1865)
- Date
- 1865-10-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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612 über 30 Jahre wirkte. Aus einer hochberühmten Familie stammend, war er selbst als Gelehrter und Dichter ausgezeichnet; Friede seiner Asche. — Frankfurt a. M, Anfangs Tischri. 2PP' 'p-x Op 2'OP. So beteten Tausende von Gemeinden mit dem frommen Sänger am zweiten Tage des heiligen 2202 wr<2; „Die Edeln der Völker sind heimgerufen worden, die Edeln aus dem Volke des Gottes Jacobs!" *) Ach, wie viel solcher Edeln hat nun seit wenigen Jahren unsere theure Gemeinde verloren, und wohl noch nie ist der Verlust wackerer O'ii.-i' so schmerzlich empfunden worden, war noch nie so tief zu beklagen, wie in unserer Zeit, wo der Hinblick auf die wachsende Jugend wahrlich nicht immer zur Hoffnung ermuthigt, daß einst die jungen Kämpfer die Lücken ausfüllen werden, welche der Hintritt dieser Männer hervorgerufen! Und solch ein 2'22, eine so fromme, edle Seele aus unserer Gemeinde, ist am zweiten .22^.2 nxi- Tage von uns zur ewigen Ruhe geleitet worden, Rabbi Leser Posen haben wir verloren, welcher der Stolz und die Zierde unserer >2^.2p, die Krone und das Haupt seiner Familie war! Still und friedlich war sein Leben, kein Feind blickt seiner Bahre nach; denn bei den Männern aller Richtungen war R- Leser Posen geachtet und geehrt, und gewiß, nie hat er wissentlich Jemandem wehe gethan. — Sanft und ruhig schied er aus dem Leben; und mit der Ruhe und Heiterkeit eines p'2L sah er allezeit dem Tode entgegen, der ihn so plötzlich, uns allen so überraschend, kam. Still und schweigend folgte ein zahlreicher Zug dem s^r-r; das heilige Fest gestattete dem Munde keine laute Klage; aber Aller Herzen sprachen laut; der Ernst auf dem Antlitze so vieler seiner Freunde und Verehrer war beredter, als der ergreifendste Nachruf. Obwohl R. Leser Posen keine hervorragende Stellung in Frankfurt einnahm, gehörte er doch zu den ausgezeichnetsten Männern unserer Gemeinde. Ein schlichter Geschäftsmann, war er ein Muster der Rechtlichkeit, der Wahrheitsliebe und der Uneigennützigkeit. Mochten auch des Lebens mannigfache Widerwärtigkeiten an ihn herantreten, — und sie traten von seiner frühen Jugend an ihn heran, — sie beugten ihn doch nimmer nieder. Ein heiterer Geist, ein gesunder Humor ließen keine Verstimmung, keinen Kleinmuth in ihm auskommen, und wenn auch das glückliche Naturell unterliegen wollte, seine ungeheuchelte Frömmigkeit, sein unbegrenztes Gottvertrauen machten ihn muthig und unverzagt. — Bei klarer, gründlicher Talmudkenntniß, zeichnete ihn die liebenswürdigste Bescheidenheit aus, die sich auf Gelehrsamkeit Nichts zu Gute thut, und nicht mit Geringschätzung *) 12^' IV-N2 zur Stelle. auf Wenigerunterrichtete herabblickt: im Gegentheil, R. Leser Posen war auch Unwissenden zugänglich, und theilte bereitwillig Allen aus dem reichen Schatze seines Wissens mit. Vermöge seiner Gelehrsamkeit war er das Vortragende Mitglied in der 22212-0"^, wo auch, sein Vater 21 war, und mag es hier noch kurz erwähnt werden, daß auch sein Großvater pns ^2, s. Z. Rabbiner in Friedberg — wo er begraben liegt — einer der größten Celebritäten unter seinen Zeitgenossen war. Wer als Mensch und als '21.2' so ausgezeichnet ist, auf den blickt und rechnet auch die Gemeinde in ihren heiligsten Angelegenheiten. Und in der That ist nach dieser Seite hin sein Verlust fast unersetzlich. In dem kleinen bescheidenen Raume, in welchem der oben erwähnte Verein sich allabendlich versammelt, und wo der nun Hingegangene so manches Jahr im Kreise würdiger Männer lehrte, und zu allem Guten anregte, wurde vorzüglich auf sein Anstiften, der Grund zur Bildung der israelitischen Neligionsgesellschast gelegt, und es war wahrhaft rührend und erhebend, zu sehen, mit welchem Ernst und Eifer der körperlich schwache Mann hjerbei die außerordentlichste Thätigkeit entfaltete, und wie er Andere zu gleichem Eifer anfeuerte. Ohne R. Leser Posen wäre vielleicht nie unsere Gemeinde ilüs Leben gerufen, und das jüdische Element wäre mit der Zeit in Frankfurt verkümmert und wenn er sich, nachdem das Bestehen der Gemeinde gesichert war, nachdem unser verehrter Rabbiner '"2 für dieselbe gewonnen worden, und ein gottesfürchtiger Vorstand an ihrer Spitze stand; wenn sich nachher R. Leser bescheiden zurückzog, so nahm er doch immer den regsten Antheil an ihrer Fortentwickelung, und seine Zurückgezogenheit war in der That nur eine scheinbare. Er hatte von Allem Kenntniß, was in der Religionsgemeinde vorging, kein wichtiger Beschluß wurde gefaßt, bei dem man nicht zuvor seine Ansicht und seinen Rath gehört; seine Klugheit, seine Mäßigung, seine Besonnenheit waren es, die zu verschiedenen Malen über peinliche Situationen hinweg halfen und sie wirkungslos an uns vorüberziehen ließen, und dies ohne alle Pentation, aber mit Entschiedenheit und aufrichtiger, über den Parteien stehender Gesinnung. So sehr aber der Tod dieses wackeren Mannes alle seine Freunde in Betrübniß gesetzt, so empfindlich uns der Abgang seiner unschätzbaren Thatkraft ist, so viel Tröstliches bietet uns doch auch wieder die Betrachtung seines Lebens dar. Sein Ringen nach besseren Zuständen, seine Bestrebungen für dieselbe waren dann doch nicht vergeblich. Erhebend sind die Erfolge, die er und seine Gesinnungsgenossen errungen, erfreulich, daß es ihm vergönnt war, jene noch zu sehen, und sie zu genießen. Was er und jene wenigen Männer im Namen des Judenthums vertrauensvoll